Die Bezeichnung „junges und dynamisches Unternehmen“ in einer Stellenausschreibung

Die Beklagte ist ein internationales Handelsunternehmen mit Schwerpunkt im internationalen elektronischen Wertpapierhandel. Ende 2014 veröffentlichte die Beklagte eine Stellenanzeige, auf die sich die Klägerin sodann bewarb. Die Klägerin ist Diplom-Informatikerin mit deutscher Staatsangehörigkeit und russischer Herkunft. Die Beklagte lud die Klägerin nicht zu einem Vorstellungsgespräch ein und sagte ihr per E-Mail ab. Die Klägerin machte daraufhin einen Entschädigungsanspruch nach dem AGG und dem Gemeinschaftsrecht geltend.

Die Klägerin vertritt die Ansicht, die Beklagte habe sie wegen ihres Alters, ihres Geschlechts und ihrer ethnischen Herkunft diskriminiert. Die Indizien ergäben sich bereits aus dem Stellenausschreiben. Durch die Angabe „jung und dynamisch“ sei sie in ihrem Alter diskriminiert. Dadurch, dass die Beklagte nur eine Vollzeitstelle ausschrieb, sei sie als Frau diskriminiert. Zudem sei die Klägerin wegen ihrer Herkunft diskriminiert durch die Verwendung "gute oder sehr gute Deutschkenntnisse" in der Stellenausschreibung. Die Beklagte habe so das AGG und das allgemeines Persönlichkeitsrecht der Klägerin verletzt.

Die Revision der Klägerin hatte keinen Erfolg. Die Klägerin hat keine Indizien gem. § 22 AGG vorgetragen. Eine solche Vermutung ergibt sich nicht aus dem Inhalt der Stellenausschreibung. Der Ausschreibungstext ist geschlechtsneutral, insbesondere der Klammerzusatz „w/m“ in der Überschrift macht deutlich, dass Männer und Frauen gleichermaßen angesprochen werden. Die Bezeichnung „junges und dynamisches Unternehmen“ stellt lediglich eine unternehmensbezogene Information dar. Zwar kann eine solche Bezeichnung, "jung und dynamisch" eine unmittelbare Diskriminierung iSv. § 3 I AGG darstellen, wenn sie sich auf das Mitarbeiter-Team bezieht. Eine solche Anzeige kann nur so verstanden werden, dass ein Arbeitnehmer gesucht wird, der in das "junge und dynamische Team" passt und somit an das Alter anknüpft. Bei der Beklagten wurden diese Begriffe jedoch mit dem Unternehmen in Zusammenhang gebracht, was grundsätzlich keine Erwartung an das Lebensalter der Bewerber darstellt. Anders kann es sich verhalten, wenn das Unternehmen schon lange besteht und augenscheinlich nicht als "jung" einzustufen wäre.

Auch der Hinweis auf ein dynamisches Team, stellte keine Benachteiligung dar, wenn damit auf die innere Dynamik Bezug genommen wird, wie der mögliche Wechsel von Aufgabenzuweisungen.

Als Teilzeitarbeitsplatz muss nur ausgeschrieben werden, wenn sich dieser dafür eignet, vgl. § 7 I TzBfG.

 

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