Was bei der Kreditzusage zu beachten ist – Die Entscheidung ist gefallen, wie geht es weiter?

Gerade mittelständische Unternehmen stehen dem zumeist  umfangreichen Kreditvertragswerk der Banken mit großem Respekt und häufig mit vielen Fragen gegenüber. Hier kommt es nun auf den konstruktiven Dialog zwischen Unternehmer und Bank an. Nur durch eine offene und frühzeitige Kommunikation kann man den Kreditvertrag mit Leben erfüllen und damit Chancen wahren sowie Risiken vermeiden. Dabei sollte man ganz besonders auf folgende 12 Themenfelder achten:
  • Wer ist tatsächlich der Kreditnehmer?
  • Gibt es eine Mitverpflichtung von dritten Personen oder Unternehmen?
  • Welche Sicherheiten müssen bis wann in welcher Höhe gestellt werden?
  • Welche Kreditlaufzeit ist vereinbart?
  • Welche Tilgungsabsprachen sind vorgesehen?
  • Gibt es eine Zinsbindungsfrist oder eine Zinsanpassungsklausel?
  • Sind Strukturierungsgebühren oder Bereitstellungszinsen vorgesehen?
  • Werden konkrete Auszahlungsvoraussetzungen genannt?
  • Gibt es Beschränkungen bei der Mittelverwendung?
  • Sind Nebenpflichten („covenants“) während der Kreditlaufzeit vereinbart?
  • Welche Kündigungsregelungen sind mit welchen Gründen und Fristen vorgesehen?
  • Kann der Kredit auf andere Banken oder Investoren übertragen werden?
Kreditlaufzeit und Zinsen

Häufig schließen Banken insbesondere Betriebsmittelkredite mit einer „bis auf weiteres“- („baw“-) Befristung ab. In diesem Fall ist keine konkrete Kreditlaufzeit vereinbart. Dies hat den Vorteil, dass man nicht zu einem ganz bestimmten Termin mit der Bank ein Gespräch über die Verlängerung seines Kredites führen muss. Zu beachten ist aber, dass ein baw-Kredit im Prinzip jeden Tag fällig ist und damit natürlich der Bank die Möglichkeit eröffnet, auch täglich zur Rückzahlung dieses Kredites aufzufordern. Im Normalfall wird sie dies aber nur tun, wenn sich beispielsweise die wirtschaftlichen Verhältnisse des Kreditnehmers deutlich verschlechtert haben oder dieser seinen Zahlungsverpflichtungen gegenüber der Bank nicht mehr nachkommen kann.

Beim Zinssatz gibt es zum einen die klassischen Varianten: Variabler Zinssatz mit Anpassungsklausel oder Festsatzvereinbarung über einen bestimmten Zeitraum. Als Basiszinssatz wird dabei zumeist der 3-Monats-Euribor („Euro interbank offered rate), das heißt der Zinssatz für Termingelder in Euro im Interbankengeschäft gewählt, auf den die Bank dann noch die eigene Zinsmarge hinzurechnet. Je nach Vertragsgestaltung kann auch ein so genanntes Margenraster („margin grid“) vereinbart werden. Hierbei wird die Marge direkt an die Erfüllung bestimmter Finanzkennzahlen, zum Beispiel die Eigenkapitalquote geknüpft. Daneben sind in der Vergangenheit eine Vielzahl strukturierter („derivativer“) Zins- und Währungsinstrumente in den Markt gebracht worden. Diese bieten durchaus vielfältige Möglichkeiten, Zinsstrukturen zu sichern, Kreditkosten zu senken und ein Ertragsrisiko aufgrund steigender Zinsen oder schwankender Wechselkurse zu vermeiden. Die meisten mittelständischen Unternehmen nutzen diese Möglichkeiten noch viel zu selten. Es lohnt auf jeden Fall, sich mit diesen Themen zu beschäftigen – aber nur, wenn man auch die Risiken und Kosten genau kennt und am Ende nur das unterschreibt, was man auch versteht! Versuchen Sollte man es am Anfang vielleicht einmal mit einem einfachen Instrument: Bei nahezu allen Banken kann beispielsweise im Kontokorrentbereich gegen Zahlung einer Einmalprämie eine Zinsobergrenze vereinbart werden, die wie bei einer Art Versicherung vor allzu stark steigenden Zinsen schützt.

