IHK-Vollversammlung verabschiedet Positionspapier „Anforderungen der Wirtschaft an eine integrierte Stadtentwicklung der Stadt Frankfurt für eine zukunftsorientierte Metropolregion FrankfurtRheinMain“

16.12.2015

 

Frankfurt am Main ist eine wachsende Stadt. Dieses Wachstum eröffnet Gestaltungsspielräume, beinhaltet aber auch Herausforderungen. „Nach Vorstellung der IHK Frankfurt sollte die Stadt bei den Weichenstellungen der nächsten Jahre darauf hinwirken, Frankfurt am Main als attraktiven Wohn- und Wirtschaftsstandort mit einer hohen Lebens- und Umweltqualität weiterzuentwickeln“, sagte Prof. Dr. Mathias Müller, Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main (IHK), bei der Vorstellung des Positionspapieres „Anforderungen der Wirtschaft an eine integrierte Stadtentwicklung der Stadt Frankfurt für eine zukunftsorientierte Metropolregion FrankfurtRheinMain“. Das Papier hatte die Vollversammlung der IHK Frankfurt zuvor verabschiedet.

 

Das IHK-Positionspapier bezieht sich auf das Vorhaben der Stadt Frankfurt, ein integriertes Stadtentwicklungskonzept zu erarbeiten. „Aus Sicht der Wirtschaft ist das Konzept der Stadt ein wichtiger und richtiger Schritt, um den gegenwärtigen und kommenden Herausforderungen aus ökonomischer, ökologischer und sozialer Sicht gerecht zu werden“, sagte Prof. Dr. Müller. Das Thema Stadtentwicklung sei für die Mitgliedsunternehmen der IHK Frankfurt am Main von hoher Bedeutung. „Die Wirtschaftsentwicklung unserer Region hängt auch von den Flächennutzungsmöglichkeiten ab. Die Wirtschaft braucht einerseits Fläche für ihr Gewerbe und andererseits Wohnraum für die dringend benötigten Fachkräfte. Der kluge Umgang mit den zur Verfügung stehenden Flächen wird darüber entscheiden, ob wir das Niveau eines der wirtschaftsstärksten Räume in Europa halten bzw. die Prosperität der Region noch steigern können.“

 

Industrie und Gewerbe müssen zusammen mit den anderen Nutzungsanforderungen gesehen werden, damit das System „Stadt in der Metropolregion“ auf der Zeitachse sinnvoll weiter entwickelt werden kann. „Einen offenen und für alle Beteiligten transparenten Umgang mit der knappen Ressource Fläche erhoffen wir uns von dem Ansatz der Stadt Frankfurt, die Perspektiven bis 2030 zu skizzieren. Denn die Wirtschaft braucht Planungssicherheit“, so Prof. Dr. Müller weiter.

 

Neben IHK-Präsident Prof. Dr. Mathias Müller stellten IHK-Vizepräsidentin Susanne Freifrau von Verschuer (Vorsitzende Verkehrsausschuss), IHK-Vizepräsident Prof. Dr. Martin Wentz, IHK-Vizepräsident Thomas Reichert (Vorsitzender Ausschuss für Tourismus), Dr. Joachim Stoll (Vorsitzender IHK-Einzelhandelsausschuss), Jürgen Vormann (Vorsitzender IHK-Industrieausschuss) sowie Dr. Stefan Bergheim (IHK-Arbeitskreis Nachhaltigkeit) wesentliche Aspekte des IHK-Papiers vor.

 

Vizepräsident Prof. Dr. Wentz betonte, eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte sei es, im Einklang mit der Gewerbeflächenverfügbarkeit Wohnbaulandflächen für die stetig wachsende Bevölkerung bereitzustellen. In ihrem Positionspapier fordert die IHK eine vorausschauende und bevorratende Flächenpolitik unter Berücksichtigung aller relevanten Belange. „Diese muss neben den aktuellen Bedarfe auch zukünftige Flächenbedarfe abschätzen, um nachhaltig die zukünftig benötigen Flächen bereitzustellen. Die langen Planungs- und Erschließungszeiten erfordern, schon heute die in zehn Jahren erforderlichen Bauflächen in Angriff zu nehmen. Ohne große Bauflächen analog zum Riedberg im Außenbereich wird der Wohnungsbedarf nicht zu decken sein“, so Prof. Dr. Wentz. Eine Stadt, die noch über 60 qkm (= 6.000 ha) an Landwirtschaftsfläche verfüge, müsse grundsätzlich in einer Mischung aus Innen- und Außenentwicklung die erforderlichen Wohnbauflächen mobilisieren können, ergänzte Prof. Dr. Wentz. Die IHK werde gerne die Stadt dabei gegen örtliche Partikularinteressen unterstützen.

