Schwerpunkt auf ÖPNV - Positionspapier zur Weiterentwicklung der Verkehrswege im IHK-Bezirk

10.11.2015

 

Zur Sicherung der Mobilität von Arbeitnehmern und Unternehmen im IHK-Bezirk Frankfurt müssen alle Verkehrsträger weiterentwickelt oder ausgebaut werden, wobei der Schwerpunkt auf dem Ausbau der Schieneninfrastruktur, insbesondere im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), liegen sollte. Diese Anforderung stellt die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main, die in ihrer Sitzung im Oktober ein Positionspapier für die zukünftige Ausgestaltung der Verkehrswege im IHK-Bezirk verabschiedet hat. „Der schienengebundene regionale Personenverkehr ist die Pulsschlagader der Mobilität im IHK-Bezirk und in FrankfurtRheinMain“, sagte Prof. Dr. Mathias Müller, Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. „Ohne ihn würde es zum Verkehrskollaps kommen und viele Pendler würden ihren Arbeitsplatz nur schwerlich und mit immensem Zeitaufwand erreichen. Den Mitarbeitern müssen aber auch Alternativen zum eigenen Auto geboten werden. Hierzu gehört neben einem gut funktionierenden ÖPNV auch die Möglichkeit, sicher mit dem Fahrrad zur Arbeit zu kommen.“

 

In der wachsenden Region sind immer mehr Menschen mobil. Mobilität bedingt ein funktionierendes Verkehrssystem. Um das steigende Verkehrsaufkommen bewältigen zu können, muss die Infrastruktur bedarfsgerecht erhalten und dort ausgebaut werden, wo Engpässe entstanden sind. Dies gilt für alle Verkehrsträger gleichermaßen. Denn aufgrund der dichten Bebauung in Frankfurt und Umgebung ist eine Abwicklung des heutigen bzw. zukünftigen Mobilitätsbedürfnisses überwiegend auf der Straße nicht mehr möglich. Es kommt darauf an, ein Zusammenspiel aller Verkehrsträger zu ermöglichen, so dass die jeweiligen Stärken zur Geltung kommen können. Gerade das an seine Kapazitätsgrenzen stoßende Schienennetz innerhalb der Region muss daher ausgebaut werden, um den Flaschenhals Frankfurt aufzulösen. Zugleich muss die Straße weiter ertüchtigt und ausgebaut werden. „Dazu ist es dringend nötig, dass die Stadt Frankfurt zeitnah einen Nahverkehrsplan erstellt, der ein konkretes Zielangebot für den ÖPNV festlegt“, so der IHK-Präsident weiter.

 

Neue Nahmobilitätskonzepte mit stärkerem Fokus auf den Radverkehr
Für den Nahbereich und die kurzen Strecken im innerstädtischen Bereich sollten diese Wege idealerweise zu Fuß oder mit Fahrrad zurückgelegt werden. „Die Menschen achten auf körperliche Fitness und immer mehr legen auch längere Strecken mit dem Rad zurück.“ Um dies zu fördern, muss das Radwegeangebot verbessert werden. Insbesondere Radschnellwege zwischen den Zentren der Region werden viele Menschen motivieren, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Um eine bessere Verknüpfung des Radverkehrs mit dem ÖPNV zu schaffen, fehlen immer noch an vielen Stationen Abstellmöglichkeiten für Fahrräder; auch hier muss deutlich mehr Angebot geschaffen werden.

 

Notwendigkeit von Wirtschafts- und Lieferverkehren auf der Straße
Für den reibungslosen Andienungs- und Wirtschaftsverkehr wird die Straße auch zukünftig mit Abstand der wichtigste Verkehrsträger bleiben. Hier muss die vorhandene Infrastruktur zunächst optimal genutzt werden; innovative Ansätze, wie Microdepots für die Auslieferung von Paketen und der Einsatz von Lastenfahrrädern müssen weiter gefördert und etabliert werden. Für eine wachsende Region gilt aber auch, dass das Straßennetz ausgebaut werden muss. Der Fokus muss dabei klar auf die Leistungsfähigkeit der Hauptverkehrsachsen der Städte gelegt werden. Aber auch die überörtlichen Straßen müssen durch Erhalt und Ausbau ihre Leistungsfähigkeit beibehalten. Die größte Herausforderung liegt hier in der Pendlerhauptstadt Frankfurt. „Im Sinne einer strategischen Planung muss deshalb ein neuer Frankfurter Gesamtverkehrsplan für die Entwicklung des Straßen-, Schienen- und Radwegenetzes erarbeitet werden, der den wachsenden Herausforderungen Rechnung trägt, die das Bevölkerungs- und Verkehrswachstum mit sich bringen“, so Prof. Dr. Müller.

