Metropolregion: Reduzieren, Fusionieren, Straffen

In den Metropolregionen spielt die Musik, hier sind die Wirtschaftskräfte am stärksten, hier sind die Motoren für Innovationen. Diese Aussagen sind mittlerweile eine Binsenweisheit. Und FrankfurtRheinMain spielt in diesem Konzert ganz laut mit. Der Dienstleistungsstandort für Banken und Versicherungen ist weltweit bekannt, das Verkehrsdrehkreuz sucht seinesgleichen. Auch das ist nicht neu.

 

Solange die Wirtschaftsdaten nach oben gehen, findet das jeder gut, so kann es bleiben. Doch die Region sollte sich für schlechtere Zeiten rüsten – und die Konkurrenz schläft nicht. Der Regionalverband hat ein gut funktionierendes Monitoring. Dadurch ist auch bekannt, was sich in anderen Met-ropolregionen tut. Die Schlussfolgerung daraus kann nur sein: Die Region braucht endlich eine gut funktionierende regionale Ebene in FrankfurtRheinMain. Und die gibt es bislang nicht.

 

Hier sei es noch einmal niedergeschrieben: Die Region FrankfurtRheinMain hat Lücken in den Aufgabenbereichen, sie leistet sich Doppelstrukturen, sie hat einen Wirrwarr von Vereinen, Verbänden, Gesellschaften, bei denen mittlerweile wirklich keiner mehr durchblickt, sie hat keine festen Ansprechpartner. Ja, die Region lebt auch gut mit ihrer polyzentralen Struktur, aber Kommunen und Kreise können die Koordinationsfunktionen, die in einer Met-ropolregion gebraucht werden, so nicht mehr wahrnehmen. Die Pendlerbeziehungen zwischen Frankfurt und dem Umland sind für die wirtschaftlichen Verflechtungen in der Region von hoher Bedeutung, aber auch die hohe Mobilität der Menschen in der Region, die nicht nur auf Frankfurt ausgerichtet ist, macht eine neue Struktur erforderlich.

 

Was die Region braucht, ist eine schlagkräftige, nach innen wie außen sichtbare Organisation. Mit dem neuen Gesetz zur Metropolregion Frankfurt-RheinMain aus dem Jahr 2011 wurde die richtige Richtung eingeschlagen. Der ehemalige Planungsverband – seine Ausrichtung war noch die eines Fachverbands – wurde zum Regionalverband, der wieder die Zuständigkeit für alle regional wichtigen Aufgabenfelder hat. Und es ist die vordringliche Aufgabe des Regionalverbands, wieder Licht in den dunklen Dschungel der vielen regionalen Gesellschaften und Organisationen zu bringen, Transparenz zu schaffen, damit sichtbar wird, wer für was zuständig ist. Die Region muss in dieser Hinsicht reduzieren, fusionieren, straffen. Dieser Aufgabe will sich die neue hauptamtliche Spitze mit dem ebenfalls neu geschaffenen Regi-onalvorstand stellen.

 

Zu überlegen ist in diesem Kontext auch, welche Aufgaben denn noch auf regionaler Ebene bewältigt werden müssten. Ganz vorne steht eine Neuordnung der Krankenhauslandschaft, regional gesteuert. Auch das Berufsschulwesen könnte in FrankfurtRheinMain eine ordnende Hand gebrauchen. Auch hier hat die Geschichte vor den bestehenden Strukturen nicht haltgemacht, auch hier muss in der Region – wie in manch anderen Bereichen – neu nachgedacht werden.

 

Das Ziel all dieser Bemühungen soll sein, ein Haus der Region in zentraler Lage, wie es einst schon der Frankfurter Regionaldezernent Uwe Becker vorgeschlagen hat, zu schaffen. Unter einem Dach sollen die dann gut aufgestellten regionalen Gesellschaften mit dem Regionalverband zusammenarbeiten, die Region im Zentrum repräsentieren und eine entsprechende Servicestelle bieten. So wird auch das Umland für die Menschen in der Stadt greifbar.

 

Auch muss FrankfurtRheinMain endlich als Marke nach außen verkauft werden, denn die Region hat viel zu bieten: wirtschaftlich, kulturell, hinsichtlich der Mobilität und im Freizeitsektor. Gerade was Letzteren betrifft, muss noch deutlicher hervorgehoben werden, wie lohnenswert es ist, in der Region FrankfurtRheinMain zu leben. Es ist nahezu ein Alleinstellungsmerkmal der Region, dass die vielen Zentren auch von viel Grün durchzogen sind, dass in allernächster Nähe vier Mittelgebirge sind. Wirtschaft und Freizeit gehen in der Region Hand in Hand.

 

Das führt auch gleich zum nächsten Thema: dem Fachkräftemangel. Die Region muss noch attraktiver für qualifizierte Migranten gestaltet werden. Es muss tatsächlich eine Willkommenskultur geschaffen werden, damit dem Fachkräftemangel etwas entgegengesetzt werden kann. Das muss ein Baustein der regionalen Marketing-Strategie sein. FrankfurtRheinMain weltoffen und attraktiv für qualifizierte Fachkräfte von nah und fern, so oder so ähnlich könnte hier das Motto in Zukunft lauten.

 

Freilich brennt ein weiteres Thema auf den Nägeln. Die Region Frankfurt-RheinMain muss auch die Energiewende schaffen. Sie ist bei diesem Thema schon deutlich ins Hintertreffen geraten, einige Kommunen haben schon längst ihren eigenen Weg eingeschlagen. Der Regionalverband wird jetzt unmittelbar darangehen und einen Plan für Vorrangflächen für die Windenergie in der Region schaffen. Und der Verband wird auch darangehen, einen Plan für alle erneuerbaren Energien in FrankfurtRheinMain aufzustellen. Das hat nicht nur einen ökologischen Aspekt: Wie jeder weiß, haben die erneuerbaren Energien mittlerweile eine immer größer werdende ökonomische Bedeutung.

 

Schließlich will sich der Regionalverband künftig auch noch stärker als Dienstleister für seine Mitgliedskommunen präsentieren. Aktuell hat der Verband beispielsweise das Thema Innenentwicklung von Gewerbeflächen auf seine Agenda gesetzt. Oftmals sind Brachflächen in den Kommunen vorhanden, die für andere Gewerbebetriebe nützlich sein könnten. Hier will der Verband Hilfestellung geben, wie Flächeneigentümer, Kommune und neuer- Nutzer an einen Tisch kommen können. Das regionale Monitoring ist auf das Gebiet, das der Regionalvorstand repräsentiert, also neben den Kreisen Hochtaunus, Main-Taunus und Offenbach sowie den kreisfreien Städten Frankfurt und Hanau um die Gesamtkreise Wetterau, Main-Kinzig und Groß-Gerau- erweitert worden, sodass die gesamte Region noch genauer unter die Lupe genommen werden kann. Der Regionalverband wird sein Service-Portfolio noch weiter ausbauen.

 

Die Zeit der Zwistigkeiten zwischen der Stadt Frankfurt und ihrem Umland ist vorbei. Frankfurt braucht die Region, die Region braucht Frankfurt. Deshalb will der Regionalverband FrankfurtRheinMain über Parteigrenzen hinweg mit allen wichtigen Akteuren dieser Region zusammenarbeiten, um FrankfurtRheinMain zukunftsfähig zu machen. Der Regionalverband reicht dazu die Hand.

 

 

Autor

Ludger Stüve
Direktor,

Regionalverband FrankfurtRheimMain
Frankfurt

stueve@region-frankfurt.de

 

 

IHK Wirtschaftsforum
   April 2012