Handlungsempfehlungen

 
Zehn Handlungsempfehlungen für FrankfurtRheinMain

Die nachstehenden Handlungsansätze wurden während der Zukunftsklausur von den Teilnehmern erarbeitet und sind im Kontext der erarbeiteten Szenarien zu verstehen. Grundlage hierfür war die im vorangegangenen Kapitel vorgestellte Vision. Die hier genannten Handlungsansätze sollen Ansatzpunkte geben, wie diese Vision erreichbar sein kann.


1. Erarbeitung eines strategischen Raumbildes für FrankfurtRheinMain
Auf der Grundlage der in der Zukunftsklausur erstellten Vision für FrankfurtRheinMain sollte ein regionales Raumbild erarbeitet werden, das neben die förmlichen Festlegungen des regionalen Flächennutzungsplans eine bildhafte, auch mit Laien gut kommunizierbare Darstellung der räumlichen Charakteristika und Potenziale setzt und dabei zunächst von kommunalen Begrenzungen absieht. Das regionale Raumbild sollte dabei auf Topographie, Infrastruktur, Siedlungskörper und alle anderen natürlichen und anthropogenen Elemente der Landschaft Bezug nehmen, die jeweiligen räumlichen Charakteristika herausarbeiten und sie als Ansatzpunkte für die künftige Entwicklung betrachten. Allen Gemeinden soll dabei die Möglichkeit eröffnet werden, sich in einem großen Ganzen wieder zu finden und darin die Chance zur individuellen Profilierung zu nutzen. Besondere Bedeutung kommt dabei der Herstellung von „Bildern“ zu, um eine sinnliche Wahrnehmbarkeit der Region zu fördern.


2. Organisation einer Internationalen Bauausstellung (IBA) für FrankfurtRheinMain
Die Gesamtregion FrankfurtRheinMain würde von einem identitätsstiftenden Großevent profitieren. Die Teilnehmer der Zukunftsklausur sehen in der Organisation einer Internationalen Bauausstellung in der Region FrankfurtRheinMain eine Chance neue Experimentierfelder zu schaffen und die Region zu profilieren. Voraussetzung für den Erfolg einer solchen Initiative ist eine breite Akzeptanz in der Region. Ein Leitmotiv der IBA FrankfurtRheinMain könnten "innovative Wohnkonzepte" sein.


3. Schaffung von Experimentierfeldern im Wohnungsbau
Innovative Wohnkonzepte können zu einem Markenzeichen für die Region werden. FrankfurtRheinMain sollte langfristig als Standort für Menschen in „kreativen Berufen“ attraktiv sein. Hierfür bedarf es eines entsprechenden Wohnungsangebotes. Die Realisierung von innovativen und attraktiven Wohnformen stellen einen harten Standortfaktor dar, der der Region einen Vorteil im Wettbewerb um Fach- und Führungskräfte bringen kann. Vor diesem Hintergrund könnte die Initiierung von Experimentierfeldern im Sinne von „Innovativen Wohnkonzepten“ wesentliche Impulse in der Region setzen. Dies ließe sich auch gut in eine IBA FrankfurtRheinMain integrieren.


4. Entwicklung eines Konzeptes „intelligenter Schlichtwohnungsbau“
Auch wenn in der Region FrankfurtRheinMain das Haushaltseinkommen im Durchschnitt höher ist als im Bundesgebiet, wird es in Zukunft einen erheblichen Wohnraumbedarf von Personen mit geringen Einkommen geben. Nicht nur im suburbanen Raum, sondern auch in den Zentren der Kernstädte muss ein entsprechendes Angebot an preiswertem Wohnraum entwickelt werden. Dies erhält in Hinblick auf die Tatsache, dass zahlreiche Sozialwohnungen aus der Bindungspflicht herausfallen eine besondere Bedeutung. Vor diesem Hintergrund ist die Entwicklung eines Konzeptes „intelligenter Schlichtwohnungsbau“ sinnvoll, das neben dem kostengünstigen Neubau vor allem auch die Sanierung von Siedlungen der 50er, 60er und 70er Jahre vorsieht.


