Kreisbereisung:
Mehr Gigabit für die Gewerbetreibenden

27. Mai 2019

 

Die Telekommunikationsinfrastruktur ist für die meisten Unternehmen eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle. An den Unternehmensstandorten im IHK-Bezirk Frankfurt am Main (Stadt Frankfurt, Hochtaunus- und Main-Taunus-Kreis) ist inzwischen eine Versorgung mit 50 MBit/sec im Download ein Standard, der weitgehend erreicht ist. Die nächsten Digitalisierungsschritte erfordern jedoch höhere Bandbreiten, möglicherweise bis zu 1 Gigabit/sec. An einigen Stellen im IHK-Bezirk sind diese Bandbreiten technisch bereits verfügbar, an vielen anderen laufen Ausbauprojekte.

 

Bei der „IHK-Kreisbereisung Gigabit" am 27. Mai haben sich Vertreter der IHK von dem Ausbau an zwei beispielhaften Standorten, Kriftel im Main-Taunus-Kreis und Oberursel im Hochtaunuskreis, einen Eindruck verschafft. IHK-Präsident Ulrich Caspar zeigte auf, dass die meisten Unternehmen zusehends mehr Geschäftsprozesse digitalisieren, nicht zuletzt durch die Nutzung von Cloud-Lösungen. Dies treibe den Bedarf der Unternehmen nach schnellen Datenverbindungen rapide voran. Main-Taunus- und Hochtaunuskreis hätten in den vergangenen Jahren darauf reagiert.

Im Main-Taunus-Kreis sei zunächst mit Hilfe eines Förderprogramms durch die Deutsche Telekom kreisweit ein flächendeckendes Angebot von 30 MB/sec Download hergestellt worden. Nun gebe es eine Reihe von Gewerbegebieten, die von der Telekom und der Deutschen Glasfaser GmbH mit Glasfaser ausgebaut, bzw., wo Glasfaser vermarktet wird.

Im Hochtaunuskreis gebe es seit langem neben einem weitreichenden Kabelnetz der Unitymedia seit 2012 in drei Städten auch ein Glasfaserangebot der Deutschen Telekom. Aktuell werden in einigen Gewerbegebieten Angebote für Glasfaser-Produkte vermarktet. Damit liegen die beiden Landkreise im Vergleich mit anderen Regionen in Deutschland weit vorne.

 

Die Vorsitzende des IHK-Ausschusses Kleine und Mittlere Unternehmen, Antje-Imme Strack, betonte, das Ausbautempo müsse weiter hoch bleiben. Auch für Gewerbetreibende außerhalb von Gewerbegebieten müsse ein leistungsfähiges Angebot verfügbar sein.

IHK-Präsident Caspar begrüßte zudem die Initiative des Regionalverbands FrankfurtRheinMain, der in der vorigen Woche für insgesamt 150 Gebietskörperschaften unter der Überschrift „Gigabitregion FrankfurtRheinMain – Gemeinsames Vorgehen beim glasfaserbasierten Breitbandausbau“ eine Absichtserklärung abgeschlossen hat. Demnach sollen bis 2025 „hundert Prozent der Industrie- und Dienstleistungsunternehmen sowie des Gewerbes in FrankfurtRheinMain Zugang zu einem glasfaserbasierten gigabitfähigen Internetzugang erhalten“. Zusammen mit den Telekommunikationsanbietern soll ein flächendeckender Glasfaserausbau in Angriff genommen werden. Die Gesamtplanung sei sinnvoll und könne mehr Schwung bringen. Im Vergleich zu dem regionalen Vorhaben, das vor allem die Lücken schließen werde, würden die aktuellen Ausbau-Aktivitäten, wie in Kriftel und Oberursel und anderen Gebieten im IHK-Bezirk, schnellen Nutzen tragen und damit Vorteile im Standort-Wettbewerb sichern.

Der Blick in die Praxis des marktgetriebenen Ausbaus zeigte die Dynamik und die technischen Optionen auf, brachte zugleich aber auch die Hürden auf dem weiteren Weg zur Sprache. Im Gewerbegebiet Kriftel, das von der Deutschen Glasfaser GmbH ausgebaut wird, sagte der Landrat des Main-Taunus-Kreises, Michael Cyriax: „Mit dem flächendeckenden Breitband-Ausbau im MTK vor einigen Jahren finden hier Unternehmen und Privatleute bereits gute Bedingungen vor. Damals wurden mehr als 150 Kilometer Glasfaser verlegt und den Bürgern höhere Übertragungsraten ermöglicht. Darauf können wir aufbauen. Denn die Entwicklung geht weiter – da ist es gut, wenn wie hier im Gewerbegebiet Kriftel der Giga-Ausbau läuft. Der Ausbau in Gewerbegebieten könnte aber nur der erste Schritt sein; auch anderswo gibt es Firmen und auch Privatleute, die Bedarf an Gigabit-Verbindungen haben. Unser Ziel muss es sein, Glasfaser bis ins Haus zu bringen.“