 

Susanne Freifrau von Verschuer mahnte, dass die geplante Ausweitung der Räume für Aufenthalt und Fußgänger nicht zu einer Reduktion der Kapazitäten von Hauptverkehrsachsen führen dürften. „Ein neuer Gesamtverkehrsplan muss Grundlage für eine strategische Verkehrsplanung sein.“ Sie plädierte zudem für die Weiterentwicklung attraktiver öffentlicher Nahverkehrsangebote für Pendler, komplementär zur Weiterentwicklung des Straßennetzes. Dies beziehe sich insbesondere auf den Lückenschluss der D-Strecke zwischen Bockenheimer Warte und Nordwestzentrum, die Verlängerung der U 5 zum Frankfurter Berg, der U 2 bis Bad Homburg Bahnhof, den Aus- und Umbau des Ratswegkreisels und die Verlängerung der Ferdinand-Happ-Straße bis Dieselstraße zur Entlastung der Hanauer Landstraße. „Vor dem Hintergrund der aktuellen Bevölkerungsprognosen und der hohen Auslastung des Frankfurter City-Tunnels sollte zudem geprüft werden, ob das jetzige S-Bahn-System zu einem S-Bahn-Ring, insbesondere im Nordosten und Süden der Region (Bad Vilbel – Hanau – Rödermark – Dreieich – Neu Isenburg) weiterentwickelt werden könnte. Eine solche tangentiale Linienführung könnte den Frankfurter City-Tunnel entlasten und Fahrzeiten verkürzen“, sagte Freifrau von Verschuer.

 

Jürgen Vormann, Vorsitzender des Industrieausschusses, zitierte aus dem Masterplan Industrie, wonach außerhalb der Industriegebiete rund 85 Hektar an un- bzw. mindergenutzter Fläche in Gewerbegebieten bestehen. Eine Aktivierung dieser Flächen sei einerseits schwer umzusetzen und andererseits werde auch das nicht ausreichen, denn die Industrie der Stadt werde bis 2030 deutlich wachsen. „Der daraus resultierende Handlungsdruck kann nur zu einem Teil durch die Aktivierung weiterer Flächen sowie die stärkere Nutzung nicht ausgelasteter Flächen oder die Reduzierung des Leerstandes und der Fremdnutzungen gemindert werden. Eine Ausweisung zusätzlicher Flächen im Stadtraum ist daher erforderlich“, sagte Vormann.

 

Thomas Reichert stellte Frankfurt als führenden Standort beim Shoppingtourismus, gerade auch durch die internationalen Touristen, heraus. Um dieses Segment zu stärken, gebe es noch viele Stellschrauben, zum Beispiel Mehrsprachigkeit für die Wegeführung im öffentlichen Raum und innerhalb der Stadt, attraktivere Ankunftstorte (Konstablerwache, Regionalbahnhof, Hauptwache), flächiges W-LAN-Angebot sowie den Bau einer Mehrzweckhalle am Kaiserlei.

 

Dr. Joachim Stoll, Vorsitzender des Einzelhandelsausschusses, plädierte für die Aufwertung der Hauptwache inklusive der B-Ebene und eine Weiterentwicklung der Zeil bis hin zu deren östlichen Ende. „Wir können uns nicht auf den aktuell guten Zahlen aus dem Einzelhandel ausruhen, wir müssen daran arbeiten, dass Einkaufen ein haptisches Erlebnis bleibt und neben dem wachsenden Onlinehandel bestehen kann“, so Dr. Stoll.

 

Dr. Stefan Bergheim aus dem Arbeitskreis Nachhaltigkeit plädierte dafür, bei der Neuplanung von Stadtquartieren viele unterschiedliche Menschen und Interessen auf Augenhöhe einzubinden und dem öffentlichen Raum eine urbane Gestaltung zu geben, die eine vielfältige Nutzung ermöglicht. Zudem sei es wichtig, dass bei einer integrierten Stadtentwicklung auch die erforderlichen Flächen für soziale Infrastrukturen, wie zum Beispiel Schulen und Kitas sowie notwendige Erholungs- und Freizeiträume, berücksichtigt werden.

 

Eine gute Kooperation mit den anderen Kommunen der Metropolregion Frankfurt-RheinMain sei ein wichtiger Bestandteil eines integrierten Entwicklungskonzepts der Stadt Frankfurt, sagte Prof. Dr. Müller. Ohne private Investitionen werde die weitere Entwicklung der Stadt zu einem sozial und wirtschaftlich attraktiven Zentrum der Metropolregion nicht gelingen. Die IHK Frankfurt am Main biete deshalb den Verantwortlichen der Stadt die enge Zusammenarbeit bei der Erarbeitung ihres Konzeptes der integrierten Stadtentwicklung und bei dessen Umsetzung an.

 

Das Positionspapier „Anforderungen der Wirtschaft an eine integrierte Stadtentwicklung der Stadt Frankfurt für eine zukunftsorientierte Metropolregion FrankfurtRheinMain“ finden Sie unter: www.frankfurt-main.ihk.de/position_stadtentwicklung.

 

 

Ansprechpartner

Anne Stephanie Waldeck Unternehmenskommunikation stellvertretende Pressesprecherin
Telefon: 069 2197-1584 Fax: 069 2197-1488

Ansprechpartner

Pressestelle IHK Frankfurt am Main Unternehmenskommunikation
Telefon: 069 2197-1201 Fax: 069 2197-1488