Neubeginn nach der Krise
Umsetzung der Maßnahmen und Abweichungsanalyse sind die entscheidenden Faktoren, ob eine Unternehmenssanierung gelingt oder scheitert

Es ist geschafft: Das Sanierungskonzept ist erstellt, die nächtelangen Verhandlungen mit dem Betriebsrat und den Vertretern der Gewerkschaft sind erfolgreich beendet, die letzten Details geklärt. Die Erleichterung aller Beteiligten weicht aber oftmals nur allzu schnell einer gewissen Ernüchterung, wenn es an die Umsetzung der Maßnahmen geht. Denn in dieser Phase entscheidet sich,  ob die Sanierung des Unternehmens gelingt oder scheitert.

Beginnend mit der Krisenerkenntnis, über die Identifikation der Krisenursachen und das Erstellen eines Sanierungskonzeptes hinsichtlich der Neuausrichtung des Unternehmens müssen nun, am Ende des Prozesses, die beschlossenen Maßnahmen umgesetzt und ein Sanierungscontrolling eingerichtet werden. Diese beiden letzten Schritte entscheiden schließlich über das Gelingen oder Scheitern der Sanierung. Nun stellt sich heraus, ob die richtigen Maßnahmen definiert wurden, ob die Wirkung der Maßnahmen korrekt berechnet wurde und ob die verantwortlichen Führungskräfte einerseits ausreichend Überzeugungskraft haben, um die Mitarbeiter für das Projekt zu gewinnen, und andererseits durchsetzungsstark genug sind, um aufkommende Widerstände innerhalb des Unternehmens zu überwinden.

Zur Implementierung gehört das Umsetzen der beschlossenen Maßnahmen im leistungswirtschaftlichen und finanziellen Bereich. Hierzu zählt auch das koordinierte Umsetzen der Einzelmaßnahmen hinsichtlich ihrer Wirkung auf den Geschäftsbetrieb des Unternehmens. Um sich bei der Umsetzung nicht zu verzetteln, ist es wichtig, Prioritäten zu setzen und sich dabei auf Maßnahmen mit dem größten Hebel zu fokussieren. Ziel der Maßnahmen ist es, die Unternehmenskrise zu beenden. Sie werden daher abgeleitet aus den zu behebenden Krisenursachen und im Kontext des Sanierungskonzeptes definiert, wobei bereits hier auf die Umsetzbarkeit der Maßnahmen geachtet werden muss. Der Maßnahmenplan beinhaltet auch die Verantwortlichkeiten und die Zeitvorgaben für die Umsetzung. Je nach Situation des Unternehmens sollte eine Unterteilung in kurz- und langfristig wirkende Maßnahmen vorgenommen werden, möglich ist auch eine Untergliederung des Plans nach Teilbereichen. Der Detaillierungsgrad innerhalb des Plans hängt von der Komplexität der beschlossenen und notwendigen Maßnahmen ab.
 
Gesamtverantwortlichen ernennen
Weiterhin sollte frühzeitig darüber nachgedacht werden, wer im Unternehmen für die Umsetzung der Einzelmaßnahmen verantwortlich beziehungsweise geeignet ist. Die Konzentration von Verantwortlichkeiten auf nur eine Person verzögert beziehungsweise behindert die Umsetzung des gesamten Konzeptes, zumal auch die ordnungsgemäße Abwicklung des Tagesgeschäftes sichergestellt werden muss. Hier kann sich die Einschaltung eines Interimsmanagers anbieten, der das Unternehmen zeitlich befristet bei der Sanierung unterstützt und somit die vorhandenen Managementkapazitäten erweitert.

