Metropolregionen antworten auf globale Herausforderungen

05.05.2015

 

Städte, beziehungsweise Metropolregionen, brauchen nach Ansicht des US-amerikanischen Städteforschers Prof. Benjamin Barber mehr Mittel, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Bei der Vortragsveranstaltung „Tag der Metropolregion“ in der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main sagte Barber, Städte seien heute schon in globalen Angelegenheiten aktiv, unabhängig davon, ob sie es wollten oder nicht. „Das Problem der einen Stadt ist heute das Problem jeder anderen Stadt auf der Welt.“ Terrorismus sei ein grenzüberschreitendes Problem, die zunehmenden Migrationsströme bestimmten die lokalen Arbeitsmärkte, und 90 Prozent der globalen menschlich verursachten Erderwärmung würden in Metropolregionen verursacht, sagte Barber zur Veranschaulichung.

 

Barber forderte, die Balance zwischen den Nationalstaaten und den lokalen Verwaltungen müsse neu justiert werden. Seine These „Wenn Bürgermeister die Welt regierten“ laufe darauf hinaus, dass den Städten mehr Mittel an die Hand gegeben werden müssten, um die lokalen Angelegenheiten in der Stadt im Sinne der globalen Herausforderungen stärker selber regeln zu können. Das Stichwort dafür - „glokal“ - sei die Verbindung von lokaler Lösung und globaler Aufgabenstellung. 80 Prozent der Wertschöpfung entstehe in den Metropolregionen weltweit. Nationalstaaten sollten nicht abgeschafft werden, aber Städte müssten mehr Mittel zur Lösung der Aufgaben erhalten. Auf lokaler Ebene hätten parteipolitische Farben nicht so große Bedeutung, denn die Bürger forderten, dass Herausforderungen unabhängig von ideologischen Positionen ihrer Bürgermeister gelöst würden. „Man kann Städte nicht wie bei einem Streik schließen, Städte müssen täglich auf die glokalen Herausforderungen antworten.“

 

Barber, der an der City University of New York lehrt, begrüßte, dass die Städte und Gemeinden in der Metropolregion FrankfurtRheinMain jetzt wieder stärker aufeinander zugehen. IHK-Präsident Prof. Dr. Mathias Müller sagte, mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebe schon heute in Städten. In den zehn größten Städten der Welt lebten fast 300 Millionen Menschen, also ungefähr genauso viele Menschen wie im Euroraum. 16 der europäischen Länder würden im Ranking der zehn größten Städte der Welt keine Berücksichtigung finden, weil sie deutlich unter zehn Millionen Einwohner haben. „Wenn man sich diese Maßstäbe vor Augen hält, wird deutlich, dass die Bürgermeister der weltweiten Megacities mehr Einfluss haben könnten, wenn sie sich vernetzen und zusammenschließen.“

 

Der IHK-Präsident nannte als ein Beispiel für gemeinsame Herausforderungen der Städte den Zustrom der Flüchtlinge, für deren Betreuung die Städte mehr finanzielle Unterstützung vom Bund benötigten. Nach Schätzung des hessischen Landkreistags fehlen den Kommunen für diese Aufgabe aktuell 60 Millionen Euro. „Es scheint, dass immer mehr Aufgaben von oben nach unten in die Kommunen gereicht werden, aber zugleich nicht die notwendige finanzielle Basis gesichert wird. Die eigenständige Handlungsfähigkeit der Kommunen und Regionen wird nach und nach eingeschränkt, obwohl gerade hier die zukünftigen Herausforderungen zuerst spürbar werden.“

Die Industrie- und Handelskammern der Metropolregion FrankfurtRheinMain haben sich daher dazu verabredet, die Idee einer IBA, unter der gemeinhin eine „Internationale Bauausstellung" verstanden wird, wieder aufzugreifen. „Die drei Buchstaben I-B-A sollten allerdings nicht als Ansammlung architektonischer Projekte verstanden werden, sondern beschreiben einen Strategieprozess, der für die Bürger in konkreten Stadtentwicklungsprojekten, über die drei Bundesländer Rheinland-Pfalz, Bayern und Hessen hinweg erlebbar wird.“

 

Ansprechpartner

Anne Stephanie Waldeck Unternehmenskommunikation stellvertretende Pressesprecherin
Telefon: 069 2197-1584 Fax: 069 2197-1488

Ansprechpartner

Pressestelle IHK Frankfurt am Main Unternehmenskommunikation
Telefon: 069 2197-1201 Fax: 069 2197-1488