Kein hundertprozentiger Schutz vor Cyberkriminalität möglich

12.06.2015

 

Wie können sich Unternehmen gegen virtuelle Angriffe wappnen? Dieser Frage gingen Experten bei der Veranstaltung „Cyberkriminalität, Datenklau und Wirtschaftsspionage – keine Bedrohung für Ihr Unternehmen?“ in der IHK Frankfurt am Main am vergangenen Donnerstag nach.

 

Die Erkenntnis der Teilnehmer war, dass es für Unternehmen keinen hundertprozentigen Schutz vor virtuellen Attacken geben kann. Zwei Experten des Landesamtes für Verfassungsschutz zeigten bei einer Live-Demonstration eindrucksvoll, wie schnell ein Mobiltelefon ausgespäht werden kann. Robert Schäfer, Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz in Hessen, erklärte dazu, dass Wirtschaftsspionage inzwischen jedes Unternehmen gefährden kann und warb bei den Unternehmen darum, die Unterstützung mit dem Verfassungsschutz in Hessen in Anspruch zu nehmen.

 

Prof. Wolfram Wrabetz, stellvertretender Präsident der IHK Frankfurt, sagte in seiner Begrüßung: „Digitalisierung bedeutet Fortschritt. Und Fortschritt bedeutet Konkurrenzfähigkeit und wirtschaftlichen Erfolg am Markt.“ Doch je globalisierter und vernetzter Unternehmen würden, desto größer seien damit auch die Datenmengen unserer digitalen Welt. Diese gelte es zu schützen. Die Crux der digitalen Revolution, die wir momentan erleben, liege in ihren Chancen und in ihren Gefahren. Nicht nur große, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen müssten dafür sensibilisiert werden.

 

Einig waren sich die Vortragenden, dass Unternehmen sich besser auf Hackerangriffe und Datendiebstahl vorbereiten können. Bisher seien Sicherheitsvorkehrungen oft lückenhaft oder überhaupt nicht vorhanden. Viele Firmen unterschätzten die Risiken und würden etliche Attacken gar nicht bemerken, weil die erforderlichen Kontrollverfahren fehlten. Lediglich ein Drittel der Unternehmen hätten ein IT-Sicherheitskonzept.

 

Der hessische Innenminister Peter Beuth rief in seiner Keynote Unternehmen dazu auf, Cyberangriffe verstärkt zu melden. „Datenklau und Cyberattacken sind Angriffe auf unser Wissen und unseren Wohlstand, die wir konsequent bekämpfen müssen. Dabei sind wir auf die Mitarbeit der hessischen Wirtschaft angewiesen, um Straftäter im virtuellen Raum effektiv zu verfolgen“, betonte der Minister. Gerade in der Rhein-Main-Region mit ihrer hohen Dichte an kritischen Infrastrukturen sei ein hoher Schutzbedarf gegeben. Problematisch sei vor allem, dass die Angriffe immer gezielter vonstattengehen und IT-Verbrechen meist anonym und unsichtbar geschehen. Doch noch scheuten viele Unternehmen den Aufwand und mögliche Imageschäden.

 

Unterstützung bekommen Unternehmen in Hessen von der Cybercrime-Abteilung des Landeskriminalamtes, von Fachkommissariaten bei den Polizeipräsidien und vom Kompetenzzentrum Cybersicherheit im Innenministerium. Das Computer-Emergency Response Team der Landesverwaltung (CERT-Hessen) bietet dem Land, Unternehmen und Kommunen Frühwarnung und Unterstützung zum Schutz vor Cyberangriffen an.

 

Vor allem Plagiate sind ein Problem für Unternehmen, denn die meisten Cyber-Angriffe zielen auf illegale Nachahmung, wie Bodo Meseke von Ernst & Young bei der Vorstellung einer Studie berichtete. Um Daten illegal zu erwerben, werben die Angreifer außerdem Mitarbeiter ab. Die mit Abstand meisten Attacken werden im Bereich Forschung und Entwicklung entdeckt.

 

Laut einer Schätzung des Washingtoner CICS (Center for Strategic and International Studies) belaufen sich alleine in Deutschland die jährlichen Verluste durch Cyber-Kriminalität auf 43 Milliarden Euro. Deutschland ist dabei im Vergleich zu anderen Staaten aufgrund seiner florierenden Wirtschaft überproportional betroffen. Zudem wächst die Zahl der Cyber-Attacken laut CSIS weltweit pro Jahr um 20 Prozent.

 

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