Oberursel macht sich stark
Ein Gespräch mit Bürgermeister Hans-Georg Brum über das neue Marketingkonzept

„Leben. Qualität. Zukunft.“ Mit dieser Marke und einem neuen Projekt im Bereich Standortmarketing will sich Oberursel fit für die Zukunft machen. Die Stadt bereitet sich zudem auf den Hessentag 2011 vor. Über eine Million Menschen werden dann die Stadt besuchen und sollen einen guten Eindruck mit nach Hause nehmen.

Herr Brum, die programmatische Kernaussage „Oberursel: Leben. Qualität. Zukunft.“ ist das Ergebnis eines relativ langen Prozesses. Können Sie diesen beschreiben?
STANDORT-INTERVIEW-BRUM
Brum: Im Herbst 2007 hatte der Magistrat der Stadt Oberursel beschlossen, ein Marketingkonzept in Auftrag zu geben, um die Stadt besser zu positionieren sowie die Bekanntheit und das Image der Stadt zu verbessern. In einem Auswahlverfahren suchte die Stadt bundesweit nach einem geeigneten Beratungsinstitut, das den Marketingprozess einleiten und begleiten sollte. Die Entscheidung fiel auf die „Gruppe Drei“ aus Villingen-Schwenningen, da das Unternehmen viel Erfahrung im Bereich des Standortmarketings hat. Anfang 2008 wurde das Projekt „Stark“ (Stadtmarketing-Arbeitskreis) ins Leben gerufen und mit 20 Delegierten aus den Bereichen Industrie, Kultur, Vereine, Einzelhandel, Hotel- und Gaststättenbetriebe sowie Politik besetzt. Auch die IHK Frankfurt arbeitet mit. Dieser Kreis trifft sich alle zwei Monate und könnte die Vorhut für eine neue Organisationsform sein.

Wie ging es nach der Startphase weiter?

Nach einer Analyse zu Stand und Zukunft der Stadt begann Anfang 2008 die Erarbeitung eines Stadtleitbildes. Aus diesem ersten großen Projekt folgten dann die Herleitungen der Marke Oberursel, ein Logowettbewerb in der Stadt und eine Vielzahl von Verbesserungsmaßnahmen in der Stadt selbst, aber auch in deren Außenwirkung. Derzeit erarbeitet „Stark“ einen Marketingplan und die neue Corporate-Design-Linie für Oberursel.
 
            STANDORT-INTERVIEW-OBERURSEL-AUFMACHER
 
“Blick in die Fußgängerzone von Oberursel. Die Stadt bereitet sich auf den Hessentag 2011 vor. Über eine Million Besucher werden erwartet, wie auch beim Hessentag in Butzbach. Die Bürger in Oberursel konnten abstimmen, welches Logo ihnen am besten
gefällt. Sie haben sich für dieses Signet entschieden, da es unter anderem für Weltoffenheit, Leistungswillen und Modernität steht.

Oberursel will sich nach einem Leitbild richten. Welches sind die Ziele?

Ziel ist eine „attraktive und liebenswerte Stadt am Fuße des Taunus, in der sich für Jung und Alt gut leben lässt“. Um dies zu realisieren, bedarf es jedoch eines Leitbildes. In unserem Qualitätshandbuch sind sieben Leitlinien und Leitgedanken formuliert, die eine Vision für die Zukunft der Stadt beschreiben: Ziel ist es, die Entwicklung so zu gestalten, dass die Wohn- und Lebensqualität in der jetzigen Form erhalten bleibt und in einigen Bereichen weiter verbessert wird. Oberursel definiert sich als Stadt für die Menschen und gleichzeitig als Stadt mit einer starken wirtschaftlichen Basis. Um beides weiterzuentwickeln, müssen wir jetzt die richtigen Weichen stellen. Wichtig sind uns nicht so sehr die kurzfristigen Effekte, sondern die nachhaltige Entwicklung, getragen von einer starken Identifikation der Bewohner und Gewerbetreibenden mit ihrer Stadt und einem starken bürgerschaftlichen Engagement.

Das neue Logo für Oberursel ist ein sichtbares Zeichen dieses Marketingkonzeptes. Warum fiel die Entscheidung gerade auf dieses Signet?