5. Konzentration auf die Innenentwicklung der Städte und die Erkundung innerstädtischer Potenziale
Gegenwärtig ist bereits eine Tendenz zur Rückkehr der Bevölkerung vom suburbanen in den urbanen Raum zu erkennen. Diese Tendenz wird sich in den nächsten Jahrzehnten verstärken. Daher ist es wichtig, sich auf die Innenentwicklung der Städte zu konzentrieren und innerstädtische Entwicklungspotenziale zu erkunden und auszuschöpfen. Dabei berücksichtigen die Gemeinden und Landkreise in ihren Entwicklungsstrategien das erarbeitete strategische Raumbild. Bezogen auf den Wohnungsbau fokussieren sie sich – gemeinsam mit der Wohnungswirtschaft – auf attraktive Zentren und die Anpassungsfähigkeit des Wohnraumes an unterschiedliche Nutzergruppen.


6. Schaffung von Wohnbebauung angrenzend an Einkaufszentren in nicht-integrierter Lage („Grüne Wiese“)
Die Innenentwicklung der Städte umfasst unter anderem auch die Stärkung des innerstädtischen Einzelhandels. Die bestehenden Einkaufszentren an nicht integrierten Standorten könnten zukünftig durch die Schaffung von Wohnbebauung im Umfeld städtebaulich integriert werden. So können bestehende monostrukturierte Einzelhandelskerne nachträglich in ein urbanes Umfeld transformiert werden.


7. Präventive Identifikation von potenziellen Segregationsgebieten und Entwicklung begleitender Maßnahmen (Verhinderung von Ghettobildung)
Die Segregation stellt eine der wesentlichen Bedrohungen in Metropolregionen dar. Zunehmende Spannungen zwischen ärmeren und reicheren Bevölkerungsschichten oder Gruppen unterschiedlicher Nationalität können auch in FrankfurtRheinMain zu einem zunehmenden Problem werden. Daher ist es in Bezug auf die Stadtentwicklung wichtig, das Entstehen sozialer oder nationaler Ghettos zu vermeiden und das bürgerschaftliche Miteinander zu fördern. Einer verbesserten Integration von Migranten kommt dabei eine herausragende Rolle zu.


8. Projekt „WiR - Wohnen in der Region“
Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels ist die Verbesserung der Identifikation der Bewohner mit ihren Wohnquartieren ein zentrales Aktionsfeld. Dabei kommt es wesentlich auf eine Verbesserung der Kommunikation in den Quartieren und eine Belebung bzw. Aufwertung des Wohnumfeldes an. Angesichts der auch weiter zunehmenden Fluktuation in der Belegung werden diese Maßnahmen aber nur dann wirklich erfolgreich sein können, wenn sie einen starken Standortbezug aufweisen. Hier setzt das Projekt „Wohnen in der Region“ (WiR) des Verbandes der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft e.V. an. Diesen Ansatz gilt es zu unterstützen.


9. Förderung nachbarschaftlicher Eigenorganisationen
Es ist davon auszugehen, dass sich die Öffentliche Hand künftig weiter aus dem flächenhaften Angebot an sozialen, kulturellen und sonstigen infrastrukturellen Angeboten aufgrund zurückgehender finanzieller Spielräume zurückziehen wird. Ebenso ist damit zu rechnen, dass in zentrenfernen Gebieten die Versorgungsinfrastruktur insgesamt an Qualität verlieren wird (bspw. Angebot im Einzelhandel). Um diese Entwicklungen für die Bevölkerung abzumildern, sollten Modelle der nachbarschaftlichen Eigenorganisation, die ganz oder teilweise gemeinschaftliche, soziale oder ökologische Ziele verfolgen, in Modellprojekten durchgeführt und begleitet sowie durch die Öffentliche Hand finanziell unterstützt werden.


10. Housing Improvement Districts HID als neues Instrument
Um den Verfall einzelner Stadtteile oder Kommunen zu verhindern, sollten neue Instrumente erprobt werden. Analog zu den seit wenigen Jahren in Deutschland diskutierten „BID - Business Improvement Districts“ (BID) sollte ein Modell „Housing Improvement District“ entwickelt, erprobt und wissenschaftlich begleitet werden. Dabei kommen solche in Zusammenarbeit mit Immobilieneigentümern durchgeführten Modelle nicht nur der Verbesserung der Struktur von Stadtteilen zugute, sondern sie sichern auch den Wert der Immobilien an sich und stabilisieren damit das gesamte Umfeld.
 

Ansprechpartner

Anfragen aus dem IHK-Bezirk beantwortet:
Sebastian Trippen Wirtschaftspolitik und Metropolenentwicklung Geschäftsführer
Telefon: 069 2197-1482Fax: 069 2197-1304

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