Private Vorsorgeplanung des Übergebers wird oft zu Unrecht vernachlässigt

Die erfolgreiche Übergabe des eigenen Unternehmens ist die letzte große Herausforderung im Unternehmerleben. Sie wird jedoch meist unterschätzt. Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger und die Klärung betriebswirtschaftlicher, steuerrechtlicher und rechtlicher Fragen reichen nicht aus. Es wird zwar selten darüber gesprochen, aber es ist Fakt: Oft scheitert die Übergabe eines mittelständischen Unternehmens an einem vermeintlich unwichtigen Aspekt, der Vermögensplanung des Übergebers.


Unternehmer investieren ihr ganzes Leben in ihre Firma. Stillschweigend gehen sie davon aus, dass ihr Unternehmen auch ihren Lebensabend finanziell absichert. Doch sie wissen auch, dass sie mit der Übergabe ihrer Firma an einen Nachfolger meist ihren wichtigsten Vermögenswert und häufig ihre einzige relevante Einkunftsquelle aus der Hand geben. Eine Einsicht, die zu Recht verunsichert. Ohne klare Antwort auf die Frage, ob und wie die Unternehmer ihren Lebensstandard im Ruhestand erhalten können, schieben viele die konkrete Planung der Übergabe aus Verunsicherung auf: Manchmal bis es zu spät ist.


Wer seine Firma erfolgreich und möglichst reibungslos an einen Nachfolger übergeben will, sollte sich bereits in der Vorbereitungsphase durch eine private Vermögensbilanz einen Überblick über seine Vermögensverhältnisse verschaffen. In diese private Vermögensbilanz müssen alle Vermögenswerte und Schulden aufgenommen werden und deren Entwicklung mindestens bis zum Zeitpunkt der Nachfolgeregelung prognostiziert werden. Sie sollte außerdem berücksichtigen, inwieweit die vorhandenen Vermögenswerte langfristig gebunden oder aber fungibel sind, also bei Bedarf veräußert werden können.


Wird daneben ein privater Liquiditätsplan erstellt, lässt sich solide einschätzen, ob die Vermögenserträge ausreichen werden, um den gewohnten Lebensstandard nach Übergabe des Unternehmens abzusichern. Damit weiß der Übergeber dann, ob die Übergabe in der von ihm geplanten Form und zum vorgesehenen Zeitpunkt möglich ist. Eine entscheidende Rolle bei diesen Überlegungen spielen nicht zuletzt die Modalitäten der Übergabe. Bei frühzeitiger Planung besteht die Möglichkeit, bei Bedarf entweder die Modalitäten der Übergabe zu verändern oder das Privatvermögen durch Umstrukturierung auf den Ruhestand vorzubereiten.


Wenn es um die Planung der eigenen Unternehmensnachfolge geht, sollte die ganzheitliche private Vermögensplanung und damit die Klärung der Altersvorsorge der erste Schritt des Unternehmers sein. Im Idealfall 10 bis 15 Jahre vor dem Übergabetermin, spätestens jedoch 5 Jahre vorher. Denn wie die Praxis zeigt, fördert die Analyse der privaten Vermögensverhältnisse nicht selten überraschende und oft auch unangenehme Tatsachen zu Tage. Manch lieb gewonnene Überzeugung stellt sich dabei als Wunschdenken heraus. Denn viele Unternehmer haben keinen vollständigen Überblick über ihre privaten Vermögensverhältnisse. Zum Beispiel darüber, wann Darlehen getilgt sind, über die Höhe von Renten oder die Rendite von Kapitalanlagen, die zu ihren Ruhestandseinkünften beitragen sollen.


Rechenschaft ablegen sollte sich der Unternehmer auch über seinen tatsächlichen, monatlichen und privaten Finanzbedarf. Er unterscheidet sich im Ruhestand oft erheblich von dem der aktiven Zeit, sei es, dass er höher ist, z. B. weil man die neu gewonnene Freiheit durch Reisen und Hobbys auskosten will, oder sei es, dass er geringer ist. Und nicht selten weicht der Finanzbedarf auch erheblich von den eigenen Vorstellungen des Unternehmers ab. Wer sein Unternehmen abgibt, muss seine PKW-Kosten vom Privatkonto finanzieren. Und private Zahlungen oder größere private Anschaffungen können im Ruhestand nicht mehr über betriebliche Konten geregelt werden. Um den künftigen Geldbedarf realistisch einzuschätzen, müssen also zunächst alle tatsächlich dem Privatbereich zuzurechnenden Ausgaben auf den Tisch. Diese sind dann noch um regelmäßige Rücklagen zu ergänzen, etwa für den Kauf eines PKW, die Anschaffung von Möbeln oder die Renovierung des Hauses oder der Wohnung.


