Positive Arbeitsmarktentwicklung im IHK-Bezirk nicht durch Regulierung von Zeitarbeit und Werkverträge gefährden

01.12.2015

 

Der Arbeitsmarkt im Bezirk der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main zeigt sich weiter in einer blendenden Verfassung. Im Dezember liegen die Arbeitslosenzahlen sowohl in der Stadt Frankfurt am Main als auch im Main-Taunus- und im Hochtaunuskreis deutlich unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Mit einer Arbeitslosenquote von 3,4 Prozent im Hochtaunuskreis sowie von 3,7 Prozent im Main-Taunus-Kreis befindet sich der Arbeitsmarkt in beiden Landkreisen sogar nahe der Vollbeschäftigung. Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen ist derzeit noch ungebrochen und deutet darauf hin, dass auch im kommenden Jahr neue Arbeitsplätze geschaffen werden können.


Dr. Ralf Geruschkat, Chefvolkswirt der IHK Frankfurt am Main, kommentiert die aktuelle Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt wie folgt: „Der Arbeitsmarkt ist in hervorragender Verfassung. Aber: Diese positive Entwicklung ist kein Selbstläufer! Nach Rente mit 63 und Mindestlohn plant das Bundesarbeitsministerium jetzt bei Zeitarbeit und Werkverträgen weitere Regulierungen. Beispielsweise soll Leiharbeit nur noch für maximal 18 Monate möglich sein. Bei den Werkverträgen sollen dem Entwurf zufolge acht Kriterien für die Abgrenzung von Werkverträgen zu normalen Arbeitsverträgen festgeschrieben werden, was zu erheblichen Bürokratielasten und Rechtsunsicherheiten für die Unternehmen führen würde. Insgesamt würden fahrlässig zusätzliche Hürden aufgebaut, die im Falle einer abflauenden Konjunktur wie ein Bumerang zurückschlagen.

 

Zeitarbeit und Werkverträge sind wichtige Instrumente in einer arbeitsteiligen und spezialisierten Wirtschaft und für Unternehmen, insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung und der aktuellen Flüchtlingsmigration, wichtig, um auf neue Entwicklungen reagieren zu können. Der vorgelegte Entwurf würde diese Instrumente ‚stumpf‘ machen und den ohnehin stark regulierten Arbeitsmarkt weiter belasten.

 

Immerhin gehen die Vorschläge der Koalitionsarbeitsgruppe zum Thema Flexi-Rente in die richtige Richtung. Insbesondere eine Umstellung der Zuverdienst-grenze bei der Teilrente von 450 Euro im Monat auf 6.300 Euro im Jahr dürfte dazu beitragen, dass dieses Instrument zukünftig attraktiver wird. Insgesamt sind die Ideen aber noch zu zaghaft und tragen unserer Ansicht zu wenig dazu bei, die Übergänge vom Erwerbsleben in den Ruhestand wirklich flexibel zu gestalten. Hinzu kommt, dass die Fehlanreize der abschlagsfreien Rente mit 63 nicht annähernd kompensiert werden. Hier ist die Politik gefordert nachzujustieren, um längeres Arbeiten attraktiver zu machen und so gegen den Fachkräftemangel anzukämpfen."

 

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