August 2020: Jahreszeitüblicher Anstieg der Arbeitslosigkeit

Im IHK-Bezirk Frankfurt am Main ist die Zahl der Arbeitslosen im August 2020 im Vergleich zum Vormonat mit einem Plus von rund 2,7 Prozent erneut gestiegen. Wenn man die vorangegangenen Anstiege betrachtet (Juli: +5,5, Juni; +4,0 Prozent, Mai: +12 Prozent, April: +19 Prozent), pendeln sich die Zuwachsraten auf einem deutlich niedrigeren Niveau als zu Beginn der Corona-Pandemie ein.

 

Zudem lässt sich der aktuelle Anstieg vor allem durch jahreszeitübliche Faktoren erklären. So melden sich viele Jugendliche nach Abschluss ihrer schulischen oder betrieblichen Ausbildung erst einmal arbeitslos, dauerhafte Einstellungen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse werden oft bis nach den Sommerferien aufgeschoben, Entlastungen durch arbeitsmarktpolitische Instrumente fallen ferienbedingt häufiger weg.

 

Aktuelle Arbeitsmarktzahlen aus dem IHK-Bezirk

Arbeitsmarkt im August 2020
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Folgen durch Corona-Krise weiterhin relevant

 

Die niedrigeren Zuwachsraten bei der Arbeitslosigkeit ändern jedoch nichts an der unverändert hohen Betroffenheit des regionalen Arbeitsmarktes durch die Corona-Pandemie. Das zeigt sich beim Blick auf den längerfristigen Vergleich mit dem Vorjahresmonat August 2019. Die Arbeitslosigkeit im IHK-Bezirk liegt etwas mehr als um die Hälfte (54,1 Prozent) über dem Vorjahreswert. Das entspricht einem Plus von rund 15.800 Arbeitslosen.

 

Die Metropolregion FrankfurtRheinMain ist aufgrund ihrer Branchenstruktur stärker als andere Regionen von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen. Das zeigt sich auch im Vergleich mit dem Landes- und Bundesdurchschnitt. In Hessen nahm die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresmonat August 2019 um 19,6 Prozent und im Bund um 27 Prozent zu.

 

Arbeitslosenquote im IHK-Bezirk leicht über Bundesdurchschnitt

 

Innerhalb des IHK-Bezirkes ist der Main-Taunus-Kreis derzeit etwas weniger vom Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen. Der Vergleich mit der Situation im Vorjahresmonat August 2019 zeigt einen Anstieg von rund 56 Prozent im Hochtaunuskreis, 55 Prozent in der Stadt Frankfurt am Main und 47 Prozent im Main-Taunus-Kreis.

 

Im Ergebnis steigt die Arbeitslosenquote im IHK-Bezirk von 6,6 Prozent auf nun 6,7 Prozent. Die Arbeitslosenquote liegt damit oberhalb des Landes- und des Bundesdurchschnitts (6,0 bzw. 6,4 Prozent).

 

Einflussfaktoren verschobene Insolvenzen und Kurzarbeit

 

Die zuletzt abermals verschobene Wiederaufnahme der Insolvenzantragspflicht verzögert die Erfassung der tatsächlichen Insolvenzzahlen und der damit verbundenen Arbeitsplatzverluste. Zudem hat das Instrument der Kurzarbeit viele Arbeitsplätze zunächst gesichert. Inwieweit sich diese Beschäftigten am Ende tatsächlich arbeitssuchend melden müssen oder doch vom Wiederanfahren der Wirtschaft profitieren können, gilt es in den nächsten Monaten zu beobachten.

 

Auch wenn die Neu-Anzeigen auf Kurzarbeit ihren Höhepunkt überschritten haben, geben die weiterhin in Kurzarbeit befindlichen Beschäftigten einen Eindruck über das theoretische Bedrohungspotenzial, welches weiter besteht. So wurden im Zeitraum März bis August 2020 von rund 15.500 Betrieben im IHK-Bezirk Kurzarbeit für rund 258.000 Beschäftigte angezeigt. Das ist fast die sechsfache Menge der derzeit tatsächlich Arbeitslosen im IHK-Bezirk (rund 45.000). Etwas weniger als ein Drittel (28 Prozent) der in Hessen von Kurzarbeit betroffenen Arbeitnehmer arbeitet demnach bei einem Betrieb im IHK-Bezirk Frankfurt am Main. Viel hängt jetzt von der Geschwindigkeit und der Nachhaltigkeit des gestarteten Aufholprozesses der Wirtschaft hin zum Vorkrisenniveau ab.

 

Fazit

Der neuerliche Anstieg der Arbeitslosigkeit im August 2020 ist im Wesentlichen auf jahreszeitübliche Faktoren zurückzuführen. Die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den regionalen Arbeitsmarkt sind im August 2020 aber weiterhin deutlich spürbar. Die Arbeitslosigkeit liegt aktuell etwas mehr als um die Hälfte (54,1 Prozent) über dem Vorjahreswert. Die Meldungen der Kurzarbeit nehmen weiter ab, jedoch bleibt das Bedrohungspotenzial hoch. Viel hängt von der Geschwindigkeit und der Nachhaltigkeit des gestarteten Aufholprozesses der Wirtschaft hin zum Vorkrisenniveau ab. Eine realistische Einschätzung der Situation am Arbeitsmarkt wird durch die abermalige Verschiebung der Wiederaufnahme der Insolvenzantragspflicht erschwert.

 

 

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