Regionale Industrie startet positiv ins zweite Halbjahr

22.07.2014

 

Die Industrie im IHK-Bezirk Frankfurt am Main startet mit bester Stimmung in die zweite Jahreshälfte 2014. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage der hessischen Industrie- und Handelskammern im April und Mai 2014, bei der mehr als 700 Industrieunternehmen nach ihren Erwartungen und Plänen für die Zukunft gefragt wurden. Die Umfrage wurde im Zuge der Veröffentlichung des neuen Industriejournals der IHK Frankfurt am Main vorgestellt.

 

Demnach berichten 92 Prozent der Industrieunternehmen im Main-Taunus- und Hochtaunuskreis sowie der Stadt Frankfurt am Main aktuell von guten oder befriedigenden Geschäften, nicht einmal jedes 10. Unternehmen meldet schlechte Geschäfte. „Damit ist und bleibt die Industrie eine der tragenden Säulen im Kern der Wirtschaftsregion FrankfurtRheinMain“, sagte Matthias Gräßle, Hauptgeschäftsführer der IHK Frankfurt am Main. Bildlich stehen dafür knapp 90.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in rund 9.000 Industriebetrieben. Zudem stammt das Steueraufkommen der 100 größten Gewerbesteuerzahler in Frankfurt zu gut einem Drittel von Industriebetrieben.

 

„Damit gehört Frankfurt weiterhin zu den führenden Industriestandorten. Durch die Breite der Wirtschaftsstruktur ist die Metropolregion FrankfurtRheinMain auch in Krisenzeiten stark aufgestellt“, so Gräßle weiter. Dabei kommt der Industrie mit ihren Beschäftigten, die aus einem breiten Qualifikationsspektrum stammen, als Impuls- und Taktgeber auch für andere Branchen, zum Beispiel im Dienstleistungsbereich, eine wichtige Rolle zu – erst recht in der immer stärker vernetzten „Industrie 4.0“.

 

Für die erste Jahreshälfte 2014 stellt sich die Lage der Industrie wie folgt dar:

 

Zum Jahresanfang hat sich die Konjunktur in Hessen und im IHK-Bezirk Frankfurt spürbar belebt. Positive Zukunftserwartungen, zunehmende Kapazitätsauslastungen und günstige Finanzierungsbedingungen haben die Nachfrage nach Investitionsgütern angeregt. Das gute Konsumklima trug zudem wesentlich zu einer günstigen Entwicklung in der Konsumgüterindustrie bei. Entsprechend positiv ist die Stimmung bei den Industrieunternehmen. Der in der letzten Ausgabe des Industrie-Journals prognostizierte Anstieg der Investitionsbereitschaft der Industriebetriebe ist eingetreten.

 

In der Umfrage nennt jedoch mehr als jedes zweite Industrieunternehmen die weitere Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise als Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. 39 Prozent nennen die Höhe der Arbeitskosten, jedes dritte Unternehmen den Fachkräftemangel. 40 Prozent der Unternehmen sehen in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen allgemein ein Risiko für die wirtschaftliche Zukunft.

 

Der Export bleibt zwar ein wichtiger Wachstumsmotor für die Industrie, derzeit hat die Wachstumsdynamik aber etwas nachgelassen. Gegenwärtig stabilisiert sich zwar die Situation in zahlreichen europäischen Ländern und „Made in Germany“ ist nicht nur dort sehr beliebt und nachgefragt. Diese Entwicklung wirkt sich positiv auf das Exportgeschäft der heimischen Industrie-Unternehmen aus. Sorge bereitet aber nach wie vor die Entwicklung in Russland und der Ukraine. Kapital wird in verstärktem Maße außer Landes gebracht, der Rubel hat seit Beginn des Konflikts massiv an Wert verloren. Zudem ist die Investitionsbereitschaft nicht nur ausländischer, sondern auch einheimischer Investoren in Russland derzeit gering. Zwar ist Russland im Vergleich zu anderen Handelspartnern wie Frankreich, Italien, den USA oder China für die heimische Wirtschaft von geringerer Bedeutung, aber keineswegs bedeutungslos. Im Jahr 2013 gingen immerhin 3,3 Prozent der deutschen Exporte nach Russland. Eine weitere Eintrübung der russischen Konjunktur würde auch negative Auswirkungen auf die Wirtschaft im IHK-Bezirk Frankfurt am Main haben.

 

Neben den internationalen Risiken sehen die Unternehmen sich auch im Inland vor große Herausforderungen gestellt. Sozialpolitische Strukturverschiebungen wie die Rente mit 63 und der Mindestlohn sind kein gutes Signal für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Allein die Rente mit 63 könnte ein halbes Prozent Wachstum bis 2016 kosten. Und das trifft die Industrie ebenso wie alle anderen Branchen.

 

„Trotz oder wegen der führenden Rolle Deutschlands in Europa und der Welt können wir uns aus Sicht der regionalen Wirtschaft solche wirtschaftspolitischen Fehlentwicklungen nicht auf Dauer leisten“, kommentiert Gräßle die Entwicklung. „Die Ergebnisse der Konjunktur-Umfrage in der Industriebranche zeigen, dass der erfolgreiche Start in das Jahr 2014 keineswegs in Stein gemeißelt ist. Mit der weltweit zweitältesten Bevölkerung nach Japan und dauerhaft niedrigen Geburtenraten müssen die wirtschaftspoltischen Rahmenbedingungen in Deutschland richtig geschaltet werden.“

 

Aus Sicht der IHK Frankfurt am Main gehören dazu die weitere Flexibilisierung des Renteneintrittsalters in Richtung „Beschäftigung 70 +“, ein zukunftsfähiges Rentensystem, das aufhört mit der Belastung zukünftiger Generationen zu Gunsten der Rentenempfänger von heute sowie ein schlüssiges Energiekonzept.

 

Die Detailergebnisse der Konjunkturumfrage sind in der neuesten Ausgabe des Industriejournals zu finden, die im Internet unter http://www.frankfurt-main.ihk.de/industrie_innovation_umwelt/industrie/journal/ zum Download zur Verfügung steht.

 

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