Regionaltangente West braucht nun den politischen Auftrag

14.06.2018

 

Die Planung für die Regionaltangente West (RTW), die geplante neue Schienenverbindung im Halbkreis westlich rund um Frankfurt von Bad Homburg über den Flughafen bis Neu-Isenburg und Dreieich, ist aufs Gleis gesetzt und wird voraussichtlich bis Mitte 2019 für alle vier Streckenabschnitte vorliegen. „Die detaillierte Streckenplanung berücksichtigt die zahlreichen lokalen Umstände und ist daher die Voraussetzung für eine hohe Akzeptanz in den Kommunen, die u. a. mithilfe der RTW die wachsenden Verkehrsströme bewältigen müssen“, sagte Prof. Dr. Mathias Müller, Präsident der IHK Frankfurt am Main, anlässlich der Veranstaltung „Die Regionaltangente West – Mobilitätsinfrastruktur braucht Zusammenarbeit in der Region“ am Donnerstag. Auf dieser Grundlage sei es nun erforderlich, dass die Kommunen und anderen Gesellschafter der RTW-Planungsgesellschaft nun auch die politischen Beschlüsse für den tatsächlichen Bau der RTW fassten. „Die Politik ist jetzt am Zug und muss den Auftrag erteilen, damit gebaut werden kann, sobald das Baurecht besteht.“

Um eines der wichtigsten Schienenprojekte in der Region voran zu treiben, trafen sich auf Initiative der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main, gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer Offenbach am Main, der Initiative der Wirtschaftskammern in der Metropolregion PERFORM sowie der RTW Planungsgesellschaft nun schon zum dritten Mal hochrangige Vertreter aus Kommunal- und Landespolitik, um die Vorteile für die Unternehmen, Beschäftigten und Kommunen in den Standorten entlang der geplanten neuen Schienenverbindung aufzuzeigen und zu diskutieren.

 

Matthias Gräßle, Hauptgeschäftsführer der IHK Frankfurt am Main, betonte die Notwendigkeit einer solchen Schienenverbindung aufgrund der Verkehrsentlastung. „Die RTW wird den Engpass im S-Bahn-Tunnel in Frankfurt entzerren und damit für Zigtausende den Weg zur Arbeit und zurück deutlich verbessern. Die Standortqualität der Region wird damit deutlich erhöht, die Attraktivität der Arbeitsplätze im Rhein-Main-Gebiet weiter gesichert.“

 

Kirsten Schoder-Steinmüller, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Offenbach am Main, sagte: "Zahlreiche Unternehmen entlang der Strecke erwarten sehnlichst die Eröffnung der RTW. Die RTW wird helfen, die steigenden Mobilitätsbedürfnisse der Menschen in der polyzentralen Region FrankfurtRheinMain zu erfüllen." Die RTW sei aber nur ein Baustein für die Mobilitätsinfrastruktur der Region. Es gelte auch an vielen anderen Stellen, wie zum Beispiel den Regionaltangenten Ost (Bad Vilbel - Maintal - Offenbach) und Süd (über Offenbach Hbf - Frankfurt-Süd - Flughafen) Projekte voranzutreiben. Dabei müssten auch die Potenziale bestehender Strecken, zum Beispiel der Dreieichbahn, noch besser genutzt werden. "Insgesamt braucht die Region FrankfurtRheinMain eine schnellere Umsetzung von Verkehrsprojekten und gleichzeitig einen verkehrsträgerübergreifenden Masterplan Mobilität", betonte die Offenbacher IHK-Präsidentin.

 

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir wies darauf hin, dass die RTW Teil eines umfassenden Konzepts ist, die Engpässe auf den Schienenwegen im Raum Frankfurt zu beseitigen: „Über das Maßnahmenpaket FrankfurtRheinMainPlus ist viel zu lange nur geredet worden, jetzt hat endlich die Umsetzung begonnen. Die eigenen Gleise für die S6, die Nordmainische S-Bahn, die Modernisierung der Signaltechnik im Frankfurter S-Bahntunnel und viele andere Maßnahmen werden die Kapazitäten schaffen, die wir dringend brauchen, um den Verkehr in der Metropolregion stabil zu bewältigen und auch das Straßensystem zu entlasten. Die RTW ist ein besonders wichtiger Baustein dafür und eine dringend nötige Ergänzung des bisher radial auf den Hauptbahnhof ausgerichteten Schienennetzes. Es ist gut, dass es jetzt mit der RTW endlich vorangeht. Mittelfristig wird die RTW der Anfang eines Schienenrings um Frankfurt sein, der nötig sein wird, um die Verkehrsströme angemessen abzubilden.“

 

Klaus Oesterling, Aufsichtsratsvorsitzender der RTW Planungsgesellschaft mbH und  Verkehrsdezernent der Stadt Frankfurt, wies auf die Dringlichkeit der politischen Beschlüsse hin. „In den kommenden Monaten müssen die Kosten konkretisiert und die Finanzierung bei Bund und Land beantragt werden. Damit wir dann zügig mit dem Bau beginnen können, müssen die Kommunen bis Anfang kommenden Jahres den Auftrag zum Bau erteilen.“ Er sei zuversichtlich, dass die Finanzierung wie üblich zum größten Teil über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) dargestellt werden wird.