Aber auch wer sein Unternehmen verkaufen möchte, sollte sich nicht darauf verlassen, dass das Thema Vorsorge damit erledigt ist. Im Gegenteil: Die Empfehlung lautet, den Erlös nicht in die private Vorsorgeplanung mit einzubeziehen. Zum einen ist unternehmerischer Erfolg und damit der Kaufpreis starken Schwankungen unterworfen. Und 10 bis 15 Jahre, aber selbst auch 5 Jahre, sind eine lange Zeit, in der sich ein Unternehmen stark verändern kann. Dies mussten viele Unternehmer in den letzten 10 Jahren leidvoll feststellen. Zum anderen ist der Kaufpreis eines Unternehmens abhängig von der Bereitschaft junger Menschen, die sich den Risiken und Belastungen der unternehmerischen Existenz aussetzen. Wer den Erlös aus seinem Unternehmensverkauf nicht in seine Altersversorgung einplant, ist zudem unabhängig, sein Unternehmen dem geeignetsten Interessenten zu den langfristig tragfähigsten Konditionen zu übertragen. Er ist nicht darauf angewiesen, einen besonders hohen Preis zu erzielen, um seine Altersversorgung zu sichern, was die Nachfolge und damit sein Lebenswerk gefährden kann.


Als Gesellschafter/Geschäftsführer einer GmbH sollte man sich auch auf seine Pensionszusage nicht ungeprüft verlassen. Diese in der GmbH-Bilanz steuerlich abzugsfähigen Pensionszusagen waren lange Zeit als Altersvorsorge von Gesellschafter/Geschäftsführern beliebt. Heute werden sie nicht selten für beide Seiten zum Bumerang. Denn in Zeiten steigender Lebenserwartung und sinkender Renditen stellen sich die von der GmbH abgeschlossenen Rückdeckungsversicherungen in der Praxis oft als zu niedrig heraus. Die Lücke zwischen Rückdeckung und zu erfüllender Pensionszusage kann nicht nur die GmbH ins Schlingern bringen. Auch die Unternehmensnachfolge wird aufgrund der mit der Pensionszusage verbundenen Risiken deutlich erschwert. Selbst die Abfindung des Gesellschafters/Geschäftsführers durch Übertragung der Rückdeckungsversicherung löst das Problem häufig nicht, da damit die Lücke zur Pensionsverpflichtung der GmbH nicht geschlossen wird. Ein Teilverzicht ist aber, auch wenn dies dem gesunden Menschenverstand nicht einleuchten kann, beim Gesellschafter/Geschäftsführer steuerpflichtig. Und die Abfindung muss von ihm, begünstigt, versteuert werden. Die Rechtsprechung ist in diesem Bereich im Fluss. Immer wieder gelangen neue Fälle vor die Finanzgerichte und den Bundesfinanzhof. Hoffen wir, dass irgendwann die Vernunft Raum greift.


Auch die konkrete Gestaltung der Unternehmensnachfolge selbst kann erhebliche Auswirkungen auf das Privatvermögen des Unternehmers haben. Die Fiskus spielt dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle: Nicht in jedem Fall lässt sich die Nachfolgeregelung so gestalten, dass keinerlei Steuern anfallen. Verschenkt der Unternehmer seinen Betrieb an Tochter oder Sohn, kann Schenkungsteuer fällig werden. Geschwisterausgleichsgelder können zur Einkommensteuer beim Übergeber führen, obwohl der gar keinen Geldzufluss hat. Schenkungen an Geschwisterkinder, die man so zum Erb- und Pflichtteilsverzicht bewegen will, mindern ebenfalls das Privatvermögen. Entnimmt der Pensionär in spe eine Immobilie aus dem Unternehmen, um durch die Mieteinnahmen seine Alterseinkünfte zu sichern, generiert er damit einen steuerlichen Entnahmegewinn, bei dem der Fiskus die Hand aufhält. Auch die Umwandlung des Unternehmens, die Abspaltung von Unternehmensteilen oder die Abfindung von Mitgesellschaftern verursachen Kosten und können damit Auswirkungen auch auf das Privatvermögen haben.


Ein weiteres Risiko fürs Altersvorsorge-Vermögen des Übergebers ist seine Mithaftung für die Schenkungsteuer des Übernehmers bei unentgeltlicher Übertragung. Dies gilt auch und gerade für den Fall der Insolvenz des Nachfolgers. Denn die Finanzverwaltung bewertet - so abstrus dies dem Unternehmer auch erscheinen mag - die Insolvenz genauso wie einen Verkauf des Unternehmens als Aufgabe. Erfolgt diese "Aufgabe" in Form der Insolvenz noch während der Behaltensfrist kann dies zur Folge haben, dass der Nachfolger nicht nur für Schulden des Unternehmens haften muss, sondern auch noch Erbschaftsteuer zu zahlen hat. Und da oft genug dem insolventen Unternehmer nichts mehr bleibt, wird der Übergeber für die zu zahlende Erbschaftsteuer in Anspruch genommen!


Entscheidend ist, was dem Unternehmer im (Un-)Ruhestand bleibt: Im Idealfall die Sicherheit, dass sein Lebenswerk in guten Händen ist und seine Alterseinkünfte gesichert sind. Nicht zuletzt deshalb ist die ganzheitliche private Vermögensplanung die zwingende Voraussetzung jeder erfolgreichen Unternehmensnachfolge.