 

Der Erste Beigeordnete der Gemeinde Kriftel, Franz Jirasek, erinnerte daran, dass das wichtigste Infrastrukturkriterium für viele Unternehmen eine stabile Breitbandversorgung bei der Auswahl des Firmenstandortes ist – noch vor der Energieversorgung und der Verkehrsanbindung. „Aus diesem Grund war es der Gemeinde Kriftel ein besonderes Anliegen, dass das Gewerbezentrum mit einem Glasfasernetz ausgestattet wird. Uns war es wichtig, schnell aktiv zu werden. Frei nach dem Motto: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Die Übertragungsgeschwindigkeit der Daten entscheidet schließlich über die Effizienz zahlreicher Internetanwendungen und damit auch über den Erfolg vieler Unternehmen. Ein Glasfasernetz stellt für Unternehmen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil dar und die Gemeinde Kriftel wird als Wirtschafts- und Unternehmensstandort für die Zukunft gestärkt.“

Jan Bartel und Jacek Sierczak präsentierten die Deutsche Glasfaser GmbH, die das Gewerbegebiet Kriftel ausbaut. „In Hessen ist Deutsche Glasfaser schon in der Hälfte aller Landkreise als Anbieter aktiv. Unser Ausbau erstreckt sich von Nordhessen über Mittelhessen bis nach Südhessen. So werden in Kürze selbst Gewerbegebiete in der Finanzmetropole Frankfurt von unserem Glasfasernetz profitieren. In einer Kooperation mit dem Darmstädter Regionalversorger Entega wird seit März 2019 ein Potenzial von 120.000 Glasfaseranschlüssen im Landkreis Darmstadt-Dieburg angegangen“, so Jan Bartel von Deutsche Glasfaser, der in seiner Position als Abteilungsleiter im Geschäftskundenbereich auch über die Vermarktung in neuen Gebieten entscheidet.

 

„Hier im Gewerbegebiet in Kriftel läuft der Ausbau der Glasfaserinfrastruktur auf Hochtouren. Anfang November 2018 hatten wir bekanntgeben, dass wir eigenwirt-schaftlich ausbauen werden. Ende Februar 2019 konnte bereits der erste Spaten-stich erfolgen. Ab Mitte Juli werden unsere Kunden in Kriftel aktiviert und können ab dem Zeitpunkt das schnelle Glasfasernetz nutzen“, sagt Jacek Sierczak, bei Deutsche Glasfaser verantwortlich für die Geschäftskunden in Hessen. Weiter erläutert er: „Im Main-Taunus-Kreis sind wir fast flächendeckend für Unternehmen vertreten. So können zum Beispiel die Unternehmen in Wallau bereits seit einem Jahr unser Angebot von symmetrischen Glasfaserleitungen bis zu 10 Gigabit pro Sekunde nutzen.“

Volkhart Welter, IT-Leiter der Chemiefirma Seitz in Kriftel und einer der künftigen Nutzer von Glasfaserprodukten im Gewerbegebiet Kriftel, betonte: „Als international agierendes Unternehmen sind wir auf eine enge Anbindung unserer Niederlassungen und Außendienstmitarbeiter angewiesen. Dies schließt auch den schnellen Austausch größerer Datenmengen mit ein.“ Die Firma stellt Produkte für gewerbliche Textil- und Oberflächenpflege her und hat Niederlassungen und Partner in über 20 Ländern. In Kriftel sind ca. 40 Mitarbeiter beschäftigt, in Außendienst und den ausländischen Standorten zusammen etwa weitere 60. Die meisten Datenmengen erzeugen dabei Backups über das Internet, Videokonferenzen, Abgleich von Datenbanken sowie Downloads von Dokumenten und Programmen.

Im Gewerbegebiet An den Drei Hasen in Oberursel, das von der Deutschen Telekom ausgebaut wird, sagte der Landrat des Hochtaunuskreises, Ulrich Krebs: „Der Anschluss an schnelles Internet ist wichtig für alles, was die Zukunft der Region gestalten wird. Deshalb müssen wir den Glasfaserausbau schnell, effizient und gemeinsam voranbringen. Weiße Flecken darf es nicht mehr geben, die ländlichen Teile der Region brauchen den qualitativ gleichen Zugang wie die urbanen.“

 

Hans-Georg Brum, Bürgermeister Stadt Oberursel, stellte dar, wie die Stadt die Telekommunikations-Anbieter beim Ausbau aktiv unterstützt. „Das geht über klare Informationen zur langfristigen strategischen Ausbauplanung im gesamten Stadtgebiet, über Leerrohre, die von der Stadt anzumieten sind, bis zu schnellen Genehmigungsprozessen durch die engagierte Umsetzungsberatung unserer Stadtplanung. Für die Realisierbarkeit aber besonders wichtig ist die partnerschaftliche Kommunikation der Vorhaben in der Vorvermarktungsphase. Das machen wir ganz aktiv, denn durch ein Ausbauangebot signalisieren die Anbieter die Bereitschaft, sehr große Beträge in den Standort zu investieren.“

