Vereinbarkeit ist auch Männersache!

07.12.2015

Lange hatten Frauen das Gefühl, dass bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor allem sie gemeint seien. Das hat sich geändert und das Stichwort von der Väterorientierung ist längst in aller Munde. Dass Fachkräftesicherung in Zeiten des demografischen Wandels immer auch familienbewusste und zunehmend väterbewusste Personalpolitik beinhaltet, war das Thema des Kongresses „Beruf, Familie, Männer“ am Montag, den 7. Dezember 2015 in der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main.

 

Etwa 130 Teilnehmer folgten der Einladung des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration, der hessenstiftung – familie hat zukunft und der IHK Frankfurt am Main, die den zehnten Kongress in der Reihe „Dialog Beruf & Familie in Hessen“ veranstalteten. Dr. Ralf Geruschkat, Geschäftsführer bei der IHK Frankfurt am Main, erinnerte daran, dass sein Haus bereits vor dreizehn Jahren Gastgeber einer Tagung war, die den Titel trug: „Väter – ein Gewinn für Unternehmen?“ Aus der Frage von damals sei inzwischen ein Statement für heute und morgen geworden. Er sagte: „Laut aktuellem Väterbarometer vom Unternehmensprogramm Erfolgsfaktor Familie bieten vier von fünf Arbeitgebern auch Teilzeit an – für beide Elternteile. Bei jedem zweiten Arbeitgeber ist zudem mobiles Arbeiten möglich. Nun gilt es, das Bewusstsein aller Beteiligten auch für die Rolle der Väter beim Thema Vereinbarkeit weiter zu stärken. Zudem ist der weitere Ausbau von Kinderbetreuungsmöglichkeiten – gerade auch im Grundschulalter – eine zwingende Voraussetzung für die erfolgreiche Vereinbarkeit.“

 

Cornelia Lange, Abteilungsleiterin im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration verwies in ihrem Grußwort darauf, dass die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung einer familiengerechten und familienfreundlichen Arbeitswelt längst zu einer allgemein anerkannten Tatsache geworden ist. Vor dem Hintergrund, dass sich die Rolle der Väter in ihren Familien im Vergleich zu ihren eigenen Vätern deutlich verändert hat  forderte sie  „Die Arbeitsbedingungen für Mütter wie Väter müssen so ausgestaltet werden, dass beide ökonomisch unabhängig sind, sich in der Arbeit entfalten können und Zeit für ihre Familie haben. Junge Familien wünschen sich eine partnerschaftliche Aufgabenteilung.“

 

Für die hessenstiftung – familie hat zukunft erläuterte deren Geschäftsführer Dr. Ulrich Kuther, dass es ein strategisches Anliegen der Stiftung ist, die Vereinbarkeitsfrage für Männer zu erschließen. Er sagte: „Lange dachten Unternehmer bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor allem an Frauen. Das ändert sich zum Glück. Männer müssen für ihre Wünsche nach Familienzeit auch klar eintreten. Frauen müssen das zulassen und Männer in der Brotverdienerfunktion entlasten.“

 

Als Keynote-Speaker zeigte Dr. Martin Bujard vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung Perspektiven einer väterbewussten Politik für Unternehmen auf. Er beschrieb den Einstellungswandel junger Mütter und Väter, der zu einem enormen Anstieg der Berufstätigkeit von Müttern und der Elternzeitbeteiligung von Vätern in den letzten zehn Jahren geführt hat. Aktive Vaterschaft bezeichnete er als nachhaltigen Trend und empfahl Unternehmen, offen für die familiären Verpflichtungen auch bei Männern zu sein. „Wichtig ist, dass in Unternehmen auch deutlich kommuniziert wird, dass Elternzeit für Väter unterstützt wird. Auch ist die Anwesenheitskultur bis in die Abendstunden im digitalen Zeitalter oft nicht mehr zeitgemäß und steht einem gemeinsamen Abendessen der Familie im Wege.” Väterfreundliche Personalpolitik ist laut Bujard ein strategischer Vorteil für die Anwerbung und Bindung von Mitarbeitern.

 

In drei Foren zu den Themen „ElterngeldPlus – ein Plus für Väter?“, „Neue Karrierewege für Männer“ und „Mit Väterkompetenzen in Führung gehen“ konnten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen weitere Impulse mitnehmen und ihre Fragen diskutieren. „Nach dem Kongress ist vor dem nächsten Erfahrungsaustausch“, schloss die Moderatorin Kirsten Frohnert vom Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ und lud damit zu einem webbasierten Format ein, das die hessenstiftung – familie hat zukunft am 1. März 2016 organisieren wird.

 

Hintergrund:

Mit der Kongressreihe »Dialog Beruf & Familie in Hessen« wollen das Hessische Ministerium für Soziales und Integration und die „hessenstiftung – familie hat zukunft“ seit zehn Jahren mit verschiedenen Partnern deutlich machen, dass Familienpolitik im Zusammenwirken aller gesellschaftlichen Ebenen entscheidend zum Standortvorteil einer Region beiträgt. Die Kongressreihe »Dialog Beruf & Familie in Hessen« wurde 2004 gestartet und zu folgenden Fokusthemen durchgeführt:

  • Ein Wettbewerbsvorteil für Unternehmen! (3. Dezember 2004)
  • Hochschulen zeigen Profil! (1. Juli 2005)
  • Väter werden aktiv! (16. März 2006)
  • Kinder bilden - Zukunft schaffen! (6. November 2006)
  • Beruf und Pflege (4. September 2008)
  • Familienunterstützende Dienstleistungen (12. Oktober 2010)
  • Berufliche Potentiale von Alltags- und Familienkompetenzen (26. Oktober 2011)
  • Zukunft der Arbeits(zeit)gestaltung: zwischen Fachkräftebedarf und Familienorientierung (13. Mai 2013)
  • Familienbewusstsein und Willkommenskultur (14. November 2014)

 

 

 

 

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