Rhein-Main-Neckar: Potentiale gemeinsam heben

Die Metropolregion Frankfurt ist eine der führenden Wirtschaftsregionen in Europa. Zusammen mit den Regionen Nord- und Mittelhessen sowie den südlichen Landesteilen Bergstraße-Odenwald steht sie für die wirtschaftliche Stärke und damit die Attraktivität des Standorts Hessen. Im Wettbewerb der Regionen um Investitionen und Standortzukunft behauptet sich FrankfurtRheinMain erfolgreich. Dabei gewinnt die Konkurrenzfähigkeit gegenüber europäischen Wirtschaftsräumen wie Paris oder London oder den wirtschaftlichen Zentren in Amerika und Asien immer mehr an Bedeutung. Für internationale Investoren ist Hessen der wichtigste Standort in der Mitte Europas: Auf jeden Arbeitsplatz in Hessen entfallen 23 100 Euro ausländischer Direktinvestitionen. Kein anderes Flächenland in Deutschland zeichnet sich durch eine so hohe Standortattraktivität aus.


Für die wirtschaftliche Zukunft Hessens ist der Flughafen Frankfurt der zentrale Faktor. Mit der Ausweitung seiner Kapazitäten ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung Frankfurts als Verkehrsdrehscheibe getan. Nirgends sonst ist die zukunftsweisende Verknüpfung des Luftverkehrs mit den Verkehrsträgern Straße, Schiene und Schifffahrt so sichtbar wie in Frankfurt, dessen Flughafen unmittelbar am verkehrsreichsten Autobahnknotenpunkt Deutschlands liegt. Über Rhein und Main ist Frankfurt mit dem Seehafen Rotterdam verknüpft. Diese Standortvorzüge sind die Voraussetzung für den Erfolg großer Logistikunternehmen. Mit Lufthansa, Deutsche Bahn, der Gruppe DHL / Deutsche Post sowie Fraport gehören die größten Arbeitgeber in Hessen zur Verkehrs- und Logistikbranche. Ihre Präsenz ist zugleich ein Vorteil für die in Hessen ansässigen Industrieunternehmen. 

In Frankfurt kreuzen sich nicht nur Verkehrs-, sondern auch Finanzströme. Die Europäische Zentralbank, die Bundesbank, die Frankfurter Wertpapierbörse und die Terminbörse Eurex sowie 300 deutsche und internationale Bankinstitute machen Frankfurt zum wichtigsten Finanzplatz der Eurozone. Doch die Skyline der Bankentürme verstellt manchem Betrachter den Blick auf innovative Industrieunternehmen, die die hessische Wirtschaft und auch die Region FrankfurtRheinMain auszeichnen. Die chemische und pharmazeutische Industrie, Automobilhersteller und Zulieferer sowie der Maschinenbau und die Elektrotechnik sind die wichtigsten Branchen. 

Die Region ist auch geprägt von einem überdurchschnittlichen Einsatz von Forschungs- und Entwicklungsressourcen. An der engen Verzahnung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in der Region orientieren sich auch wichtige Clusterinitiativen. Solche Netzwerke sind von herausragender Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit und die Krisenfestigkeit. Diese stabilen Kooperationsstrukturen erzeugen Vertrauen und erleichtern den Zugriff auf die für Innovationen erforderlichen Ressourcen und das notwendige Know-how. Herausragende Beispiele in Südhessen sind die Cluster Finanzwirtschaft und Dienstleistungen für Unternehmen; die Bedeutung des Rhein-Main-Gebiets als Verkehrsdrehscheibe und Logistikstandort spiegelt sich im Cluster Logistik wider. 

Mit seinen südlichen Landesteilen ist Hessen in die Metropolregion Rhein-Neckar eingebunden. Die beiden Metropolregionen FrankfurtRheinMain und Rhein-Neckar bilden durch ihre geografische Nähe und den fließenden Übergang zusammen einen der bedeutendsten Wirtschaftsräume Europas. Länder-übergreifende Clusternetzwerke von Unternehmen und Forschungseinrichtungen werden deshalb auch im Rahmen der europäischen Regionalförderung unterstützt. Beispiele sind etwa die Cluster-Netzwerke Software-Cluster Rhein-Main-Neckar, Automotive Rhein-Main-Neckar, Automatisierungsregion Rhein-Main-Neckar sowie die Cluster-Netzwerke für Bioindustrie und für Nutzfahrzeuge.  

