Gewerbesteuer
Frankfurt setzt Zeichen

Ohne Einnahmen könnte keine Stadt oder Gemeinde die für das Gemein-wesen nötigen Infrastrukturen bereitstellen. Basis der kommunalen Einnahmen bilden vor allem die Grund- und Gewerbesteuern, deren Höhe die Kommunen durch Hebesätze mit beeinflussen können. Steuern sind aber auch Standortfaktoren, die wiederum Standortentscheidungen von Unternehmen maßgeblich beeinflussen.

Frankfurt kann sich aufgrund seiner Infrastruktur als Wirtschafts-, Finanz- und Arbeitsplatzstandort erfolgreich positionieren und im zunehmend internationalen Wettbewerb durchsetzen. Damit dies so bleibt, ist eine kontinuierliche Investition in Standortfaktoren erforderlich. Diese beschreiben die Attraktivität eines Standortes – hier also der Stadt Frankfurt – für eine Unternehmensansiedlung, wobei stets die Gesamtheit der Faktoren die Wahl eines Standortes beeinflusst.

In der Literatur wird zwischen harten und weichen Standortfaktoren unterschieden. Harte Standortfaktoren können quantifiziert und in die Unternehmensbilanz einbezogen werden. Beispiele hierfür sind die Infrastruktur, staatliche Subventionen und Steuern, so auch die Gewerbesteuer. Weiche Faktoren hingegen können in die Kostenrechnung eines Unternehmens nicht integriert werden, spielen jedoch bei der Entscheidung für einen Standort eine nicht zu unterschätzende Rolle. Hierzu zählen beispielsweise das Kultur- und Bildungsangebot, Freizeitmöglichkeiten sowie das Prestige eines Standortes. Die Gewichtung der Faktoren variiert dabei von Branche zu Branche.

Frankfurt fungiert erstens als internationale Verkehrsdrehscheibe: Der Flughafen, der Hauptbahnhof, der hervorragend ausgebaute öffentliche Nahverkehr und ein leistungsfähiges Straßennetz sowie die Einbindung ins europäische Fernstraßennetz bieten eine Infrastruktur, die Mobilitätsansprüche befriedigen kann. Auf dieser Basis können regionale, nationale und internationale Geschäftskontakte geknüpft und gepflegt werden. Gewährleistet wird Letzteres dank grenzenloser Kommunikationsmöglichkeiten, denn Frankfurt ist Schnittstelle im Bereich Telekommunikation und Internet.

Mit mehr als 50 Messen und Ausstellungen jährlich ist die Stadt drittens größter Messeplatz in Europa. Eine international herausragende Position ergibt sich für Frankfurt viertens als Finanzplatz. Neben der Europäischen Zentralbank haben sich über 300 Kreditinstitute und Wertpapierhandelsbanken in der Stadt niedergelassen. Fünftens ist Frankfurt mit einem Arbeitsplatzanteil von 80 Prozent Dienstleistungszentrum. Das Spektrum der Dienstleistungen ist vielfältig und reicht von Anwaltskanzleien und Unternehmensberatungen, Presse und Internetdienstleistern über Marktforschungsunternehmen, Versicherungen bis hin zu Werbeagenturen. Frankfurt gilt längst als „heimliche Werbehauptstadt“.

Neben Handel und Dienstleistung runden das Handwerk und eine Industrie mit den Schwerpunkten Chemie, Biotechnologie, Logistik und Transport, Maschinen- und Flugzeugbau das Bild ab. Sie bilden dabei nur einen Ausschnitt aus dem Branchenreichtum, der dazu beiträgt, dass Frankfurt auch als „Pendlerhauptstadt und Arbeitsplatz-Traum“ (1*) gilt. Denn pro Einwohner bietet Frankfurt die meisten Arbeitsplätze in Deutschland. Somit ist die Stadt einerseits für Arbeitssuchende attraktiv und andererseits bietet sie Unternehmen einen Arbeitsmarkt mit qualifizierten und motivierten Arbeitskräften. Dass Frankfurt auf Platz sieben zu den wichtigsten Wirtschaftsmetropolen zählt, liegt aber nicht nur an diesen harten Standortfaktoren.

