Hessen braucht zukunftsfähige Verkehrsinfrastruktur

13.03.2015

 

Viele Unternehmen klagen über den Zustand der Verkehrsinfrastruktur in Hessen. Dies ist ein Ergebnis der ersten gemeinsamen Umfrage des Hessischen Verkehrsministeriums und der hessischen Industrie- und Handelskammern. Die Antworten der knapp 2.500 Unternehmen, die an der Online-Umfrage 2014 teilnahmen, zeigen, dass die Verkehrsinfrastruktur für die Unternehmen einer der entscheidenden Standortfaktoren ist. 80 Prozent der Antworten messen einer leistungsfähigen Infrastruktur eine große bis sehr große Bedeutung bei.

„Die Umfrageergebnisse sind ein deutliches Alarmzeichen! Wenn wir jetzt nicht eingreifen, droht Hessen den Anschluss zu verlieren“, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft hessischer IHKs, Prof. Dr. Mathias Müller, bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse in Frankfurt.

„Leider ist der Erhalt unserer Verkehrsinfrastruktur lange Zeit vernachlässigt worden. Umso wichtiger ist es, dass wir jetzt gegensteuern und einen klaren Fokus auf Sanierung und Erhalt legen“, sagte Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir. „In diesem Jahr investieren Land und Bund zusammen über 800 Mio. Euro in die hessischen Straßen – eine Rekordsumme. Allerdings wird es noch einige Zeit dauern, den Sanierungsstau aufzulösen.“

Schiene

Zum Stand der Schieneninfrastruktur ergab die Umfrage, dass jedes siebte Unternehmen mit Beeinträchtigungen in den Betriebsabläufe zu kämpfen hat, weil es Engpässe beim Schienenverkehr gibt. Häufig werden Verspätungen und lange Transportzeiten bemängelt. „Mit der bestehenden Infrastruktur sind die Verkehre schlichtweg nicht mehr zu stemmen. Deshalb setzt sich das Land mit Nachdruck für die Realisierung wichtiger neuer Nah- und Fernverkehrsstrecken ein. Hier muss der Bund endlich zu Potte kommen“, so Al-Wazir. „Wo wir als Land zuständig sind, handeln wir."
Beispielhaft nannte der Minister das gerade aus Landesmitteln wieder aufgelegte Förderprogramm für Gleisanschlüsse.

Straße

Das wachsende Verkehrsaufkommen führt zu einem beschleunigten Verschleiß vieler Straßen, Bahnstrecken, Schleusen und Wasserwege. In Hessen sind insgesamt 600 Brücken sanierungsbedürftig – das sind zehn Prozent aller Brücken in Hessen. „Die Infrastruktur in Hessen ist sanierungsbedürftig; Brücken halten den Lasten nicht mehr Stand“, sagte Prof. Dr. Müller. In der Verkehrsumfrage stehen Brücken- und Straßensperrungen als größtes Sorgenkind auf der Liste der Unternehmen: 73 Prozent fühlen sich stark bis sehr stark beeinträchtigt.

Als ähnlich gravierend erweist sich das Problem maroder Straßen – insbesondere in den Kommunen. Drei von vier Unternehmern beschreiben den Zustand der kommunalen Infrastruktur als schlecht. Prof. Dr. Müller: „Die Unternehmer sind darüber höchst besorgt. Grundsaniert werden die maroden Verkehrsadern selten, dafür immer wieder geflickt."  

Flughafen

Zufrieden äußerte sich der Minister zu den Ergebnissen hinsichtlich des Frankfurter Flughafens: „Nur 15 Prozent der Unternehmen, die den Flughafen nutzen, sehen sich durch die strengen Nachtflugbeschränkungen beeinträchtigt. Ich stelle fest: Viele Horrorszenarien, die damals gemalt wurden, sind schlichtweg nicht eingetreten."

Der ARGE-Vorsitzende Prof. Dr. Müller sieht dennoch die Grenzen der Anpassungsfähigkeit erreicht. „Der Flughafen ist das Weltersatzteillager und damit für alle produzierenden Unternehmen das Nadelöhr!“ sagte Prof. Dr. Müller. Einige Firmen wickelten aufgrund des Nachtflugverbotes bereits Teile ihrer Fracht oder Dienstreisen über die Flughäfen Hahn, Köln/Bonn oder Leipzig/Halle ab.

Der ARGE-Vorsitzende wies auch auf die Bedeutung des Flughafens für den Fortbestand von Unternehmensniederlassungen aus dem Ausland hin. „Die Firmenzentralen in Übersee verfolgen die Entwicklungen hier vor Ort sehr sensibel, und deren Investitionsentscheidungen hängen maßgeblich vom Flughafen ab.“

Finanzierung

ARGE-Vorsitzender Prof. Dr. Müller betonte, dass Politik und Wirtschaft an einem Strang ziehen, wenn es um die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur für Hessen geht. Alle Verkehrsträger seien seit Jahrzehnten unterfinanziert, obwohl über Lkw-Maut und Steuern genügend Einnahmen aus dem Verkehrssektor an den Bund fließen. Seit langem fordert die Arbeitsgemeinschaft hessischer IHKs, dass vor allem für Hessen als eines der am stärksten durchfahrenen Transitländer dauerhaft mehr Mittel für die Verkehrsinfrastruktur vorgesehen werden müssen, sowohl für die Erhaltung der Infrastruktur, als auch für Aus- und Neubaumaßnahmen.

Betrieblicher Umweltschutz

Der Umfrage zufolge haben schon gut die Hälfte der Unternehmen Maßnahmen im betrieblichen Umweltschutz im Verkehrsbereich umgesetzt. Davon hat die Mehrheit ihren Fuhrpark (89 Prozent) auf umweltfreundlichere Fahrzeuge umgestellt, die so einen Beitrag zur Senkung der Umweltbelastung durch Abgase leisten. Fast jedes vierte Unternehmen engagiert sich für Betriebliches Mobilitätsmanagement, also Angebote wie Jobtickets, Förderung des Radverkehrs durch Abstell- und Umkleidungsmöglichkeiten, Organisation von Fahrgemeinschaften und Optimierung von Dienstreisen. Auch jenseits des Werkstores kann einiges erreicht werden, etwa durch der Kooperation mit kommunalen Aufgabenträgern bei der Erreichbarkeit des Standorts – z.B. in einem Gewerbegebiet.

„Unternehmen haben Einfluss darauf, wie Menschen und Güter in ihrem Wirkungsbereich mobil sind“, sagte Prof. Dr. Müller. Um das Thema auch für die Mehrheit der Unternehmen praktisch zugänglich zu machen, bieten die IHKs Darmstadt und Frankfurt  zusammen mit der IVM GmbH (Integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Region FrankfurtRheinMain) das kostenfreie Beratungsangebot „südhessen effizient mobil" an. Die IVM GmbH ist ein von Land und Kommunen gemeinsam getragenes regionales Unternehmen.

Die Umfrageergebnisse finden Sie unter:

www.hessische-verkehrsumfrage.de

 

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