Von Bedeutung sind in diesem Zusammenhang auch die Aktivitäten zur Weiterentwicklung des Logistikstandorts Hessen, etwa im Rahmen des House of Logistics & Mobility (Holm) in Frankfurt. Mobilität und Logistik sind Themen mit einem großen Forschungs- und Wissensbedarf. Nur durch ein interdisziplinäres und integratives Vorgehen kann es gelingen, die Herausforderungen von Umwelt- und Klimaschutz für Mobilität und Logistik zu meistern.   Die Entwicklung der Wissensregion FrankfurtRheinMain ist ein zentrales Ziel der Landesregierung. Daher unterstützt sie zahlreiche Universitäten und Fachhochschulen. Je attraktiver die Metropolregionen als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorte sind, desto mehr qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland werden sich in ihnen niederlassen – was die Auswirkungen des demografischen Wandels abfedert und den Wohlstand nicht nur in den betreffenden Regionen, sondern auch darüber hinaus fördert. 

Die Attraktivität des RheinMain-Gebiets beruht ganz wesentlich auf seiner Wirtschaftskraft, seiner Funktion als Finanz-, Handels- und Messeplatz, seiner Verkehrsinfrastruktur und seiner hohen Zahl von Forschungseinrichtungen. Daneben entscheiden aber auch das kulturelle Angebot, die Freizeit- und Erlebnismöglichkeiten – kurz gesagt die Lebensqualität – darüber, ob internationale Leistungsträger tatsächlich den Entschluss fassen, hierherzuziehen. Um diese weichen Faktoren zu pflegen und herauszustellen, müssen die Kommunen an einem Strang ziehen. Die regionalen Zusammenschlüsse KulturRegion FrankfurtRheinMain und Kulturfonds Frankfurt RheinMain sind beispielhaft dafür, wie Kulturprojekte Attraktionen schaffen, die weit über die Region hinaus Zuspruch finden und die Kooperation stärken. 

Ebenso erfolgreich ist das Konzept der Regionalparks Rhein-Main und Rhein-Neckar, mit dem die beiden Regionen ihr Alleinstellungsmerkmal entwickeln. Denn im Gegensatz zu anderen großen europäischen Metropolräumen existieren hier noch viele offene landschaftliche Freiräume – und zwar bis in die Zentren hinein. Die Regionalparks verknüpfen diese Flächen zu einem Netz aus landschaftlich reizvollen Wegen und Anlagen. Dabei wird die notwendige wirtschaftliche Entwicklung mit dem nachhaltigen Schutz der Umwelt und der Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen kombiniert.  Angesichts ihrer unmittelbaren Nachbarschaft ist es für die beiden Metropolregionen FrankfurtRheinMain und Rhein-Neckar unerlässlich, ihre Potenziale nicht neben- oder gar gegeneinander, sondern miteinander zu entwickeln. In der Tat hat hier die Zusammenarbeit eine lange Tradition. So ergänzen und bereichern sich im Schnittfeld der Länder Hessen, Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz die Metropolregionen gegenseitig und bilden zusammen einen international bedeutsamen Wirtschaftsraum. 

Eine wichtige Rolle spielt dabei die länderübergreifende Raumordnung und Regionalplanung, die durch eine enge Kooperation und Abstimmung der jeweils zuständigen Planungsinstitutionen sichergestellt wird. Träger der Regionalplanung für die süd- und mittelhessischen Teile der Metropolregion Frankfurt-RheinMain sind die Regionalversammlungen Süd- und Mittelhessen. Der Regionalverband FrankfurtRheinMain stellt wiederum in enger Zusammenarbeit mit der Regionalversammlung einen regionalen Flächennutzungsplan für sein Gebiet auf. Die Kompetenzen dieses Verbandes wurden durch das Gesetz über die Metropolregion FrankfurtRheinMain von 2011 in zahlreichen Aufgabenfeldern der Regionalentwicklung weiter gestärkt. In der Metro-polregion Rhein-Neckar- ist durch den 2005 zwischen Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz geschlossenen Staatsvertrag mit dem Verband Region Rhein-Neckar (VRRN) eine Körperschaft gegründet worden, die die Verantwortung für Raumordnung, grenzüberschreitende Regionalplanung und Regionalentwicklung übernommen hat. Im Vergleich zu anderen Regionen in Europa und auf der Welt verfügt die Gesamtregion Rhein-Main-Neckar über hervorragende Ausgangsbedingungen, um auch in den kommenden Jahrzehnten im Hinblick auf Wirtschaftskraft und Wohlstand zur Weltspitze zu gehören.


 

Autor

Dieter Posch
Hessischer Minister für Wirtschaft,

Verkehr und Landesentwicklung,
Wiesbaden
info@hmwvl.hessen.de

 

 

IHK Wirtschaftsforum
  April 2012