Ausbildungsstart am 01.09.2015: IHK-Berufsbildungsausschuss fordert besser ausgestattete Berufsschulen in Frankfurt

01.09.2015

 

Am 01.September 2015 beginnen die meisten Auszubildenden in Hessen mit ihrer Berufsausbildung. Rund 24.500 von etwa 110.000 Auszubildenden insgesamt in Hessen besuchen Berufsschulen im IHK-Bezirk Frankfurt (Stadt Frankfurt, Maintaunus- und Hochtaunuskreis).  

 

Eine bundesweite Umfrage unter rund 12.400 ausbildenden IHK-Unternehmen zum Zusammenwirken mit den Berufsschulen hat für den IHK-Bezirk Frankfurt schlechtere Ergebnisse im Vergleich zu bundes- und hessenweiten Ergebnissen hervorgebracht. Der Berufsbildungsausschuss der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main hat die Umfrageergebnisse analysiert und als alarmierend bewertet. Demnach lässt sich die zwingend erforderliche Berufsausbildung unseres Fachkräftenachwuchses mit der vorhandenen Ausstattung und der mangelhaften Unterrichtsversorgung in Zukunft nicht mehr gewährleisten. Diese Erkenntnisse müssen in die bevorstehende Schulentwicklungsplanung für die Beruflichen Schulen in der Stadt Frankfurt einfließen.

 

Besonders auffällig ist die knappe Besetzung mit Lehrkräften und der daraus resultierende Unterrichtsausfall. Auch die nicht zeitgemäße IT-Ausstattung der Berufsschulen behindert die Ausbildung.

 

Gefordert wird deswegen unter anderem ein längerfristiges Personalentwicklungskonzept, das schulübergreifend angelegt sein und die Nachbesetzung ausscheidender Lehrkräfte in qualitativer und quantitativer Sicht garantieren solle, sowie die Bereitstellung der notwendigen IT-Infrastruktur.

 

Der Berufsbildungsausschuss der Industrie- und Handelskammer Frankfurt, der nach dem Berufsbildungsgesetz auf die Qualität der beruflichen Bildung einzuwirken hat und sich jeweils aus 12 Vertretern von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Berufsschulen zusammensetzt, nimmt daher die Kommunen als Schulträger sowie das Land Hessen mit folgenden Forderungen in die Pflicht:

 


Forderungskatalog des Berufsbildungsausschusses der IHK Frankfurt am Main zur Berufsschulentwicklung im IHK-Bezirk

 

Trotz des Zuzugs in die Stadt Frankfurt am Main wird in den kommenden Jahren der Bedarf an Fachkräften zunehmen. Im Bezirk der IHK Frankfurt am Main steigt die Fachkräftelücke nach Prognosen des IHK-Fachkräftemonitors von aktuell 44.000 fehlenden Fachkräften auf knapp 60.000 fehlende Fachkräfte im Jahr 2020 – rund 90 Prozent davon mit einer beruflicher Ausbildung. Von diesen zusätzlich benötigten Fachkräften sollten 41.000 einen kaufmännischen und 12.000 einen technischen Berufsabschluss mitbringen.

 

Auf die beiden Lernorte im System der dualen Berufsausbildung kommt daher eine große Verantwortung für die künftige Versorgung des Wirtschaftsstandorts Frankfurts mit Fachkräften zu: Während das einzelne Ausbildungsunternehmen die Quantität und die Qualität seines Nachwuchses weitestgehend eigenverantwortet, ist die Berufsschule hierzu in kommunale und staatliche Strukturen eingebettet. In Frankfurt bietet der hohe Differenzierungsgrad der Ausbildungsangebote an Berufsschulen die Chance, die hohe Spezialisierung der deutschen Wirtschaft größtenteils abzudecken. Das Schulangebot nutzen rund 19.000 Berufsschüler, von denen zahlreiche in Betrieben außerhalb Frankfurts ausgebildet werden und zum Unterricht nach Frankfurt einpendeln. Rund 12.200 von ihnen werden in IHK-Unternehmen ausgebildet.

 

Eine bundesweite Umfrage unter 12.381 ausbildenden IHK-Unternehmen zum Zusammenwirken mit den Berufsschulen hat für den IHK-Bezirk Frankfurt deutliche Abweichungen zu bundes- und hessenweiten Ergebnissen hervorgebracht. In Hessen äußerten sich 1056, in Frankfurt 273 Unternehmen.35 Prozent der Umfrageteilnehmer und Vertreter eines Ausbildungsbetriebs sind im IHK-Bezirk Frankfurt mit der Berufsschulsituation eher unzufrieden oder gar nicht zufrieden. Das sind 10 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt und das Ergebnis liegt nochmals 2 Prozent über dem Landesdurchschnitt. Uneingeschränkt zufrieden sind im IHK-Bezirk Frankfurt lediglich 24 Prozent, während dies im Bund 34 Prozent sind. Um die Kommunikation zwischen Lehrkräften und Berufsschulen ist es im IHK-Bezirk Frankfurt besonders schlecht bestellt: Während auf Bundesebene 54 Prozent der Lehrkräfte als Ansprechpartner für Betriebe zur Verfügung stehen, sind es im IHK-Bezirk Frankfurt lediglich 42 Prozent. Fast jeder zweite Vertreter eines Ausbildungsbetriebs im IHK-Bezirk Frankfurt hält die Sachausstattung der Berufsschulen für veraltet und unzweckmäßig. Im Bundesdurchschnitt sagt dies nicht mal jeder Dritte. Zu keinem anderen Thema der Befragung fällt die Differenz drastischer aus.  Die Unterrichtsversorgung (Unterricht findet regelmäßig statt und wird von qualifizierten Fachkräften erteilt) überzeugt im IHK-Bezirk Frankfurt gerade einmal 30 Prozent der antwortenden Ausbildungsbetrieben, während dies im Bundesdurchschnitt immerhin 43 Prozent sind.