 

Die Hauptforderungen im Einzelnen:

 

Leistungsfähigen und hochwertigen ÖPNV sicherstellen
Attraktive öffentliche Nahverkehrsangebote für Pendler sind komplementär zur Weiterentwicklung des Straßennetzes zu schaffen. Zur Erhaltung und Verbesserung der Finanzierungsspielräume muss die Ausschreibungspraxis von Buslinienverkehren im IHK-Bezirk weiter fortgeführt werden. Die Belange kleinerer und mittelständischer Busunternehmen sind dabei zu berücksichtigen.

 

Schieneninfrastruktur stärken und ausbauen
Der Schienenknoten FrankfurtRheinMain muss weiter gestärkt werden. Wichtige Nahverkehrs- und Schienenprojekte müssen zügig realisiert werden. Vor dem Hintergrund der aktuellen Bevölkerungsprognosen, der hohen Auslastung des Frankfurter City-Tunnels und der geplanten Regionaltangente West, sollte geprüft werden, ob das jetzige S-Bahn-System zu einem S-Bahn-Ring weiterentwickelt werden könnte. Eine solche tangentiale Linienführung könnte den Frankfurter City-Tunnelentlasten und Fahrzeiten verkürzen.

 

Hauptverkehrsachsen leistungsfähig halten
Die Ziele der Verkehrspolitik der Kommunen im IHK-Bezirk zur Ausweitung der Räume für Aufenthalt und Fußgänger dürfen nicht zu einer Reduktion der Kapazitäten von Hauptverkehrsachsen in den Innenstädten des IHK-Bezirks führen, damit diese für den Autoverkehr nicht an Leistungsfähigkeit verlieren.

 

Kommunales Straßennetz sanieren
Der Zustand der Straßen in vielen Kommunen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Hier muss dringend nachgebessert werden. Die Kommunen müssen mehr in ihre Verkehrsinfrastruktur investieren, benötigen dazu aber auch dringend mehr Mittel für den Erhalt ihrer Straßen von Bund und Land. Public-Private-Partnership (PPP) muss dabei als Finanzierungsalternative stets geprüft werden.

 

Wirtschaftsverkehr stärken
Der Wirtschaftsverkehr in der Frankfurter Innenstadt nimmt mehr und mehr zu. Er führt dazu, dass die Nutzungskonflikte im innerstädtischen Straßenraum zunehmen. Die IHK Frankfurt fordert ein Verkehrskonzept für die Belieferung und Entsorgung der Stadt sowie eine optimierte Baustellenlogistik. Zudem ist für den überregionalen Wirtschaftsverkehr erforderlich, mehr Lkw-Stellplätze an Bundesautobahnen und in Gewerbegebieten bereitzustellen. Wir appellieren daher an die Vertreter der Kommunen, kooperationsbereit zu sein, wenn es um Flächen für Stellplätze geht. Außerdem müssen auch private Investitionen in diesem Bereich realisiert werden: Autohöfe können die Parkplätze an den Autobahnen sowie den Tank- und Rastanlagen ergänzen, benötigen aber günstige Flächen – hier müssen private Investoren und öffentliche Hand gemeinsam Lösungen finden.

 

Die Broschüre mit allen Forderungen und weiteren Positionen zu den lokalen und regionalen Infrastrukturprojekten im IHK-Bezirk Frankfurt ist unter
www.frankfurt-main.ihk.de/verkehrswege abrufbar.

 

Ansprechpartner

Anne Stephanie Waldeck Unternehmenskommunikation stellvertretende Pressesprecherin
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Pressestelle IHK Frankfurt am Main Unternehmenskommunikation
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