Netznutzungsentgelte lassen Stromkosten weiter steigen

07.09.2017

 

„Die Energiewende ist nach wie vor ein hochkomplexes und teures Projekt. Die staatlich verursachten Kosten auf den Strombezug betragen unverändert mehr als 50 Prozent der gesamten Stromkosten. Und die Strompreise steigen weiter wegen Netznutzungsentgelten und EEG-Umlage“, sagte Rainer Zies, Mitglied der IHK-Vollversammlung und des DIHK-Ausschusses für Energie und Umwelt, zur Eröffnung der 10. EnergieEffizienz-Messe in der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Unter dem Motto „Neue Trassen – teure Trassen“ diskutierten Fachleute aus Wirtschaft und Politik über Möglichkeiten zur Verhinderung von weiter steigenden Stromkosten.

 

Netzentgelte machen inzwischen bis zu 25 Prozent des Strompreises aus; sie werden von den Netzbetreibern für die Durchleitung von Strom erhoben und durch die Energieversorger an den Endkunden weitergegeben. Zies zeigte Verständnis dafür, dass Investitionen in Stromnetze – Betrieb, Wartung und Weiterentwicklung des Stromnetzes – Kosten verursachen. Und es sei auch klar, dass die Übertragungsnetze ausgebaut werden müssen. Die Forderung der Öffentlichkeit diese Leitungen über große Strecken unterirdisch zu verlegen, „wird weitere Milliarden Euro kosten und die Netzentgelte weiter nach oben treiben.“

 

Ein weiterer Kostentreiber sei, dass die Stromnetzbetreiber wegen des Zubaus an Wind- und PV-Erzeugung immer öfter korrigierend in das Stromnetz eingreifen müssen. Die Kosten für diese stabilisierenden Eingriffe sind in den letzten Jahren drastisch gestiegen und machen mittlerweile sechs Prozent der Netzkosten aus.

 

Die Unternehmen ergreifen nach Darstellung von Zies ihrerseits viele Maßnahmen, um den Stromverbrauch zu reduzieren und die Energieeffizienz ihrer Produktion zu verbessern. „Viele Unternehmen kennen ihre Potenziale, um hier noch weiter voranzukommen. Weit mehr als die Hälfte der von uns befragten Unternehmen geben an, derzeit Energieeffizienzmaßnahmen umzusetzen oder deren Umsetzung aktuell zu planen.“ Als ein Beispiel nannte er das Energieeffizienznetzwerk in Frankfurt, das die IHK und die Mainova zusammen initiiert haben und an dem 14 Unternehmen teilnehmen. Mit diesem Schritt haben sich die teilnehmenden Unternehmen zu ambitionierten Einsparzielen verpflichtet.

 

Dr. Constantin Alsheimer, Vorstandsvorsitzender der Mainova AG, bekräftigte seine Überzeugung, auch wegen der Verantwortung unserer Generation für das weltweite Klima dürfe die Energiewende jetzt nicht scheitern. Dafür ist es notwendig, die Kosten niedrig zu halten. Die Politik sollte sich darauf beschränken, die Ziele für den Klimaschutz zu setzen. Es muss dem Markt überlassen werden, die dafür relevanten Technologien zu finden. Nur das führt zu den niedrigsten Kosten. Die bisherigen Steuerungsinstrumente zur Begrenzung des Klimawandels hätten bisher noch nicht gereicht, um die Klimaziele in Deutschland zu erreichen. „So wie bisher dürfen wir auf keinen Fall weitermachen, sonst gefährden wir die Energiewende insgesamt.“

 

Alsheimer beklagte, dass die Energiewende in Deutschland vornehmlich auf den Stromsektor ausgelegt worden sei. Grundsätzlich sollte die Umsetzung offen für die effektivsten und kostengünstigsten Technologien sein. Aus Gründen der Ökologie und der Infrastruktur sei es insbesondere ratsam, den Energieträger Gas stärker als gegenwärtig in die künftige Strategie einzubeziehen. Die CO2-Belastung durch eine Kilowattstunde Strom sei rund doppelt so hoch wie dieselbe Energieleistung, die durch Gas erreicht wird. Wenn alles nur noch mit Strom betrieben werden solle, müssten die Stromnetze noch viel mehr ausgebaut werden, als dies wegen der Energiewende schon nötig ist. „Wenn beispielsweise in Frankfurt die Wärmeproduktion von Gas und Fernwärme komplett auf Strom umgestellt würde, erfordere dies eine Verdoppelung der Kapazitäten des Stromnetzes“, sagte Alsheimer.

 

Dr. Christof Bauer, Executive Advisor Energy, Mainsite GmbH & Co. KG in Obernburg am Main, sagte, der Umbau der deutschen Stromversorgung werde „noch über Jahrzehnte zu deutlich höheren Stromkosten führen als in anderen Ländern“. Dies liege an dem hohen Anteil von fluktuierenden Energieträgern. Im vorigen Jahr habe Solarenergie einen Anteil von sechs Prozent und Windenergie einen Anteil von 12 Prozent gehabt. Die Kosten für den Redispatch, also die Steuerung der Stromnetze bei stark wechselnden Einspeisemengen von Sonne und Wind, würden grundsätzlich weiter hoch bleiben bzw. steigen. Für industrielle Kunden seien die Netzentgelte in den letzten 5 Jahren um 40 bis 50 Prozent gestiegen, wobei der Anstieg im letzten Jahr besonders hoch war. Wichtig sei es, den Ausbau fluktuierender Energie zu synchronisieren mit dem Ausbau der Netze und von Ausgleichskapazitäten.

 

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