Auszahlungsvoraussetzungen und sonstige Fallstricke

Nach oftmals langen und schwierigen Kreditverhandlungen ist die Freude zumeist groß, wenn der von der Bank unterschriebene Kreditvertrag vorliegt. Jetzt kann man endlich über die Kreditmittel disponieren und schon länger aufgeschobene Zahlungen oder Investitionen tätigen. Aber Vorsicht! Ein von der Bank unterschriebener Kreditvertrag ist noch nicht damit gleichzusetzen, dass die Mittel im selben Augenblick auch auf dem Konto zur Verfügung stehen. Deshalb muss man sehr genau lesen, welche Auszahlungsvoraussetzungen die Bank an eine Valutierung des Kredites knüpft und bis wann spätestens diese erfüllt sein müssen. Typische Bedingungen sind zum Beispiel
  • die Einreichung weiterer Unterlagen, die dann natürlich von der Bank noch eingehend geprüft werden müssen,
  • die Stellung bestimmter Sicherheiten, deren juristisch einwandfreie Bestellung oftmals aber noch einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen kann,
  • die Erfüllung ganz spezieller Aufgabenstellungen, wie beispielsweise Einrichtung eines neuen Controllingsystems,
  • und nicht zuletzt in den Fällen, in denen weitere Banken involviert sind
  • die Bereitschaft auch dieser Banken, mit Mitteln zur Verfügung zu stehen
 
Covenants

Bei der Kreditgewährung wird den Unternehmen seitens der Banken immer häufiger die Erfüllung von Nebenbedingungen („covenants“) während der Kreditlaufzeit auferlegt. Diese covenants beinhalten zwar keine Zahlungsverpflichtung aber immer die Verpflichtung zur Einhaltung von bestimmten Finanzkennzahlen („financial covenants“) oder bestimmter Verhaltensweisen („qualitative covenants“). Hierdurch soll der Bank ein Instrument zur frühzeitigen Risikoerkennung an die Hand gegeben werden, das dieser ermöglicht, bereits bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Die Nichteinhaltung der covenants wird von daher zumeist mit zuvor definierten Rechtsfolgen und Sanktionen belegt. Es ist dabei dem Kreditgeber zunächst völlig frei gestellt, welche Art von covenants er mit dem kreditnehmenden Unternehmen vereinbaren möchte. Gleichwohl haben sich in den letzten Jahren gewisse Standards herausgebildet, die inzwischen über eine breite Akzeptanz verfügen. Beispiele für in verschiedenen Ausprägungen angewendete financial covenants sind insbesondere:
  • die Eigenkapitalausstattung,
  • der Verschuldungsgrad,
  • der Zinsdeckungsgrad und/oder
  • der Liquiditätsgrad des jeweiligen Unternehmens
Beispiele für qualitative covenants sind:
  • das Verbot, andere Gläubiger in der Besicherung besser zu stellen,
  • das Gebot alle Gläubiger gleich zu behandeln,
  • die Verpflichtung, nicht nur den Kreditvertrag einzuhalten, sondern auch weitere, mit Dritten abgeschlossene Verträge zu erfüllen,
  • die Verpflichtung, bestimmte Informationen und Auskünfte (Jahresabschluss, Bericht des Wirtschaftsprüfers, Steuererklärung, Quartalsberichte, Budget- und Planzahlen, sonstige Geschäftsunterlagen) innerhalb vorgegebener Fristen vorzulegen
  • das Verbot, über wesentliche Vermögensteile des Unternehmens zu verfügen oder bestehende Beteiligungsverhältnisse nennenswert zu verändern
Der Umgang mit den aus der angelsächsischen Finanzierungswelt stammenden covenants erfordert große Erfahrung. Um hier keine Fehler zu begehen, die man später nicht mehr oder nur noch sehr schwer korrigieren kann, sollte man sich unbedingt einen erfahrenen Finanzierungsexperten als Coach zur Seite stellen.

Kontinuierliche Kommunikation und Information

Wenn der Kreditvertrag von beiden Seiten unterschrieben und die Mittel ausgezahlt sind, wird die Kreditakte bei der Bank aber nicht geschlossen. Jetzt beginnt für die Bank das eigentliche Kreditmanagement. Ein Schwerpunkt ist die laufende Überwachung des Kreditengagements durch einen Kreditanalysten. Kontinuierliche Information ist also das Thema. Durch kontinuierliche, aktive Kommunikation gewinnt man Vertrauen und die Bank einen verlässlichen Eindruck. Erläutern sollte man insbesondere auch rechtzeitig eventuelle negative Entwicklungen oder Abweichungen in Bezug auf eine zuvor kommunizierte Unternehmensplanung.

Die meisten Unternehmer unterschätzen diese Arbeit und die zugrunde liegenden Anforderungen, da sie häufig sehr stark mit ihrem operativen Tagesgeschäft und oftmals vielfältigen technischen Problemen beschäftigt sind. Manche glauben, dass nach den oftmals nervenaufreibenden Finanzierungsgesprächen nun an der Bankenfront wieder alles in ruhigen Bahnen verläuft. Leider weit gefehlt! Jetzt geht die Arbeit erst richtig los. Dies merkt man spätestens dann, wenn der Kapitalgeber unterjährig erstmals ganz konkret eine Vielzahl von Unterlagen einfordert.
 
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