Berufliches Bildungssystem wieder auf die Füße stellen

09.10.2017

 

Mit einer Ausbildungsinitiative will die Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main im kommenden Jahr die Attraktivität der dualen Berufsausbildung steigern, die Zahl der unbesetzten Lehrstellen reduzieren und insgesamt die Ausbildungsqualität in den Betrieben sichern. „Wir müssen anfangen, unser berufliches Bildungssystem wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen. Es muss wieder selbstverständlicher werden, zuerst eine Lehre zu absolvieren, danach die berufliche Karriere zu starten und dann vielleicht ein Studium oben drauf zu setzen“, sagte IHK-Präsident Prof. Dr. Mathias Müller bei einem Pressegespräch zur Vorstellung der Maßnahmen. Die IHK-Vollversammlung hat beschlossen, dass die Ausbildungsprüfungsgebühren im IHK-Bezirk Frankfurt beginnend für die neuen Verträge ab 2018 in der Summe um zehn Prozent gesenkt werden. Zudem wird ein Maßnahmenpaket zur Förderung der dualen Berufsausbildung aufgelegt.


„Wir sehen unsere Maßnahmen als Teil einer gesamtgesellschaftlichen Neupositionierung der dualen Berufsausbildung“, sagte Prof. Dr. Müller. Drei Viertel aller Stellen, die aktuell in hessischen Betrieben nicht besetzt werden können, richten sich an beruflich qualifizierte Fachkräfte. „Heute gehen mehr als 50 Prozent der Schulabgänger eines Jahrgangs auf die Universität. Wann ist das richtige Maß an Akademikern erreicht? Sind 50 Prozent und mehr das richtige Maß?“ Von allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Hessen haben 57 Prozent einen anerkannten Berufsabschluss und nur 18 Prozent einen akademischen Abschluss. „Die Mehrzahl der Beschäftigten sind Fachkräfte und die Betriebe suchen händeringend nach Mitarbeitern mit einer guten dualen Berufsausbildung.“


Der IHK-Präsident räumte ein, dass demografiebedingt sinkende Schülerzahlen und der Akademisierungstrend sich nicht durch eine Maßnahme in Frankfurt alleine umkehren lassen. „Aber wir sind uns unseres Beitrags bewusst: Jeder Schritt, und sei er auch noch so klein, muss getan werden, damit das Mismatch beim Arbeitskräfteangebot aufgelöst wird.“


Mit der Ausbildungs-Initiative will die IHK Eltern und Lehrer, Schüler, Azubis und Ausbildungsbetriebe ansprechen. „Wir erwarten, dass wir in einem Jahr die Zahl der unbesetzten Stellen deutlich gesenkt haben und dass die Indikatoren zur Ausbildungsqualität deutlich gestiegen sind“, sagte Karen Hoyndorf, stellvertretende IHK-Präsidentin. „Der objektive Bedarf an Fachkräften ist bei unseren Mitgliedsunternehmen immens, der Engpass wird in den nächsten Jahren zunehmen. Die Situation erfordert daher eine zusätzliche Anstrengung. Diese Aufgabe wollen wir jetzt anpacken.“


Zu dem Maßnahmenpaket gehören Workshops mit Lehrerinnen und Lehrern von Schulen im IHK-Bezirk, bei denen Unternehmen aus der Praxis des Ausbildungsalltags und des Recruitings berichten. Dabei sollen zahlreichere Kontakte und Partnerschaften zwischen Ausbildern und Schulen als bisher entstehen.


Eine Online-Umfrage "Was erwarten Schüler von der Wirtschaft" soll die Aufmerksamkeit der Schüler für die Chancen in der Arbeitswelt und eine erfolgreiche duale Berufsausbildung wecken. Mehr als bisher sollen Ausbilder in den Betrieben geschult werden, um Konflikte besser zu managen und mit schwierigen Auszubildenden richtig umzugehen. Mit einer Imagekampagne für die duale Berufsausbildung will die IHK auf Plakatwänden und Online im IHK-Bezirk sichtbar sein.
Nach den Worten von Dr. Brigitte Scheuerle, Geschäftsführerin Aus- und Weiterbildung der IHK Frankfurt, sollen alle Maßnahmen die Botschaft unterstützen: „Duale Berufsausbildung ist cool.“ Mitte nächsten Jahres werden zum Beispiel eine Azubi-Card und eine Azubi-App eingeführt, auf der einerseits der jeweils zuständige IHK-Ausbildungsberater eingetragen ist und die andererseits als Rabatt-Karte für einen Strauß von Bonus-Angeboten dient. „Über die Card und die App werden wir die Ausbilder, Ausbildungsberater und Berufsschulen untereinander vernetzen. Mit den Rabatten kommen Konzerte und Sport näher zu den Azubis!“


Zu den weiteren Maßnahmen zählen drei Termine im kommenden Jahr zum Speed-Dating für Schüler und Ausbildungsunternehmen. Erwartet werden bis zu 1.800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die mit mehr als 120 Unternehmen ins Gespräch kommen. Vor allem durch diese Termine soll sich die Zahl der unbesetzten Lehrstellen verringern.

 

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