Frankfurt Global Business Week
Dialog und Denkanstöße

Vom 17. bis 21. Mai fand die erste Frankfurt Global Business Week statt. Die Teilnehmer diskutierten in 20 Fachkonferenzen Themen, die die Zukunftsfähigkeit der Metropolregion FrankfurtRheinMain entscheidend prägen.

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Es diskutierten (v.l.): Thorsten Schäfer-Gümbel, Vorsitzender der SPD-Hessen und der SPD-Fraktion im hessischen Landtag, Roland Koch, hessischer Ministerpräsident, Dr. Mathias Müller, IHK-Präsident, Tarek Al-Wazir, Landesvorsitzender, Bündnis 90 / Die Grünen und Vorsitzender der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im hessischen Landtag, Florian Rentsch, Vorsitzender der FDP-Fraktion im hessischen Landtag, und Dr. Thomas Mayer, Chefvolkswirt, Deutsche Bank. Veranstalter der Global Business Week waren IHK Frankfurt, Wirtschaftsförderung Frankfurt, Stadt Frankfurt, Messe Frankfurt und die Maleki-Group. 
 

Die Frankfurt Global Business Week hat die Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung zusammengebracht und den Austausch über zentrale Fragen der Weiterentwicklung von FrankfurtRheinMain befördert. Diese positive Bilanz zieht Dr. Mathias Müller, IHK-Präsident, nach der ersten Frankfurt Global Business Week. Die IHK Frankfurt brachte sich mit dem Gipfel der Region in die Veranstaltung ein. Im Fokus standen dabei jene Kompetenzfelder, die FrankfurtRheinMain wirtschaftlich attraktiv und für die Menschen lebenswert machen.

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Die IHK Frankfurt war mit einem Infostand auf der Global Business Week präsent.
 

Zum Auftakt der Global Business Week betonte Müller die Notwendigkeit einer stärkeren Zusammenarbeit in der Region und forderte die Verantwortlichen zu mehr Miteinander auf. Dazu stellte er das von IHK, Handwerkskammer Rhein-Main und Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände gemeinsam erarbeitete Modell vor, das die Zusammenarbeit in der Metropolregion verbindlich erhöhen, Kräfte bündeln, Effizienz steigern und gesellschaftlich relevante Gruppen einbinden soll. Für die künftige Zusammenarbeit in der Region schwebt uns ein Organisationsmodell vor, das an Holdingmodelle in der Wirtschaft angelehnt ist, erläuterte der IHK-Präsident.
Im Zentrum dieser Struktur steht ein öffentlich-rechtlicher Verband, der die Gebietskörperschaften in der Metropolregion bündelt. Bisher würde das Gesamtinteresse der Metropolregion nicht mit einer Stimme nach außen vertreten. Zudem gebe es eine verwirrend hohe Anzahl von Organisationen. Das Ergebnis seien Doppelarbeit, Synergie- und Effizienzverluste sowie Geldverschwendung. Es mangelt an Verbindlichkeit, Organisationsstruktur und Straffheit in der operativen Durchführung, urteilte Müller. Künftig sei es entscheidend, dass sich in einem Umfeld zunehmender Konzentration in Ballungszentren nicht mehr einzelne Städte positionieren, sondern ganze Regionen der Kristallisationspunkt sein müssten.
 
Für die Zukunft gerüstet
Hessens Ministerpräsident Roland Koch hob in seiner Ansprache hervor, dass die Region Frankfurt-RheinMain blendend aufgestellt und für die Zukunft gerüstet sei: Dieser Region geht es so gut, dass sie sich mehr mit Strukturdebatten als mit Krisenbewältigung beschäftigen kann. Koch sprach sich dafür aus, dass auch künftig Entscheidungen, die die Region betreffen, dezentral getroffen werden müssten. Der Wettbewerb der Kommunen ist die Antriebsfeder dieser Region. FrankfurtRheinMain profitiert von seiner Vielfalt, so Koch. Diese polyzentrische Struktur müsse erhalten bleiben. Wer der Region eine zentralisierte Organisationsform überstülpen möchte, untergrabe das Prinzip des Wettbewerbs: Das schafft mehr Probleme, als es lösen würde. Koch nahm damit Stellung zur von der Wirtschaft geforderten größeren Verbindlichkeit bei der Zusammenarbeit in FrankfurtRheinMain.
 
