Aktualisierter IHK-Fachkräftemonitor zeigt: Fachkräftelücke wird immer größere Herausforderung für Unternehmen in Hessen

06.04.2016

 

Die Rekrutierung von qualifizierten Fachkräften stellt hessische Unternehmen vor immer größere Herausforderungen. „Der aktualisierte IHK-Fachkräftemonitor zeigt, dass den Betrieben in Hessen im Jahr 2016 rund 71.000 Fachkräfte fehlen. Gleichzeitig macht sich allmählich auch der demografische Wandel bemerkbar und sorgt dafür, dass das Angebot an gut ausgebildeten Fachkräften zurückgeht. Vor diesem Hintergrund sind jetzt kluge Maßnahmen gefragt, um das Angebot zu erhöhen und die vorhandenen Fachkräfte weiter zu qualifizieren. Investitionen in Köpfe sind das beste Mittel für einen auch zukünftig wettbewerbsfähigen Standort! Das gilt insbesondere für beruflich qualifizierte Fachkräfte, für die der Arbeitsmarkt besonders gute Chancen bereithält. Denn nach den Zahlen des IHK-Fachkräftemonitors machen Menschen mit Berufsausbildung und Aufstiegsfortbildung aktuell rund 80 Prozent der Fachkräftelücke aus“, sagte Prof. Dr. Mathias Müller,
Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main, zu den aktuellen Prognosen des IHK-Fachkräftemonitors.

 

Inzwischen wirkt sich der zunehmende Fachkräftebedarf auch direkt auf die Wettbewerbsfähigkeit in vielen Unternehmen aus – wie die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage zeigt: „39 Prozent der Unternehmen berichten davon, dass der Fachkräftemangel ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Monaten darstellt. Dies ist ein neuer trauriger Rekordwert und neben der ungünstigen Demografie auch auf die Rente mit 63 zurückzuführen, die dem Arbeitsmarkt gut ausgebildete Arbeitskräfte entzieht. Die Sorgen der Betriebe um geeignetes Personal drohen zu einem Hemmschuh für die wirtschaftliche Entwicklung zu werden“, so Prof. Dr. Müller.

 

Mit Blick auf die aktuelle Diskussion um die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt sagte Prof. Dr. Müller: „Die Flüchtlingsmigration ist vor allem eine humanitäre Aufgabe. Doch gleichzeitig muss es auch unser Anliegen sein, den bei uns Bleibenden Perspektiven zu bieten. Die Flüchtlinge können die Fachkräftelücke nicht alleine schließen und schon gar nicht von heute auf morgen. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass nach einem Jahr nur zehn Prozent in den Arbeitsmarkt integriert sind, nach fünf Jahren 50 Prozent und nach fünfzehn Jahren 70 Prozent. Die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt ist also ein langer Prozess – beginnend bei der Schulbildung und der Sprachförderung bis hin zu Qualifizierungsbausteinen bei älteren Migranten. Wenn wir hierbei erfolgreich sind, dann ist die Chance groß, dass aus vielen Flüchtlingen auch gut integrierte Fachkräfte werden.“

 

Branchen: Die Fachkräftelücke trifft nahezu alle Branchen. Am größten ist die Differenz zwischen Angebot und Nachfrage bei den Dienstleistungsunternehmen – sowohl quantitativ als auch relativ. Aktuell fehlen den personenbezogenen Dienstleistern rund 21.000 Fachkräfte, weitere 19.000 Fachkräfte fehlen im Bereich der beratenden und wirtschaftsnahen Dienstleistungen. Verhältnismäßig groß sind die Stellenbesetzungsprobleme auch im Gastgewerbe sowie im Bereich Information und Kommunikation.


Berufsgruppen und Qualifikationsniveaus: Die Datenaktualisierung des Fachkräftemonitors zeigt: Absolut gesehen sind die höchsten Engpässe aktuell in den Gruppen der beruflich Qualifizierten zu finden: Im Jahr 2016 fehlen den hessischen Unternehmen 15.000 Akademiker, rund 22.000 beruflich Qualifizierte mit kaufmännischer Ausbildung und sogar 35.000 Fachkräfte mit einer Ausbildung im technischen Bereich.
Hintergrund: Der IHK-Fachkräftemonitor ist eine Gemeinschaftsentwicklung der Industrie- und Handelskammern und der WifOR GmbH. Basierend auf Konjunkturumfragen und Langfristprognosen werden Schätzungen für das langfristige Arbeitsangebot und die langfristige Arbeitsnachfrage vorgenommen. Die Ergebnisse werden differenziert nach Berufsgruppen, Branchen, Regionen und Qualifikationsniveaus bis zum Jahr 2030 ausgewiesen. Der aktuelle IHK-Fachkräftemonitor steht unter www.fachkraefte-hessen.de kostenlos zur Verfügung.

 

Neben der regelmäßigen Datenaktualisierung wurden in diesem Jahr im Rahmen der durchgeführten Weiterentwicklung hin zum IHK-Fachkräftemonitor 3.0 folgende Änderungen vorgenommen:

 

Berücksichtigung eines qualifikationsspezifischen Renteneintrittsalters: In Folge der Einführung der „Rente mit 63“ wurde im Prognosemodell des IHK-Fachkräftemonitors das prognostizierte tatsächliche Renteneintrittsalter angepasst: Angenommen wird, dass beruflich Qualifizierte im Jahr 2015 mit 63 Jahren und Akademiker mit 65 Jahren in Rente gehen. Ausgehend davon steigt das Renteneintrittsalter kontinuierlich bis zum Jahr 2030 auf 65 Jahre im Bereich der beruflich Qualifizierten und bis auf 67 Jahre bei den Akademikern an.

 

Umstellung der Berufsklassifikation: Da die Klassifikation der Berufe 2010 (KldB 2010) erst seit dem 1. Januar 2011 gültig ist, wurden im Rahmen des IHK-Fachkräftemonitors bisher Daten der zuvor gültigen KldB 1988 umgeschlüsselt. Nun sind erstmalig genügend Datenpunkte – auch für die Vergangenheit – nach KldB 2010 vorhanden, sodass eine Umstellung auf diese Berufsklassifikation vorgenommen wurde.

 

Darüber hinaus wurden erstmalig Daten des Zensus 2011 verwendet sowie neue Langfristprognosen der Prognos AG in das Berechnungsmodell integriert.

 

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