Urbane Produktion – Impulse für FrankfurtRheinMain

Die industrielle Produktion wird zunehmend digitaler und urbaner. Dies ist die wesentliche Erkenntnis einer neuen Studie „Urbane Produktion“, die der Think Tank der Initiative Wissensregion FrankfurtRheinMain am Mittwoch vorgelegt hat. Die Studie schließt passgenau an den Beschluss des Bundesregierung für ein neues Gesetz über die Einrichtung von „Urbanen Gebieten“ in der Vorwoche an. Die Initiative Wissensregion zeigt die Potenziale für die Weiterentwicklung der Industrie in der Metropolregion auf und stellt ein Dutzend industriepolitische Leitprojekte vor.

 

Die Initiative Wissensregion, in der die Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main, der Regionalverband FrankfurtRheinMain und die Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain zusammen arbeiten, hat den Think Tank zur Urbanen Produktion im Februar 2015 gestartet und seitdem mit mehr als 130 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung beraten. Unter „Urbaner Produktion“ versteht die Wissensregion die Auswirkung des Megatrends der Digitalisierung auf die Wirtschaft, erklärten Prof. Dr. Mathias Müller, Präsident der IHK Frankfurt, Ludger Stüve, Direktor des Regionalverbands FRM, und Prof. Dr. Wilhelm Bender, Vorstandsvorsitzender der Wirtschaftsinitiative FRM, bei der Vorstellung der Studie.

 

Die Arbeitswelt und sämtliche Lebensbereiche des Menschen werden grundlegend auf den Kopf gestellt; neue Technologien und Verfahren führen zu neuen Geschäftsmodellen, die Produktion wird digitaler. Mit der Veränderung der Geschäftsmodelle geht eine Rückverlagerung der Produktion in die Städte einher. Früher wurden Industrieanlagen möglichst fernab der Stadt angesiedelt. Je mehr die Produktion aber digital wird, desto weniger ist die Distanz zur Stadt ein Vorteil. Je weniger Emissionen und je weniger Verkehr die Produktion verursacht, desto mehr kommen andere Faktoren zum Tragen: Gute Verkehrsanbindungen für die Mitarbeiter, bessere Breitbandinfrastruktur in der Stadt, Vernetzung mit Vorproduzenten und Zulieferern, und die bessere Nutzung von Teilzeit-Arbeitsmodellen.

 

„Die meisten Beschäftigten empfinden diese Urbanisierung der Produktion nicht als Beeinträchtigung ihrer Arbeitsrolle. Vielmehr gestalten sie diese Art der Produktion aktiv unter dem Aspekt Work-Life-Balance. Aus dieser Entwicklung sollten wir für die Metropolregion FrankfurtRheinMain den richtigen Nutzen ziehen.“

 

Zu den wesentlichen Handlungsfeldern zählt die Initiative die Entwicklung von digitalen Geschäftsmodellen. Beispiele dafür werden beim „Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum (MIT)“ an der TU Darmstadt vorgestellt. Durch die Digitalisierung der Wirtschaft ändert sich auch das Anforderungsprofil der Beschäftigten. IT-Kompetenzen sowie das Denken in komplexen Prozessen werden wichtiger. Es entstehen neue Berufsfelder wie der des „Data Scientist“. Hier müssen Ausbildungsträger aktiv werden und ihre Angebote bedarfsgerecht modernisieren.

 

Bei der „Digitalen Infrastruktur“ muss sich die Metropolregion noch besser aufstellen.

Natürlich ist FrankfurtRheinMain, gerade mit der Stadt Frankfurt, der wichtigste Standort der Internetwirtschaft in Europa. Dennoch gibt es einiges zu tun: Die Telekommunikations-Anbieter müssen ihre Angebote transparenter machen. Den Unternehmen muss besser erkennbar sein, was geht und was nicht geht. Anträge für neue Leitungen müssen schneller genehmigt werden.

 

Gefordert wird auch ein Gigabit-Gewerbegebiet, also ein Ort, wo KMU ihre digitalen Geschäftsmodelle voll entfalten können. Dort müssen sich Firmen mit speziellen Anforderungen an die Breitbandanbindung ansiedeln können. Für die Entscheidung über ein solches Gigabit-Gebiet sollte eine systematische Bedarfsermittlung eingeleitet werden.

 

Die Bauplanungsrechtsnovelle, die die Bundesregierung vorige Woche auf den Weg gebracht hat, verfolgt die Absicht, das Miteinander von Wohnen und Arbeiten in der Stadt zu stärken. So soll in „Urbanen Gebieten“ eine Vielzahl von Nutzungen möglich werden. Zulässig sind in diesen Gebieten alle Nutzungsarten, die dem urbanen Charakter entsprechen. Neben Wohngebäude können dies Geschäfts- und Bürogebäude, Einzelhandel, Gaststätten, Hotels, sonstige Gewerbebetriebe, Anlagen für Verwaltungen sowie für kirchliche, kulturelle, soziale, gesundheitliche und sportliche Zwecke sein.

 

Die komplette Broschüre finden Sie online unter www.ihkfra.de/urbane_produktion