Prinzip der Freiwilligkeit
Auch Michael Boddenberg, hessischer Minister für Bundesangelegenheiten, betonte, dass die Landesregierung bei der Novellierung des Ballungsraumgesetzes Frankfurt-RheinMain weiterhin auf das Prinzip der Freiwilligkeit setze: Freiwilligkeit, also die Kraft des besseren Arguments, ist das entscheidende Element in der künftigen Kooperation in FrankfurtRheinMain. In diesem Kontext hob er die Vorteile der polyzentrischen Struktur der Region hervor. Auch die unterschiedlichen Gewerbesteuerhebesätze seien wichtig für den Wettbewerb innerhalb der Region. Diesen Gedanken müsse auch das Ballungsraumgesetz in sich tragen. Er warnte jedoch vor dem Irrglauben, dass eine neue Legislative die Schwachstellen in der Region eliminieren kann. Vielmehr müsse Verantwortung dort bleiben, wo sie stattfinde: Ich will nicht, dass Entscheidungen über Schulen im Odenwald in der Wetterau getroffen werden. Boddenberg kündigte an, weiterhin im intensiven Dialog mit der Wirtschaft zu bleiben und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, wie die Schwachpunkte der bisherigen Zusammenarbeit in FrankfurtRheinMain beseitigt werden können.

Aus Sicht von Tarek Al-Wazir, Landesvorsitzender von Bündnis 90 / Die Grünen in Hessen, hat das Ballungsraumgesetz in der Vergangenheit nicht dazu beigetragen, die Probleme der Region zu lösen. Wir brauchen eine andere Verfasstheit der Region, die Kannibalisierung der Kommunen untereinander muss aufhören.
 
Florian Rentsch, Vorsitzender der FDP-Fraktion in Hessen, dankte der IHK Frankfurt, sich mit dem Thesenpapier Entwicklung der Metropolregion FrankfurtRheinMain  Vorschläge der Wirtschaft, in die Diskussion um die künftige regionale Gestaltung eingebracht zu haben. Wir können stolz auf das sein, was in den Kommunen in den vergangenen Jahren erreicht wurde. Nun kommt es darauf an, die richtigen Weichenstellungen für die nächsten Jahre zu treffen, sagte Rentsch.

Thorsten Schäfer-Gümbel, Vorsitzender der SPD Hessen, betonte, auch Nord- und Mittelhessen hätten ein großes Interesse an einem leistungsstarken Ballungsraum FrankfurtRheinMain. Er forderte mehr Möglichkeiten der Partizipation der Bürger und mehr Ausgleich für die Belastungen der Region. Es sei bedauerlich, dass mit der Internationalen Bauausstellung die Chance auf ein identitätsstiftendes Großereignis vertan wurde.
 
Thema war auch Nachhaltigkeit
Neben der Weiterentwicklung von FrankfurtRheinMain wurde in den 24 Fachkonferenzen der Global Business Week unter anderem auch die Bedeutung einer nachhaltiger Stadtentwicklung und Energiewirtschaft, Logistik und Mobilität für Cluster-Standorte erörtert. Den Standortfaktoren Bildung, Integration und Kultur galt ein besonderes Augenmerk. Frankfurt ist der ideale Standort für die erste Global Business Week, die eine beeindruckende Bandbreite wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Handlungsfelder abdeckt, sagte Markus Frank, Dezernent für Wirtschaft, Personal und Sport der Stadt Frankfurt. Das Konzept erlaube eine bemerkenswerte Themenvielfalt und ermögliche dadurch einen branchenübergreifenden Diskurs. Dieser werde nicht nur nachhaltige Synergieeffekte, sondern vor allem neue Denkanstöße für künftiges wirtschaftliches Handeln hervorbringen. Er forderte die Akteure der Region auf immer alles zu tun, damit wir in der Region gemeinsam vorankommen.    


Autor

Alexander Schaub
IHK Frankfurt am Main
Unternehmenskommunikation


Termin

Die nächste Frankfurt Global Business Week findet vom 16. bis 20. Mai 2011 statt. 


Fotos: Jochen Müller

IHK WirtschaftsForum
Juni 2010