Unternehmen brauchen einen Gewerbeparkausweis - Parkraumbewirtschaftung benachteiligt Betriebe in Teilen Frankfurts

22. September 2020

 

Die Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main (IHK) und die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main (HWK) kritisieren das geplante Parkraummanagement der Stadt Frankfurt für innenstadtnahe Stadtteile wie etwa Bornheim, Nordend, Gallus oder Bockenheim. Das Konzept sieht flächendeckende Parkgebühren in Höhe von zwei Euro pro Stunde an öffentlichen Stellplätzen vor. Günstiges Parken für ansässige Gewerbebetriebe, Handwerksunternehmen und deren Mitarbeiter wird es nicht geben. In der gesamten künftig parkraumbewirtschafteten Zone sind rund 30.000 Gewerbetriebe betroffen.

 

Anders als Anwohner, die mit dem Start der Zonen einen Parkausweis für 25 Euro im Jahr beantragen können, müssen Bornheimer Unternehmer und deren Mitarbeiter mit bis zu 5.000 Euro Parkkosten pro Jahr und Fahrzeug rechnen. „Das neue Modell benachteiligt die Betriebe. In den Augen des Verkehrsdezernenten sind wir offensichtlich Fremde“, beklagt sich Kaweh Nemati, Vorsitzender der Interessengemeinschaft „Untere Berger Straße e. V.“ und Inhaber des Modegeschäfts Escatira. „Viele Betriebe müssen täglich Waren ausliefern oder Dienstfahrten unternehmen“. Gerade die alteingesessenen familiären Betriebe seien von der neuen Regelung betroffen und könnten wegziehen.

 

Die ansässigen Betriebe können aufgrund der historisch gewachsenen Strukturen häufig keine eigenen Parkplätze auf eigenem Firmengelände einrichten und fürchten so Nachteile gegenüber dem Umland. Martina Genzel, 2. Vorsitzende des „Gewerbevereins Bornheim Mitte e. V.“ und Geschäftsführerin von Metallbau Otto Genzel erklärt: „Sollte die Parkzone bei uns in Bornheim so eingerichtet werden, fragt sich, welcher unserer Mitarbeiter bereit ist, diese hohen Parkkosten zu bezahlen.“


Bernd Ehinger, Präsident der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main: „Viele Handwerksbetriebe sind auf das Kfz angewiesen. Auch viele Arbeitnehmer im regionalen Handwerk hoffen auf einen verkehrsmittelübergreifenden Gesamtverkehrsplan. Wenn die Stadt die Belastungen weiter erhöht, werden einige Unternehmen ihren Sitz ins Umland verlagern. Für ihre Dienste müssten sie dann allerdings weiterhin nach Frankfurt pendeln.“

 

Gemeinsam mit der IHK Frankfurt am Main hat die Vollversammlung der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main vor einigen Wochen ein entsprechendes Positionspapier zur Mobilität verabschiedet.

Ulrich Caspar, Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt, hält das neue Parkkonzept für zu kurz gedacht: „Betriebe sollten mit allen Verkehrsmitteln erreichbar sein. Falls die Betriebe die innenstadtnahen Lagen verlassen und sich am Stadtrand oder jenseits der Stadtgrenzen ansiedeln, werden Sie dort für ÖPNV-Nutzer und Fahrradfahrer schlechter erreichbar sein. Das wäre negativ für die Wirtschaft und für die Umwelt.“ Stattdessen sollte die Stadt vorher die Belange von Unternehmen, Kunden und deren Mitarbeiter analysieren und Lösungen suchen. „In München gibt es einen Gewerbeparkausweis, der 120 Euro im Jahr kostet. Dieses Modell könnte auch für die Stadt Frankfurt eine praktikable Lösung sein.“, betont Caspar und fügt an: „Gerade in Krisenzeiten sollte der Erhalt kleiner und mittlerer Unternehmen im innenstadtnahen Bereich ein Anliegen der Stadt sein“.

 

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