 

Prof. Knut Ringat, Stv. Aufsichtsratsvorsitzender der RTW Planungsgesellschaft mbH und Sprecher der Geschäftsführung der Rhein-Main-Verkehrsverbund GmbH, stellte die Bedeutung der RTW in der Entwicklung des Gesamtverkehrs der Metropolregion heraus. „Hessen investiert bis zum Jahr 2030 die Rekordsumme von zwölf Milliarden Euro in den Ausbau des Schienennetzes für den Nah- und Fernverkehr. Das Geld fließt in insgesamt zwölf Großprojekte. Ein wichtiger Bestandteil der Maßnahmen wird der Streckenausbau rund um Frankfurt sein, da dies der am stärksten frequentierte Bahnknoten Deutschlands ist.“ Dazu gehören auch Projekte zum Nahverkehr wie die RTW und der Ausbau der S6 über Bad Vilbel nach Friedberg. Nur mit einer Entlastung der Strecken für den regionalen Verkehr werde es möglich, dass die Fern- und Güterzüge zügig voran kommen und dass der Nahverkehr pünktlicher und zuverlässiger wird.

 

Horst Amann, Geschäftsführer der RTW Planungsgesellschaft GmbH, sagte, die Finanzierung des Baus solcher Projekte werde üblicherweise bis zu 85 Prozent über Zuschüsse von Bund und Land auf Basis des GVFG geregelt. Die restlichen Mittel müssten von den RTW-Gesellschaftern aufgebracht werden. Über den finalen Verteilerschlüssel unter den Beteiligten müsse demnächst Einvernehmen hergestellt werden. Wichtig sei es nun, diesen Prozess zu forcieren und damit der Realisierung näher zu kommen.

 

Thomas Horn, Direktor des Regionalverbands FrankfurtRheinMain, wies darauf hin, dass die RTW nicht nur für die nächsten zwei Jahrzehnte, sondern für die nächsten Generationen von Belang sei. „Die Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr bringt für Wohnstandorte eine dauerhafte Aufwertung. Daher werden die anliegenden Kommunen klug beraten sein, die entsprechenden Beteiligungsbeschlüsse zu fassen.“ Zudem sei die RTW der erste Baustein für einen ganzen Schienenring rund um Frankfurt.

 

Dr. Frank Blasch, Bürgermeister von Bad Soden am Taunus, sagte, seine Stadt sei hoch erfreut, dass sie einen Anschluss an die RTW-Strecke bekomme. „Die RTW bedeutet einen großen Schritt nach vorne für Bad Soden am Taunus.“ Die Gleise liegen bereits in Form der Bahnstrecke über Sulzbach. Sie ist seit 1979 elektrisiert, momentan fahren dort Züge der Hessischen Landesbahn, die mit Dieselloks bespannt sind. „Diese Strecke ist auch für mögliche RTW-Fahrzeuge geeignet, daher braucht bei uns gar nicht viel gebaut zu werden.“

 

Für Herbert Hunkel, Bürgermeister von Neu-Isenburg, ist die RTW ein wichtiger Faktor, um den Verkehr in Neu-Isenburg umweltverträglich zu gestalten: „Wir können mit der RTW und weiteren verkehrslenkenden Maßnahmen sicherstellen, dass die rasante Einwohner- und Wirtschaftsentwicklung in der Region und damit auch in Neu-Isenburg nicht zu einem Verkehrskollaps führt. Wir müssen heute handeln im Interesse unsere Kinder und der nachfolgenden Generationen.“

 

Claudia Jäger, Erste Beigeordnete, Kreis Offenbach, drückte ihre Hoffnung aus, dass es nun keine weiteren Verzögerungen bei Planung und Bau der RTW gebe. „Im November 2008, vor fast zehn Jahren also, hat der Kreis Offenbach zusammen mit anderen kommunalen Partnern die RTW Planungsgesellschaft gegründet. Damals war die Rede davon, dass der Betrieb im Jahr 2018 starten könne. Nun sind wir froh, dass wir wenigstens die Planfeststellung bis 2019 komplett eingeleitet haben werden. Die Notwendigkeit einer solchen neuen Verbindung ist unbestritten, die Mobilitäts-Engpässe in unserer Region nehmen merklich weiter zu. Nun brauchen wir den politischen Entschluss, die RTW auch wirklich zu bauen.“

 

Frieder Gebhardt, Bürgermeister von Langen, sagte, die Stadt Langen, die bisher nicht Bestandteil der Planung ist, fordere eine Anbindung an die RTW und habe daher eine Nutzen- und Kostenanalyse in Auftrag gegeben, um zu prüfen, welche Auswirkungen eine Weiterführung der Regionaltangente West in die Sterzbachstadt hat. „Ein positives Ergebnis vorausgesetzt, werden wir die RTW Gesellschaft auffordern, die Stadt Langen in das Konzept der Regionaltangente aufzunehmen.“

 

Die RTW soll den Hochtaunuskreis im Norden mit dem Westen Frankfurts einschließlich des Main-Taunus-Kreises, dem Flughafen und den südlich gelegenen Städten Neu-Isenburg, Dreieich und gegebenenfalls Langen verbinden. Vor dem Hintergrund der hohen Pendlerströme in der Metropolregion FrankfurtRheinMain ist der Bau der RTW für Unternehmen und Fachkräfte ein wichtiges Projekt. Fast 70 Prozent der Beschäftigten im IHK-Bezirk Frankfurt pendeln zu ihren Arbeitsplätzen; nur ein kleinerer Teil der Beschäftigten wohnt in der Stadt bzw. Gemeinde, in der sie arbeiten. Ein RTW-Fahrzeug kann bis zu 350 Passagiere befördern, ausgelegt wird die Strecke für Züge mit zwei Fahrzeugen.

 

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