 

Frank Bothe, Leiter der Telekom-Technik-Niederlassung Südwest, betonte, die beiden Landkreise und die Stadt Frankfurt seien bereits heute sehr gut ausgebaut. „Daher stehen dort auf Wunsch auch individuelle Lösungen für alle Haushalte und Gewerbetriebe zur Verfügung. Aktuell ist die Deutsche Telekom auch in verschiedenen Gewerbegebieten der beiden Landkreisen bzw. der Stadt Frankfurt aktiv. Entscheiden sich im Rahmen einer bundesweiten Vermarktungsaktion mehr als 30 Prozent der Gewerbetreibenden für einen Glasfaseranschluss, so wird das Gewerbegebiet ausgebaut. Derzeit befinden sich bereits drei Gewerbegebiete in Frankfurt und eines in Oberursel im Ausbau. Unternehmen in den Gewerbegebieten Friedrichsdorf und Flörsheim können im Rahmen der zeitlich befristeten Aktion noch bis 14. Juni einen Glasfaseranschluss ohne Bereitstellungskosten erhalten.“

 

Die Geschäftsleitung der EUKO Accounting, Tax und Legal Consulting Group in Oberursel (Taunus), skizzierte den Prozess und die dabei aufgetretenen Schwierigkeiten bei der Installation des Breitband für die Firma. Sie führte aus, dass die Förderung und der Ausbau der IT-Infrastruktur insbesondere für koreanische Firmen im Rhein-Main Gebiet von hoher Relevanz ist, da Korea im Range eines IT-Weltmeister gesehen werde und bereits über 5 GB verfügt.

 

Andreas Gehrhardt, Key Account Manager Kommunale Projekte bei Unitymedia, kündigte ein Niedrigenergie-Funknetz für Internet-of-Things-Anwendungen für Oberursel und andere hessische Kommunen an. „Im April hat Unitymedia in der Gemeinde Weilrod (Hochtaunuskreis) bereits ein solches Funknetz (Long Range Wide Area Network oder LoRaWAN) an den Start gebracht. Oberursel, Neu-Anspach, Usingen, Schmitten und mehr als 50 weitere hessische Kommunen haben bereits ihr Interesse daran bekundet.“ Internet-of-Things bedeutet die Verbindung von Geräten über das Internet und ist die Basis für die Industrie 4.0. Da diese Technologie in nahezu allen Lebensbereichen ihren Einzug halten wird, finden sich solche Anwendungen zunehmend auch im Bereich der öffentlichen Versorgung (beispielsweise Zählerstände übertragen, Wasserleckagen detektieren, freie Parkplätze melden, Luftqualitätsdaten erfassen oder die Straßenbeleuchtung fernsteuern). Das Netzwerk begünstigt insbesondere batteriebetriebene Sensoren, die lediglich geringe Datenmengen austauschen. „Mit wenigen Sendern können wir große Gebiete abdecken – mit Reichweiten von fünf bis zu zwölf Kilometern“, sagte Gehrhardt. Unitymedia liefert die Basisstationen (Gateways), die Daten zwischen Sensoren und Netzwerkservern weiterleiten, und übernimmt deren Wartung und Betrieb.

 

Michael Renzmann, Geschäftsführer der true global communications GmbH (TGC) in Oberursel, die seit rund 20 Jahren regionale Haushalte, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen mit schnellem Internet versorgt, führt in diesem Jahr eine neue Technikgeneration ein, mit der Gigabit-Anschlüsse angeboten werden. Vorteil der drahtlosen Anbindungen sei, dass sie Versorgungslücken rasch und mit geringen Herstellungskosten schließen können und für Unternehmen, die sich auf Dienste in der Cloud verlassen, hervorragend als Backup zum Glasfaseranschluss geeignet seien. „Kabel werden schon mal Opfer von Baggerarbeiten, und dann hilft der Funk!“ TGC stellte außerdem ein hochsicheres Rechenzentrum in einer unterirdischen Bunkeranlage vor, das 2019 in Betrieb gehen soll und Daten speichern wird, die selbst bei größten Katastrophen nicht verloren gehen dürfen. „Datensicherung und jederzeitige Datenverfügbarkeit ist für viele Unternehmen mit sensiblen Daten ein wesentlicher Baustein des Geschäftsmodells.“ Aufgrund der Reichweite der Funkverbindungen befinden sich die Kunden von TGC vornehmlich im Hochtaunuskreis und in Frankfurt.

 

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