Arbeitslosigkeit im September 2020: Erster Rückgang seit dem Lockdown

Im IHK-Bezirk Frankfurt am Main ist die Zahl der Arbeitslosen im September 2020 im Vergleich zum Vormonat mit einem Minus von 2,2 Prozent erstmalig seit dem Berichtsmonat April 2020 gesunken. Insbesondere in den Monaten unmittelbar nach dem Lockdown im März 2020 konnte man deutliche Zuwächse gegenüber dem Vormonat beobachten (Mai: +12 Prozent, April: +19 Prozent). Zuletzt pendelten sich die Zuwachsraten jedoch auf einem deutlich niedrigeren Niveau ein (August:+2,7; Juli: +5,5; Juni: +4,0 Prozent), um jetzt in einen ersten Rückgang seit Beginn der Corona-Pandemie umzuschlagen.

 

IHK-Bewertung

 

Die niedrigeren Zuwachsraten bei der Arbeitslosigkeit ändern jedoch nichts an der unverändert hohen Betroffenheit des regionalen Arbeitsmarktes durch die Corona-Pandemie. Das zeigt sich beim Blick auf den längerfristigen Vergleich mit dem Vorjahresmonat September 2019. Die Arbeitslosigkeit im IHK-Bezirk liegt etwas mehr als um die Hälfte (56,1 Prozent) über dem Vorjahreswert. Das entspricht einem Plus von rund 15.850 Arbeitslosen.

 

Aktuelle Arbeitsmarktzahlen aus dem IHK-Bezirk

Arbeitsmarkt im September 2020
 

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Die Metropolregion FrankfurtRheinMain ist aufgrund ihrer Branchenstruktur stärker als andere Regionen von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit hat die Auswirkungen deutschlandweit untersucht. Die besonders von der Corona-Pandemie betroffenen Branchen sind – vor allem in Frankfurt – vergleichsweise stark vertreten. Diese Bereiche sind die Luftfahrt, Beherbergung, Gastronomie, Reisedienstleistungen, Kultureinrichtungen sowie Freizeit-, Unterhaltungs- und Sportbetriebe. Außerdem sind Teile des Handels und der Logistik unter den Leidtragenden.

 

Die Betroffenheit der Region zeigt sich auch beim Vergleich mit dem Landes- und Bundesdurchschnitt anhand der reinen Zahlen: In Hessen nahm die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresmonat September 2019 um geringere 36,8 Prozent und im Bund „nur“ um 27,4 Prozent zu. Innerhalb des IHK-Bezirkes ist der Main-Taunus-Kreis derzeit etwas weniger vom Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen. Der Vergleich mit der Situation im Vorjahresmonat September 2019 zeigt dort eine um die Hälfte höhere Arbeitslosigkeit, während der Anstieg im Hochtaunuskreis und in der Stadt Frankfurt am Main mit einem Plus von 54 bzw. 58 Prozent höher ausfällt.

 

Die Arbeitslosenquote im IHK-Bezirk sinkt leicht von 6,7 Prozent auf nun 6,6 Prozent. Die Arbeitslosenquote liegt mittlerweile merklich über dem Landesdurchschnitt in Hessen (5,8 Prozent) und auch oberhalb des Bundesdurchschnitts (6,2 Prozent). Ein Ausblick auf die Entwicklung in den kommenden Monaten fällt schwer. Zum einen hängt viel vom aktuellen Infektionsgeschehen und erneuten Einschränkungen im täglichen Wirtschaftsleben ab. Zum anderen verschieben die Verlängerung der Kurzarbeit und die verschobene Wiederaufnahme der Insolvenzantragspflicht eine genauere Erfassung der tatsächlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den regionalen Arbeitsmarkt.

 

Die Neu-Anzeigen auf Kurzarbeit haben ihren Höhepunkt im April 2020 überschritten und sinken seitdem stetig und deutlich. Die mittlerweile vorliegenden Zahlen über die tatsächlich in Anspruch genommene Kurzarbeit geben einen Einblick in das Ausmaß der Betroffenheit von Betrieben und Arbeitnehmern. Im Juli 2020 waren demnach 13 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland in konjunktureller Kurzarbeit. Während der Finanzkrise 2008/2009 wurde mit einem Anteil von 5 Prozent im Mai 2009 der Höhepunkt der Inanspruchnahme des Kurzarbeitergeldes erreicht.

 

Fazit

Mit den Zahlen zum Berichtsmonat September 2020 lässt sich erstmals seit dem Lockdown im März 2020 wieder ein Rückgang der Arbeitslosigkeit beobachten. Sie befindet sich aber unverändert auf einem hohen Niveau. Die Metropolregion FrankfurtRheinMain – und damit auch der IHK-Bezirk Frankfurt am Main – sind aufgrund der Branchenstruktur besonders von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen. Ob der Rückgang der Arbeitslosigkeit ein nachhaltiger sein wird, ist derzeit schwierig einzuschätzen. Auf der einen Seite zeigen die Zahlen der tatsächlich in Anspruch genommenen Kurzarbeit und der Vergleich mit der Situation in den Jahren der Finanzkrise 2008/2009 die außergewöhnliche Situation, in der sich der deutsche Arbeitsmarkt derzeit befindet. Auf der anderen Seite verschiebt die Ausweitung eben dieses Instruments und die Verschiebung der Insolvenzantragspflicht das dicke Ende immer weiter nach hinten. Mit weiteren Entlassungswellen in der Region ist daher zu rechnen.

 

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