Flächendeckender Breitband-Ausbau in Hessen

20.09.2013

Die hessische Wirtschaft erwartet einen flächendeckenden Ausbau mit Hochgeschwindigkeitsnetzen. „Ohne ausreichende Breitband-Kapazität sind die meisten Standorte kaum mehr wettbewerbsfähig“, sagte Hans-Joachim Giegerich, Vizepräsident der IHK Offenbach am Main, im Rahmen einer Veranstaltung der hessischen IHKs zum Thema „Moderne Kommunikationsinfrastruktur für Unternehmen“.

Markus Weinbrenner, Hauptgeschäftsführer der IHK Offenbach am Main, sagte, Breitband gehöre in den meisten Teilen Hessens zu ei-nem der wichtigsten Kriterien für die Standortwahl von Unternehmen. Die kommunale Verwaltung müsse daher in der Lage sein, Unter-nehmen verlässlich zu informieren,  wann mit welcher Breitband-Kapazität am jeweiligen Standort zu rechnen ist. Damit müsse ver-hindert werden, dass mangels solcher Informationen Unternehmen den Standort Hessen zugunsten anderer, bereits besser ausgestatteter Standorte aufgeben. „Beim Ausbau der Glasfasernetze dürfen nicht nur die Wohngebiete im Fokus stehen. Auch die Gewerbegebiete müssen flächendeckend erschlossen werden“, sagte Weinbrenner.

Nach Darstellung des hessischen Wirtschaftsministeriums kommt der Breitband-Ausbau  in Hessen trotz mancher noch unterversorgter Gebiete insgesamt besser als in den meisten anderen Bundesländern voran. Georg Matzner, Referatsleiter im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, erläuterte, dass für rund 64 Prozent der Haushalte in Hessen momentan einen Anschluss mit 50 Mbit/Sekunde oder mehr möglich ist. Damit habe sich die Abdeckung innerhalb von zwei Jahren um 19 Prozentpunkte verbessert. Hessen sei damit das Bundesland mit der stärksten Ausbaudynamik. Nur Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen hätten wegen des Kabelnetzausbaus in der Vergangenheit einen noch höheren Versorgungsgrad.

Die flächendeckende Versorgung mit dem Hochgeschwindigkeitsnetz bis 2018 geplant, sagte Matzner. Einige Städte und Landkreise seien heute schon sehr gut an das schnelle Netz angeschlossen. In Dar-mstadt seien 99,9 Prozent der Haushalte erreichbar, im Odenwaldkreis 98,8 Prozent, in Offenbach 94 Prozent, in Wiesbaden 93,3 Prozent, in Frankfurt 90,0 Prozent. Diese Zahlen beziehen sich auf die Privathaushalte. Die Situation für die hessischen Unternehmen werden in diesen Statistiken nicht spezifisch erfasst.


Das so genannte Hessische Ausbaumodell, das die Erschließung jeweils für ganze Landkreise beinhaltet, habe sich damit bewährt, sagte Matzner. So werde nun in fünf nordhessischen Landkreisen rund um die Stadt Kassel ein gemeinsamer flächendeckender Ausbau angestrebt. Zudem werde erstmals in Hessen mit dem Landkreis Marburg-Biedenkopf das Deckungslücken-Modell zusammen mit der Deutschen Telekom AG umgesetzt. Obwohl es sich im Rahmen einer Ausschreibung gezeigt habe, dass nicht alle Orte im Landkreis unter marktwirtschaftlichen Bedingungen anzuschließen sind, soll mit einer anteiligen öffentlichen Förderung nun das gesamte Kreisgebiet mit dem Hochgeschwindigkeitsnetz ausgebaut werden. Dafür hätten sich die Darlehens- und Bürgschaftsprogramme der WI-Bank bewährt. Ähnliche Konstruktionen seien auch in anderen Landkreisen möglich, wobei immer zu prüfen sei, ob auch EU-und Bundesmittel eingesetzt werden können.

Ulrich Adams, Vorstandsbeauftragter der Deutschen Telekom AG für den Breitbandausbau, skizzierte die neue Ausbau-Strategie der Te-lekom. Dazu gehören der Ausbau der Mobilfunk-Technik LTE 800 für den ländlichen raum und LTE 1800 für urbane Räume, die Glasfa-serverlegung bis zum Bordstein (FTTC), die Kapazitätssteigerung durch Vectoring und die Entwicklung von Hybrid-Lösungen in der Verbindung von Festnetz- und Mobilfunk-Verbindungen. Hinsichtlich der von den IHKs geforderten Planungssicherheit sagte Adams, die Ausbauplanung erfolge im Jahresrhythmus, weshalb jetzt Aussagen zu den Maßnahmen in 2014 möglich seien, die Ausbauregionen für die nächsten Jahre aber noch nicht feststehen. Die laufend verbesserten technischen Möglichkeiten und die Wettbewerbssituation würden dabei Berücksichtigung finden. Zum Beispiel arbeite die Telekom daran, alle Breitbanddienste von der Sprachmodulation auf Internet-Protocol umzustellen. Zudem werde mit Vectoring die Upload-Geschwindigkeit deutlich steigen, was insbesondere für die Cloud-Nutzung wichtig sei. Grundsätzlich müssten Unternehmen aber auch bereit sein, für größere Inanspruchnahmen und geschäftsübliche Qualität und Leistungssicherheit entsprechende Tarife zu wählen. Die Privatkundentarife böten in der Regel nicht einen Leistungsumfang wie größere Unternehmen ihn benötigten.

Bereitschaft zur Nutzung von Synergien zwischen Energieversorgern und Breitbandanbietern ließ Gert Schäfer, Referatsleiter der Landes-regulierungsbehörde Energie im Hessischen Wirtschaftsministerium, erkennen. Dies sei insbesondere dort möglich, wo neue Netze gebaut werden. Rund 10 Prozent der Energienetze, die in Deutschland eine Gesamtlänge von rund 160.000 Kilometer haben, sollen in den nächsten Jahren erneuert bzw. neu gebaut werden. Vertreter von kommunalen Energieversorgern zeigten in der Veranstaltung Beispiele zur Nutzung von Synergien zwischen Energieversorgern und Breitband-Betreibern, etwa bei der Leerrohr-Verlegung.

 

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