Mit einem Logowettbewerb suchte die Verwaltung im März 2008 nach einem neuen Erkennungszeichen und rief dabei die ortsansässigen Agenturen und am Thema Interessierten zur Mitarbeit auf. 44 kreative Köpfe beteiligten sich und reichten rund 120 Entwürfe ein. Fünf von einer Jury ausgewählte Entwürfe wurden beim „Tag der offenen Tür“ im Rathaus der Öffentlichkeit präsentiert. Zwei Wochen lang konnten die Bürger abstimmen. Mit großer Mehrheit entschieden sie gegen abstrakte Vorschläge. Stattdessen gewann mit 62 Prozent der Entwurf der Oberurseler Agentur „i-Punkt-Ideenwerkstatt“, die mit Taunushang und Kirchturm eher auf Wiedererkennbarkeit setzte. Das neue Oberurseler Logo ist modern gestaltet und symbolisiert nicht nur die Verbundenheit der Bürger mit ihrer Stadt und deren Geschichte, sondern gleichzeitig auch Weltoffenheit, Leistungswillen und Modernität.

Dies alles sind Maßnahmen, die von der Stadt, also dem Magistrat, dem Stadtparlament und der Verwaltung in Angriff genommen und umgesetzt werden. Werden die Gewerbetreibenden in diesen Prozess miteinbezogen?

Ohne die Beteiligung der Gewerbetreibenden geht nichts. Wir legen großen Wert auf die Herleitung ganz praktischer Verbesserungen aus der Marke: „Leben. Qualität. Zukunft.“ Das ist ein Markenversprechen, das die Bürger in Oberursel bestätigt finden sollen. Deshalb finden City- und Einzelhandels-Checks sowie begleitende Informationsveranstaltungen für unterschiedlichste Gruppen statt. So wurden Verbesserungen für den Einzelhandel erarbeitet, der Orts-eingang und die Stadtmöblierung unter die Lupe genommen sowie das Fußgängerorientierungs- und Wegeleitsystem untersucht. Handel, Gewerbe und Gastronomie machen mit einem besonderen Ortsplan auf sich aufmerksam. Dieser Plan zeigt, was an welcher Stelle geboten wird. Stadtmarketing soll integriert sein. Es darf nicht mehr jeder allein für sich arbeiten. Die Stadt will sich gemeinsam mit der Wirtschaft Oberursel vermarkten.

Ganz konkret: Wie bringt sich die Stadtverwaltung in diesen Prozess ein?

Wir haben eine Vielzahl städtebaulicher Veränderungen angestoßen, etwa das Bahnhofsprojekt, den Neubau des Gymnasiums, das Kongresszentrum Villa Gans oder den Neubau eines Hallen- und Freibades. Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen wie die Modernisierung der U-Bahnhöfe oder der Umbau der Hohemarkstraße und Investitionen in die Innenstadt kommen hinzu. Es entwickelt sich derzeit eine Aufbruchstimmung in Oberursel wie selten zuvor. Viele Bereiche sind im positiven Sinne betroffen. Das Rathaus als Dienstleistungsunternehmen stellt sich den Herausforderungen an ein zeitgemäßes, einwohnerfreundliches Dienstleistungszentrum. Nicht umsonst haben wir Kommunikationsleitlinien entwickelt, in denen die Eckpunkte unserer Philosophie und die Kultur des bürgernahen Services jedem Bediensteten verständlich gemacht werden.

Welches sind die nächsten Ziele oder Projekte?

Wir arbeiten derzeit an verschiedenen Projekten. Unter anderem wird der Internetauftritt der Stadt modernisiert und benutzerfreundlicher. Alle Maßnahmen orientieren sich an unserem Markenversprechen „Leben. Qualität. Zukunft.“. Gerade „Zukunft“ ist uns mit Blick auf die Familien und Kinder ein ganz besonderes Anliegen. Oberursel gilt beispielsweise als einer der quantitativ wie qualitativ hochwertigsten Bildungsstandorte in der Region. Daher werden wir das Thema Bildung und Erziehung in Zukunft noch stärker herausstellen. Als attraktiver Wirtschafts- und Einkaufsstandort werden wir verstärkt in Marketing und Kommunikation investieren und auf Grundlage eines Marketingplans unsere Außenwirkung systematisch verbessern. Und schließlich muss noch die Organisationsform für unser Stadtmarketing gefunden werden. Dazu werden wir uns etwas Zeit lassen und die eigenen Erfahrungen – mit den dargestellten Projekten – und die Erfahrungen anderer Städte dazu auswerten.

    
Das Gespräch führte
Udo Schweickhardt
IHK Frankfurt am Main
Geschäftsstelle


Hans-Georg Brum, Bürgermeister, Oberursel: „Leben. Qualität. Zukunft. Das ist ein Markenversprechen, das die Bürger in Oberursel bestätigt finden sollen. Deshalb finden City- und Einzelhandels-Checks sowie begleitende Infoveranstaltungen für unterschiedlichste Gruppen statt.
 
Foto: Jochen Müller

IHK WirtschaftsForum
Januar 2009