FrankfurtRheinMain

Herr Dr. Müller, gemeinsam mit der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände und dem IHK-Forum Rhein-Main setzt sich die IHK Frankfurt stark dafür ein, die Entwicklung der Metropolregion FrankfurtRheinMain voranzubringen.

 

Müller: Die Erwartungen und das Interesse der Wirtschaft an die Weiterentwicklung der Region sind hoch, denn es steht viel auf dem Spiel: Es geht um die Zukunftsfähigkeit von FrankfurtRheinMain als Wirtschafts- und Lebensraum. Und diese bemisst sich in erster Linie danach, wie attraktiv der Standort für Unternehmen und Arbeitskräfte ist. Wir alle sind heute Weltbürger. Was das bedeutet, lässt sich am Beispiel von hoch qualifizierten Fachkräften verdeutlichen: Sie können sich inzwischen aussuchen, für wen sie wo arbeiten wollen. Und bei der Wahl des Standorts achten sie auch auf weiche Faktoren.

 

 

Welche Rolle spielt die Internationalität des Standorts in diesem Zusammenhang?

 

Müller: Frankfurt hat als Kernstadt dieser Region einen sehr hohen Besatz an internationalen Unternehmen. Wenn FrankfurtRheinMain als Global City wahrgenommen werden will, wenn wir auf internationaler Ebene weiterhin als Wirtschaftsstandort für Unternehmen und High Potentials eine Sogwirkung entfalten wollen, müssen wir deutlich machen, was wir zu bieten haben. Es gibt eine Vielzahl von guten und belastbaren Argumenten, die für die Region sprechen und sie anziehend machen. Wir haben das große Glück, dass wir uns nicht erst neu erfinden müssen, sondern mit unserer Vielfalt punkten können.

 

 

Findet die Wirtschaft in der Regionaldebatte genügend Gehör?

 

Müller: Die IHKs der Region sowie das IHK-Forum Rhein-Main haben sich immer als fordernder und fördernder Partner des Metropolregiongedankens verstanden. Wir laden regelmäßig Politik, Wirtschaft sowie interessierte Bürger zu Symposien ein, um über die Zukunft der Region zu diskutieren. Wir haben uns sogar konzeptionell Gedanken dazu gemacht, wie ein gut funktionierendes Organisationsmodell für FrankfurtRheinMain aussehen kann.

 

 

Das von der Wirtschaft ausgearbeitete Konzept für eine neue, effiziente Organisationsstruktur in der Metropolregion fand beim verabschiedeten Metropolgesetz allerdings keine Berücksichtigung. Ist das nicht ein herber Rückschlag?

 

Müller: Dem Metropolgesetz sind zwei Jahre intensiver Diskussionen über die Verfasstheit der Region vorausgegangen. Die Wirtschaft hat sich immer als Bündnispartner verstanden und diesen Entwicklungsprozess intensiv begleitet. Sicherlich hätten wir uns gerne gemeinsam mit unseren Partnern ein stärkeres Maß an Verpflichtung in der Zusammenarbeit gewünscht. Doch das verabschiedete Gesetz sieht jetzt nun mal das Prinzip der Freiwilligkeit als Grundlage für die Zusammenarbeit vor. Ich bin dennoch zuversichtlich, dass wir gute Chancen haben, gemeinsam einen qualitativen Sprung zu schaffen.

 

 

Was stimmt Sie so zuversichtlich?

 

Müller: Eines ist doch klar: Die Weichen für die Weiterentwicklung der Region zu stellen, funktioniert nur, wenn alle im Schulterschluss agieren. Der nationale und internationale Standortwettbewerb wartet nicht darauf, bis wir uns sortiert haben. Jeder Tag, den wir verstreichen lassen, ist ein verlorener Tag. Die grundsätzliche Bereitschaft der Landes- und Kommunalpolitiker zusammenzuarbeiten, ist deshalb ein wichtiges und notwendiges Signal an die Wirtschaft. Jetzt kommt es darauf an, dem erklärten Willen auch Taten folgen zu lassen. Was wir jetzt brauchen, ist eine Strategie für Frankfurt-RheinMain, die aus einem Guss gemacht ist.

 

 

Das klingt nach einer anspruchsvollen Aufgabe.

 

Müller: Die Vielfalt der Metropolregion ist Chance und Bürde zugleich. Je mehr Akteure sich für die Interessen der Region einsetzen, desto größer ist der Abstimmungsbedarf. Das Metropolengesetz bringt in diesem Zusammenhang entscheidende Neuerungen: Zum einen wird der Handlungsspielraum des neuen- Regionalverbands vergrößert. Er darf sich jetzt in alle regional bedeutsamen Angelegenheiten einmischen sowie Mitglied von Gesellschaften und Einrichtungen werden. Damit konzentriert sich die Tätigkeit des Verbands nicht mehr nur auf die Durchführung von Flächenplänen. Zudem sieht das Gesetz auch für die Wirtschaft eine beratende Mitgliedschaft im Regi-onalvorstand vor. Die gesetzlichen Neuerungen und die gereifte Einsicht, sich nunmehr auf die anstehenden Aufgaben der Metropolregion zu konzentrieren, stellen eine gute Grundlage dar, die PS endlich auf die Straße zu bringen. Ungeachtet dessen, sind auch schon erste Schritte in die richtige Richtung unternommen worden.

 

 

Welche sind das?

 

Müller: Die Eröffnung der Repräsentanz in Brüssel im Oktober vergangenen Jahres gehört zweifelsohne dazu. FrankfurtRheinMain kann somit die Politik der Europäischen Union für die Interessen und Bedürfnisse des Wirtschaftsraums besser sensibilisieren. Bislang haben Metropolregionen in dieser Form keine Stimme in den entsprechenden Ausschüssen, weil die EU unter dem Region-Begriff nur territoriale Autoritäten kennt und keine funktionalen Wirtschaftsräume. Hier ist sicherlich noch eine Menge Aufklärungsarbeit notwendig.

 

 

Wenn es eine Agenda FrankfurtRheinMain 2020 gäbe, welche Themenfelder müssten aus Sicht der Wirtschaft abgedeckt werden?

 

Müller: Die Kompetenzen, die in der Region bereits vorhanden sind, gilt es zu einer Kraft zu bündeln. Das trifft auf die Themenfelder Wirtschaftsförderung und Standortmarketing ebenso zu wie auf die Bereiche Kultur, Tourismus und Wissenschaft. Darüber hinaus ist es wünschenswert, dass sich Darmstadt und Wiesbaden dem Regionalverband anschließen. Beide Städte gehören schließlich zur Metropolregion. Es ist ein zentrales Anliegen der Wirtschaft, dass sich alle gemeinsam für die Belange der Region einsetzen.

 

Interview
 

Alexandra May

Immobilienökonomin
Investor & Public Relations
Wiesbaden

am@alexandra-may.com


 

IHK Wirtschaftsforum

April 2012