1200 Jahre Usingen - <br>Wohn- und Gewerbestandort mit Tradition

Usingen entstand wohl als befestigter Rastort für Händler und Reisende, die dort auf der Tagesetappe zwischen Frankfurt und Wetzlar pausierten. In mittelalterlichen Urkunden des Klosters Fulda wird die Stadt Usingen zwischen 754 und 802 osinga, osanga oder osunge genannt. Da bei einer solchen Zeitspanne als sicherer Termin einer Ersterwähnung stets das späteste Datum angenommen wird, gilt als offizielle Geburtsstunde der Stadt Usingen das Jahr 802. In diesem Jahr feiert die Stadt deshalb ihr 1200-jähriges Bestehen.

Schon im Mittelalter war das Gebiet in und um Usingen begütert und besaß auch das Patronat der Kirche. 1207 kam es in den Besitz der Grafen Heinrich und Gerhard von Diez, die dieses Reichsgut im Tausch gegen Mainz-Kastel bekamen. 1326 erwarben die Grafen von Nassau zunächst pfandweise, 1405 dann durch endgültigen Kauf die Herrschaft Neuweilnau mit dem Dorf Usingen.

Unter Johann I. von Nassau-Weilburg entwickelte sich das Dorf zu einer Stadt, umgeben mit Mauern und Türmen. Die Anfänge der Burg fallen in das 14. Jahrhundert. Ab 1659 residierten in der zwischenzeitlich zum Schloss ausgebauten Burg die Grafen und seit 1688 die Fürsten von Nassau-Usingen, bis Fürst Karl die Residenz anno 1744 nach Biebrich verlegte.

Drei Brände im 17. Jahrhundert zerstörten die Stadt. Ab 1700 wurde die Neustadt planmäßig angelegt und durch reformierte Flüchtlinge besiedelt. Usingen war bis 1886 Amtssitz und danach bis zur Gebietsreform 1972 Kreisstadt. Seither sind die Orte Usingen, Eschbach, Kransberg, Merzhausen, Michelbach, Wernborn und Wilhelmsdorf zur Stadt Usingen zusammengeschlossen, wobei jeder Stadtteil auf eine traditionsreiche Vergangenheit zurückblicken kann.

Die Stadtrechte erhielt Usingen vermutlich im 14. Jahrhundert. Die Handelswege in den Norden führten über die heutige Saalburg durch Usingen, die Usinger Märkte bekamen für einheimische und fremde Händler zunehmend Bedeutung. 1532 erhielt der Landesherr, Graf Philipp III. von Nassau-Weilburg, von Kaiser Karl V. ein Jahrmarktprivileg für den St. Gallustag am 16. Oktober. Weitere Märkte folgten, wobei vor allem der Laurentiusmarkt als Treffpunkt für Viehzüchter aus dem gesamten Umland bis heute seine Tradition wahren konnte.

Die Industrieentwicklung hinkte jedoch stets hinterher und konnte durch den Eisenbahnanschluss im Jahr 1895 nicht wesentlich gesteigert werden. Erst seit den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts lässt sich eine verstärkte Gewerbe- und Industrieansiedlung im Hochtaunuskreis und damit auch in Usingen feststellen.

Heute ist Usingen ein attraktiver Wohnort und gleichzeitig gewerblicher Schwerpunkt im nördlichen Hochtaunuskreis. Von den rund 1 300 Unternehmen zählen etwa 28 Prozent zum verarbeitenden Gewerbe und 72 Prozent zum Dienstleistungsbereich (darunter 17 Prozent Handel, drei Prozent Gastgewerbe, sechs Prozent Grundstückswesen, Vermietung). In einer Sondererhebung wurden 46 Hightech-Firmen gezählt, davon 31 im IT- und Kommunikations-Bereich. Zuletzt wurden in Usingen rund 3 040 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ermittelt, der Dienstleistungsanteil (einschließlich Handel) liegt hier bei 63 Prozent. Zum verarbeitenden Gewerbe und Baugewerbe gehören 34 Prozent der abhängig Beschäftigten. Mehr als 80 Prozent aller Unternehmen in Usingen haben weniger als zehn Mitarbeiter. Die größten Unternehmen (Zumtobel Staff und Pikatron Feinwerktechnik) mit 100 bis 200 Mitarbeitern haben ihren Schwerpunkt in der Herstellung von technischen Produkten (Beleuchtungssysteme, Lichtanlagen, elektromagnetische Bauelemente). Dennoch ist die Ausstattung Usingens mit Arbeitsplätzen etwas günstiger als in anderen Kommunen im nördlichen Hochtaunuskreis: Auf 100 Einwohner kommen 22 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Der Auspendleranteil liegt bei 76 Prozent; Hauptziel ist Frankfurt, gefolgt von Bad Homburg. Usingen mit seinen rund 14 500 Einwohnern verfügt über eine überdurchschnittlich hohe Kaufkraft und liegt mit 19 500 Euro je Einwohner etwa 21 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Als Mittelzentrum genießt Usingen überörtliche Bedeutung hinsichtlich Einzelhandel und Gastronomie. Das Einzelhandelsangebot ist zwar durch einen breiten Branchenmix gekennzeichnet, hat sich aber vornehmlich auf die Kernstadt konzentriert. Außerdem nahm in den vergangenen Jahren der Kaufkraftabfluss zu; er ist größer als der Zufluss aus den Umlandgemeinden. Dies deutet auf einen Nachholbedarf bei der Güterversorgung hin, was derzeit zu heftigen Diskussionen um die Ansiedlung weiterer, auch großflächiger Einzelhandelsbetriebe und zum Start eines Stadtmarketingprozesses führte (ausführlicher Bericht in der nächsten Ausgabe des IHK WirtschaftsForums).

Im Flächennutzungsplan sind für Usingen vier gewerbliche Bauflächen in drei Stadtteilen mit insgesamt 47 Hektar ausgewiesen, Reserveflächen mit etwa 1,2 Hektar in Gewerbe- und 9,5 Hektar in Mischgebieten sind vorhanden, eine Erweiterung des Gewerbegebiets am Bahnhof ist geplant. Der in den vergangenen Jahrzehnten langsam vollzogene Wandel vom reinen Handelsstandort zum „Wirtschaftsstandort Usingen“ kann also auch zukünftig fortgeführt werden.

Udo Schweickhardt
IHK Frankfurt am Main

Foto: Stadt Usingen

weitere Informationen: Redaktion IHK WirtschaftsForum



IHK WirtschaftsForum
September 2002