Bad Homburg als Gesundheitsstandort

Um Bad Homburg als Kompetenzzentrum der Gesundheitswirtschaft zu etablieren, luden die Wirtschaftsförderung der Stadt Bad Homburg und die IHK Frankfurt Unternehmer und Politiker zu einem ersten Kontaktgespräch ins Gotische Haus. Hier wurde die Idee vorgestellt, ein „Unternehmens- und Gesundheits-Netzwerk“ aufzubauen, denn vernetzte Firmenstrukturen erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit.

Der Wirtschaftsstandort und Kurort Bad Homburg zeichnet sich traditionell durch eine besonders große Bedeutung der Gesundheitswirtschaft aus. Hier haben sich nicht nur angesehene Kliniken und Pflegeeinrichtungen angesiedelt, sondern auch internationale Marktführer der Pharmaindustrie sowie kleine und mittelständische Unternehmen. Eine auf Grundlage der „Clustertheorie“ durchgeführte Basisstudie identifizierte die „Gesundheitswirtschaft“ als ein Feld, auf dem die Kurstadt besondere Kompetenzen vorzuweisen hat.

Die rund 70 ansässigen Unternehmen der Gesundheitswirtschaft erzielen mit weltweit etwa 80 000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund elf Milliarden Euro. Unter den Firmen sind Großkonzerne wie beispielsweise Altana, Fresenius und Lilly Pharma, aber auch viele kleinere und mittelständische Unternehmen aus der Chemie- und Pharmabranche sowie der Medizintechnik. Nicht zu vergessen die Forschungs- und Prüfinstitute sowie auf gesundheitsrelevanten Teilmärkten agierende Fachverlage, Beraterfirmen, Finanzdienstleister und IT-Betriebe sowie natürlich alle Kur- und Krankenhäuser, Pflegeheime und Reha-Kliniken. Bezogen auf das hier versammelte Stammkapital von insgesamt 3,57 Milliarden Euro, liegt Bad Homburg in Deutschland auf Rang sieben – hinter Leverkusen, Ludwigshafen, München, Hamburg, Berlin und Frankfurt, aber vor Stuttgart, Köln oder Karlsruhe.

Die alte Kurtradition in neuem, zeitgemäßem Licht erscheinen zu lassen bedeutet, Bad Homburg als führendes Kompetenzzentrum in der europäischen Gesundheitswirtschaft zu positionieren. Gemeinsam mit den Unternehmen gilt es, nicht nur die traditionellen Stärken des Standortes auszubauen und aus der räumlichen Konzentration der Branche einen Vorteil zu ziehen. Vielmehr soll durch die Vernetzung der Firmen dieses Gesundheits-Clusters die Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Beteiligten und des gesamten Standorts erhöht werden.

Die von der Wirtschaftsförderung entwickelte und angestoßene Standortinitiative sieht vor, die persönliche Kommunikation innerhalb des Clusters durch regelmäßige Unternehmertreffen, den Aufbau eines regionalen Mittelstands-Netzwerks Gesundheitswirtschaft, eines Jungunternehmer-Netzwerks und eines Dialog-Forums „Wissenschaft-Wirtschaft“ zu fördern. Durch eine Unternehmensdatenbank, durch Branchenkennziffern und Zukunftsprognosen kann die Wirtschaftsförderung Bad Homburg Informationen für Unternehmen der Gesundheitswirtschaft sowie für externe Nutzer bereitstellen.

Damit sich die in Bad Homburg angesiedelten Firmen besser mit dem Standort identifizieren und der Standort ein unverwechselbares Profil erhält, sind Marketing- und PR-Maßnahmen zu erarbeiten. Dazu zählen Ansiedlungswerbung und Fachkräftemarketing auf einschlägigen Messen, Kongressen und Veranstaltungen (beispielsweise ExpoReal in München) sowie die Entwicklung eines Logos „Gesundheitswirtschaft Bad Homburg“, das bei allen Aktivitäten die Wiedererkennbarkeit sichert.

Schließlich kann die Sichtbarkeit Bad Homburgs hinsichtlich des Kompetenz-Schwerpunktes durch regelmäßige Veröffentlichungen zukunftsweisender Konzepte zur Gesundheitspolitik und -ökonomie erhöht werden. Neben diesen „Bad Homburger Papieren zur Gesundheitspolitik“ können ein Internet-Gesundheits-Portal sowie ein thematischer Gewerbepark erstellt werden; spezielle Gewerbeflächen für vorhandene und ansiedlungswillige Gesundheits-Firmen sind zu entwickeln.

Nicht zuletzt sind - in Kooperation mit den Hochschulen - Initiativen und Mitwirkung bei innovativen Ausbildungseinrichtungen im Gesundheitsbereich gefragt. Die Maßnahmen der Wirtschaftsförderung Bad Homburg, die von der IHK Frankfurt unterstützt werden, sind somit Bestandteil einer mittel- bis langfristig angelegten Strategie zur weiteren Verbesserung der Standortbedingungen für die Unternehmen in Bad Homburg.

Udo Schweickhardt
IHK Frankfurt am Main



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IHK WirtschaftsForum
Dezember 2002