Um die erfolgreiche Umsetzung der Restrukturierung sicherzustellen, empfiehlt es sich, einen Gesamtverantwortlichen zu benennen, ihn mit den erforderlichen Handlungskompetenzen auszustatten und dies auch entsprechend zu kommunizieren. Der Gesamtverantwortliche muss – gerade in größeren Unternehmen – nicht notwendigerweise ein Geschäftsführer sein. Vielmehr finden sich auch in der zweiten Führungsebene durchsetzungsstarke Führungskräfte. Der Gesamtverantwortliche wird in seiner Arbeit durch einen Lenkungsausschuss unterstützt. In diesem Gremium wird das Umsetzen der Maßnahmen in der Gesamtschau aufeinander abgestimmt. Das Sanierungscontrolling überwacht die Umsetzung der Maßnahmen; dabei wird der Umsetzungsgrad der einzelnen Maßnahmen definiert sowie ihre Wirksamkeit quantifiziert.

Im Kontext von Sanierungsmaßnahmen dürfen die auftretenden Widerstände innerhalb des Unternehmens nicht unterschätzt werden. Vielfach versanden die beschlossenen Maßnahmen im Tagesgeschäft oder werden bewusst von Betroffenen infrage gestellt. Beide Verhaltensmuster sind menschlich und in gewissem Maße verständlich, jedoch dürfen sie die Sanierung nicht gefährden. Daher ist ein regelmäßiges Sanierungscontrolling unumgänglich. Weiterhin werden die Finanziers (beispielsweise Banken oder Finanzinvestoren), aber auch der Betriebsrat regelmäßig den Stand der Sanierung abfragen, um zu überprüfen, ob die beschlossenen und verhandelten Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden und sich die erwarteten Effekte wie geplant einstellen. Gerade für die Geldgeber eines Unternehmens ist ein regelmäßiges Reporting unerlässlich, da während einer Sanierung meist auch zusätzliche liquide Mittel benötigt werden, die zu bestimmten Zeitpunkten abgerufen werden müssen.
 
Funktionierendes internes Controlling wichtig
Der gesamtverantwortliche Projektleiter überwacht nicht nur, ob die einzelnen Maßnahmen umgesetzt werden, er bestimmt auch deren Umsetzungsgrad und Wirksamkeit. Basierend auf den beschlossenen Maßnahmen, wird in regelmäßigen Abständen von etwa zwei bis vier Wochen der Fortschritt bei den Verantwortlichen abgefragt und ein Umsetzungsgrad definiert, der sich an den notwendigen Einzelschritten der Maßnahme orientiert. Die Wirksamkeit der Maßnahme ergibt sich durch den Vergleich der Ist-Zahlen mit der Planung aus dem Sanierungskonzept. Hierzu ist auch eine integrierte Planungsrechnung notwendig, die im Rahmen des Sanierungskonzeptes aufgesetzt werden muss und in der die Maßnahmen einzeln quantifiziert enthalten sind. Dies ist Voraussetzung für den Soll-Ist-Abgleich im Sanierungscontrolling, der die Wirkung der Einzelmaßnahmen verifiziert.

Ein funktionierendes, aussagekräftiges internes Controlling ist für eine erfolgreiche Unternehmenssanierung entscheidend. Ein erster Sanierungsschritt kann daher sein, die internen Controllinginstrumente zu modifizieren, um den Fortschritt der Sanierungsmaßnahmen überhaupt in dem notwendigen Umfang messbar zu machen. Bei Abweichungen oder im Fall der nicht vollständigen Umsetzbarkeit von Maßnahmen aufgrund veränderter Rahmenbedingungen entscheidet der Lenkungsausschuss über die weitere Vorgehensweise und möglicherweise alternative Maßnahmen. Die Notwendigkeit, auf Veränderungen der Unternehmensumwelt zu reagieren, darf bei einer Umsetzung nicht unterschätzt werden – das Sanierungskonzept muss bei Veränderungen zwingend angepasst werden.

Das Gelingen einer Unternehmenssanierung hängt somit einerseits von der Definition und Priorisierung der richtigen Maßnahmen ab, die andererseits stringent umgesetzt und konsequent überwacht werden müssen. Vor Anpassung der Maßnahmen darf nicht zurückgeschreckt werden. Anpassungsbedarf darf jedoch nicht als Ausrede für Untätigkeit herhalten, weil andernfalls der Erfolg einer Sanierung infrage gestellt wird und damit zugleich die Existenz des Unternehmens auf dem Spiel steht.