 

Der Berufsbildungsausschuss der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main, der sich nach dem Berufsbildungsgesetz aus jeweils 12 Vertretern von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Berufsschulen zusammensetzt, hat die Umfrageergebnisse analysiert und als alarmierend bewertet. Demnach lässt sich die zwingend erforderliche Berufsausbildung unseres Fachkräftenachwuchses mit der vorhandenen Ausstattung und der mangelhaften Unterrichtsversorgung in Zukunft nicht mehr gewährleisten. Diese Erkenntnisse müssen in die bevorstehende Schulentwicklungsplanung für die Beruflichen Schulen einfließen. Der Berufsbildungsausschuss, der nach dem Berufsbildungsgesetz auf die Qualität der beruflichen Bildung einzuwirken hat, nimmt daher die Schulträger und das Land Hessen mit folgenden Forderungen in die Pflicht:

 

Politisches Handeln muss duale Berufsausbildung aufwerten

 

Allgemeine und Berufliche Bildung sind in Frankfurt und in Hessen künftig gleich zu behandeln: Angesichts der Bedeutung des Fachkräftenachwuchses für den Wirtschaftsstandort Frankfurt am Main sollten Politiker in der Stadt Frankfurt und im Land Hessen ihre Aufmerksamkeit dringend auf die Erfordernisse der ausbildenden Wirtschaft und der Berufsschulen lenken. Die Schulentwicklungsplanung der Berufsbildenden Schulen wird sich maßgeblich auf die Versorgung der Frankfurter Wirtschaft mit Fachkräften auswirken. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Berufsschüler aus ganz Hessen, die in Gebiets- und Landesfachklassen in Frankfurt unterrichtet werden, ein hervorragendes Potenzial an späteren Fachkräften für die hiesigen Unternehmen bieten. Attraktive Berufsschulen tragen somit auch zur Attraktivität von Frankfurt als zukünftigem Arbeitsort bei und können bei Ansiedlungsentscheidungen von Unternehmen den Ausschlag geben. Investitionen in Berufsschulen sind daher deutlicher als bisher als Investition in den Wirtschaftsstandort zu begreifen.

 

Kooperation mit Unternehmen und der Praxis sind auszubauen

 

Berufsschulen haben sicher zu stellen, dass Fachkräfte regelmäßig und qualifiziert mit aktuellen Bezügen zur Praxis unterrichtet werden. Hierzu ist ein ständiger Informationsaustausch und Kommunikation mit Ausbildungsunternehmen und Industrie- und Handelskammer erforderlich. Der Berufsbildungsausschuss sieht dabei auch für seine eigene Arbeit Handlungsbedarf.

 

Berufsschulen müssen zeit- und zweckgemäß ausgestattet werden

 

Auch die Ausstattung einer Berufsschule bestimmt die Attraktivität der dualen Berufsausbildung. Eine Schule muss eine moderne und zweckgemäße Sachausstattung aufweisen. Hierfür ist das vom Frankfurter Schulamt erarbeitete Standardraumkonzept endlich umzusetzen. Die Sachausstattung soll berufstypisches Arbeiten ermöglichen, z. B. auch mit mobilen Geräten, mit PCs oder entsprechenden Apparaturen und Werkzeugen. Gebäude müssen regelmäßig instand gehalten und zügig saniert werden; die sanitären Verhältnisse haben den Erfordernissen an eine Ausbildungsstätte zu entsprechen.  


Berufstypischem Arbeiten angemessen sind die Berufsschulen mit der notwendigen IT-Infrastruktur auszurüsten und der IT-Support ist hierfür zu erweitern. Beim Ausbau können entsprechende Ressourcen und das Know-how der Schulen mitgenutzt werden. Auch hat die Schulverwaltung klar zu differenzieren: Die Anforderungen an eine IT-Ausstattung in einer Berufsschule unterscheiden sich deutlich von denen einer allgemeinbildenden Schule.

 

Ein Personalentwicklungskonzept für eine bessere Personalplanung ist aufzustellen

 

Um dem Unterrichtsausfall und der Knappheit an Berufschullehrern zu begegnen, ist ein längerfristiges Personalentwicklungskonzept notwendig. Dieses sollte schulübergreifend angelegt sein und die Nachbesetzung ausscheidender Lehrkräfte in qualitativer und quantitativer Sicht garantieren. Es hat zu berücksichtigen, dass in Krankheitsfällen ein fachlicher Ersatz für Lehrer bereit steht. Für ausreichenden Berufsschullehrernachwuchs ist Sorge zu tragen. In das Personalentwicklungskonzept sind zur Überwindung akuter Engpässe wieder Quereinsteigerprogramme zu integrieren, die der pädagogischen, methodischen und didaktischen Ausbildung des Berufsschullehrernachwuchses besonderen Wert beimessen.

 

Das Land muss seine Verantwortung für ein ausreichendes Lehrkräfteangebot in allen Berufsrichtungen wahrnehmen und die Akquise in den Mangelbereichen aktiver als in der Vergangenheit betreiben

 

Voraussetzungen für E-Learning-Angebote müssen geschaffen werden

 

Beruflichen Schulen ist zu ermöglichen, ihre Unterrichtsmaterialien elektronisch zu dokumentieren und in Zusammenarbeit mit den Unternehmen ein internetgestütztes Lernangebot zum eigenständigen Lernen erarbeiten zu können. Hierfür sind vor allem die technischen Voraussetzungen zu schaffen.

 

Ansprechpartner

Pressestelle IHK Frankfurt am Main Unternehmenskommunikation
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