Die Bedeutung weicher Standortfaktoren bei der Suche und Auswahl eines geeigneten Unternehmensstandorts wächst, sodass einige weiche Faktoren inzwischen das Gewicht harter Faktoren haben. Besonders für Frankfurt mit einem hohen Dienstleistungsanteil stellen die weichen Faktoren für die Dienstleistungsunternehmen einen zentralen Anreiz bei der Werbung um Fach- und Führungskräfte dar. Der Bildungsbereich sei hier als Erstes angeführt: Der Betreuungsbereich für Kinder jeder Altersstufe bietet eine Vielzahl von individuellen Lösungen und mit acht internationalen Schulen ist neben anderen Schulformen eine große Wahlfreiheit gegeben. Die universitäre Struktur Frankfurts bietet Raum für zukunftsweisende Forschung.

Im Bereich Biotechnologie ist beispielsweise durch das Frankfurter Innovationszentrum (FIZ) eine praxisbezogene Kooperation mit der Wirtschaft möglich, die bei universitär und betrieblich Forschenden auf große Resonanz stößt und eine weitere Entwicklungsperspektive der Wirtschaftsstruktur darstellt. Die kreative Kulturszene schafft eine Vielfalt an Angeboten und stellt ebenso einen gewichtigen Standortfaktor dar. Hervorgehoben sei die Oper, die bereits wiederholt zur Oper des Jahres gekürt wurde. Abgerundet wird das Bild durch Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten in den Bereichen Natur, Sport, Musik und Gastronomie. In diesem Umfeld ist Wohnen und Arbeiten für jeden Lebensstil und jede Lebensform miteinander kombinierbar. Dies ermöglicht ein hohes Maß an Lebensqualität.

Um die Attraktivität des Standorts Frankfurt in all diesen Bereichen, und um die kostenintensiven weichen Standortfaktoren dauerhaft und auf gleichem Niveau erhalten und ausbauen zu können, ist eine gute finanzielle Ausstattung der Stadt erforderlich. Nur so können einerseits angesiedelte Unternehmen in ihrer Entscheidung für Frankfurt bestätigt und andererseits die Ansiedlung neuer Unternehmen forciert werden. Grundlage hierfür bilden kommunale Einnahmen, worunter insbesondere die Grund- und Gewerbesteuer die Autonomie der Kommune bestimmen. Deren Höhe können die Gemeinden durch die Festlegung von Hebesätzen eigenständig beeinflussen. Dabei ist zu bedenken, dass diese Steuern – die Einnahmen der Kommunen – gleichzeitig harte Standortfaktoren darstellen, die für eine Standortentscheidung der Unternehmer häufig ausschlaggebend sind.

Es ist daher notwendig, bei der Entscheidung über die Höhe der Hebesätze die Steuern nicht nur als städtische Einnahmen zu begreifen, sondern auch als einen Kostenfaktor der Unternehmen. Dieser wirkt sich neben Immobilien- und Energiepreisen sowie Arbeits- und Transportkosten letztlich auf die Ertragslage eines Unternehmens aus. Vor diesem Hintergrund ist die Senkung des Hebesatzes mit dem 1. Januar dieses Jahres von 490 auf 460 Prozent als klares Signal zu werten, mit dem Frankfurt Zeichen setzt. Letzteres auch im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten: Frankfurt ist die einzige Großstadt, die den Gewerbesteuerhebesatz in 2007 signifikant gesenkt hat. Ein klares Signal also an die Wirtschaft, dass es sich lohnt, sich in Frankfurt niederzulassen und zu investieren.

    
Uwe Becker
Stadtkämmerer
Stadt Frankfurt am Main


(1*) IHK WirtschaftsForum, 09 / 07, S. 31.

IHK WirtschaftsForum
Dezember 2007