Potenziale erschließen, Perspektiven eröffnen: Wirtschaftsminister Al-Wazir und Stellvertretende IHK-Präsidentin Hoyndorf zur Zeugnisübergabe bei Gebr. Heinemann

15.07.2016

 

Auf ein oft unbeachtetes Fachkräftepotenzial machten am Freitag der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und die Stellvertretende Präsidentin der Industrie- und Handelskammer, Karen Hoyndorf, beim Unternehmen Gebr. Heinemann am Flughafen Frankfurt aufmerksam: Mit der Überreichung von IHK-Zeugnissen an 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hamburger Handelshauses würdigten sie dessen Anstrengungen, Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern und Angelernten zu einem Berufsabschluss zu verhelfen.

 

Gebr. Heinemann, das einzige Familienunternehmen unter den Global Playern der Duty Free Branche und Europas Marktführer, hatte ein Jahr lang eigene Beschäftigte im Alter zwischen 28 und 54 Jahren gezielt auf die IHK-Abschlussprüfung zum Kauffrau/Kaufmann im Einzelhandel vorbereitet. „Die Potenziale der eigenen Belegschaft zu erschließen, ist ein naheliegender und nachhaltiger Weg, den eigenen Fachkräftebedarf zu sichern“, sagte Wirtschaftsminister Al-Wazir. „Bei Gebr. Heinemann hat man das früh erkannt. Ich kann Hessens Unternehmen nur ermuntern, diesem Beispiel zu folgen: Je qualifizierter die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, desto produktiver und innovativer die Firma.“ Hoyndorf lobte die Eigeninitiative des Frankfurter Standortes: „Sie haben erkannt, dass man in Fachkräfte investieren muss und dass die Fachkräfte oft direkt vor der Haustür, beziehungsweise im eigenen Unternehmen zu finden sind.“ Auch für die Beschäftigten sei ein Berufsabschluss ein wichtiger Schritt, so Hoyndorf. „Für Menschen ohne Abschluss geht es auch um soziale Anerkennung. Berufliche Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten sind für jeden von uns wichtiger Bestandteil unserer Lebenszufriedenheit.“

 

In über 30 Seminartagen innerhalb eines Jahres hat das Team von Heinemann unter Federführung der Ausbildungsleiterin Nina May seine 18 Beschäftigten, darunter 13 Frauen, weitergebildet. Hierzu wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entweder freigestellt, oder sie haben in ihrer Freizeit Kurse besucht, um sich auf die reguläre IHK-Abschlussprüfung im Einzelhandel im Sortiment Parfüm oder Genussmittel vorzubereiten. Am Standort Frankfurt beschäftigt das in Hamburg angesiedelte Familienunternehmen 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter 34 Auszubildende. In 28 Ländern sind über 6000 Mitarbeiter im internationalen Reisemarkt eingesetzt. „Mit dieser Initiative haben wir zwei für uns enorm wichtige Ziele erreicht. Wir konnten unseren Mitarbeitern ein sehr wertiges Weiterbildungsangebot machen, das gleichzeitig für Heinemann in Frankfurt einen spürbaren Qualitäts- und Motivationssprung ausgelöst hat“, so Volker Moser, Personalleiter am Standort Frankfurt.

 

Wirtschaftsminister Al-Wazir würdigte den Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: „Sich parallel zu seiner Berufstätigkeit weiter zu qualifizieren, verdient größte Anerkennung. Aber Leistungsbereitschaft lohnt sich: Erwerbstätige ohne abgeschlossene Ausbildung sind stärker von Arbeitslosigkeit bedroht als ihre Kolleginnen und Kollegen. Eine Nachqualifizierung ist deshalb die beste Absicherung gegen den Verlust der Beschäftigung.“ Al-Wazir wies darauf hin, dass in hessischen Unternehmen derzeit 320 000 Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung arbeiten.

 

Um mehr Beschäftigte zu motivieren, ihren Berufsabschluss nachzuholen, hat das Hessische Wirtschaftsministerium im vergangenen Jahr die Initiative ProAbschluss gestartet. Ziel ist, dass möglichst viele Menschen ohne formalen Berufsabschluss diesen nachholen. Dazu wurde ein landesweites Beratungssystem aufgebaut. Unternehmen werden bezüglich der Herangehensweise, Förderungen und Möglichkeiten kostenlos beraten, am Standort Frankfurt unter anderem durch zwei Bildungscoaches der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Beschäftigte können sich die Weiterbildung mit Qualifizierungsschecks in Höhe von bis zu 4000 Euro finanzieren lassen. Für die Initiative ProAbschluss sind bis 2021 rund 33 Mio. Euro aus Mitteln des Landes Hessen und des Europäischen Sozialfonds eingeplant.


Bisher nimmt jeder zehnte Teilnehmer an Prüfungen der IHK Frankfurt am Main als sogenannter Externer teil, das heißt, dass diese sich außerhalb einer regulären Berufsausbildung – die im Betrieb und in der Berufsschule stattfindet – selber auf die Abschlussprüfungen vorbereiten. 2015 absolvierten 822 Prüflinge die Prüfung, knapp 70 Prozent bestanden sie auch. Der größte Anteil der Teilnehmer kommt aus dem Handel, aus der Gastronomie und aus dem Verkehrsgewerbe – diese Branchen stellen fast die Hälfte der Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer. Dieses Jahr haben bereits 539 Beschäftigte aus dem Handel an der Prüfung teilgenommen, 72 davon waren externe Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer.

 

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