Begrünung auf Kosten der Betriebe: IHK fordert Baustopp an der Bleidenstraße


01. April 2026
Nachdem aufgrund der Mainova-Baustelle an der Bleidenstraße über ein Jahr lang die Erreichbarkeit der dortigen Geschäfte und Betriebe eingeschränkt wurde, gibt es kein Durchatmen für die dort ansässigen Betriebe. Ganz im Gegenteil müssen sie sich erneut auf weitere Belastungen einstellen. Denn die Stadt Frankfurt am Main wird Anfang April Entsiegelungsmaßnahmen in der Bleidenstraße durchführen.
Die betroffenen Gewerbetreibenden lehnen den geplanten Eingriff ab. Bei den zu entsiegelnden Flächen handelt es sich zum Teil um klassische Parkplätze für Kunden, zum Teil um Halteplätze, die im täglichen Betriebsablauf unverzichtbare Be- und Entladebereiche darstellen, die sowohl vom Handel als auch vom Handwerk sowie von Logistik- und Zustelldiensten genutzt werden. „Diese Parkplätze sind für unsere Belieferung und unsere Kunden von hoher Bedeutung. Wir konnten uns bisher kaum von der letzten Baustelle erholen, da kommt schon die nächste, die uns negativ betrifft. Das kann uns die Existenz kosten“, bekräftigt Herr Djurabchi, Geschäftsinhaber der Classico Teppichgalerie.
Darüber hinaus beklagen die Händler, dass die beiden Lieferzonen, die als Kompensation für die wegfallenden Flächen neu geplant werden, nicht in praktikabler Nähe liegen und daher weder den Betrieben noch ihren Zulieferern oder Kunden funktional dienen. Die IHK Frankfurt am Main fordert, in Rücksprache mit den Unternehmen eine Verschiebung der Ladezonen zu prüfen. Beispielsweise könnte die geplante Zone am Friedrich-Stoltze-Platz vor das Gebäude Bleidenstraße 6 verschoben werden.
Betroffen ist unter anderem die ortsansässige Metzgerei Heininger. Der Inhaber Richard Heininger betont: „Wir unterstützen umweltfreundliche Maßnahmen ausdrücklich und leisten unseren Beitrag, indem wir beispielsweise unsere Innenstadtlieferungen bereits per Lastenrad durchführen. Aber für weitere Strecken sind wir auf unsere Firmenfahrzeuge angewiesen. Diese Stellplätze sind dafür von zentraler Bedeutung für uns. Wenn wir hier nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können, werden die noch verbliebenen Handelsgeschäfte nach und nach aus der Innenstadt verschwinden.“
Große Unzufriedenheit besteht darüber hinaus hinsichtlich der Kommunikation seitens der Stadt Frankfurt. Die Unternehmen berichten, dass sie weder frühzeitig informiert noch in die Planung der Grünflächen oder der Lieferzonen eingebunden wurden. Vielmehr seien Gespräche im Rahmen einer Vor-Ort-Begehung erst sehr kurzfristig – lediglich rund zwei Wochen vor Baubeginn – zustande gekommen. „Schon wieder erleben wir, dass die Unternehmen nicht in die Umbaupläne der Stadt Frankfurt eingebunden werden“, bedauert Dr. Alexander Theiss, Geschäftsführer Standortpolitik der IHK Frankfurt. „Dieses Vorgehen verstärkt das Gefühl, dass die Belange des Handels im Innenstadtbereich keine Priorität hat und systematisch ignoriert wird“, führt er weiter aus.
Die IHK Frankfurt am Main sieht die genannten Entwicklungen mit erheblicher Besorgnis. Sie fordert die Stadt auf, die Maßnahme zunächst zu stoppen und zuerst die notwendigen Abstimmungen mit den ansässigen Betrieben zu treffen. Bei künftigen Planungen sollte die Stadt Frankfurt frühzeitig einen transparenten, engen sowie frühzeitigen Austausch mit den betroffenen Unternehmen beginnen, um negative Auswirkungen auf die Wirtschaft zu vermeiden. Nur wenn ökologische Stadtentwicklungsziele und wirtschaftliche Anforderungen in Einklang gebracht werden, kann die Frankfurter Innenstadt als vielfältiger und wirtschaftlich starker Standort erhalten bleiben.
Hintergrund:
Die Maßnahme ist Teil des bereits 2022 vom Ortsbeirat beschlossenem Blockkonzepts zur Entwicklung der Innenstadt. Im Zuge dieser Maßnahme sollen die bestehenden Pflasterflächen in den Parkbuchten auf beiden Straßenseiten der Bleidenstraße entfernt und anschließend begrünt werden. Begleitend soll eine Lieferzonen am Friedrich-Stoltze-Platz eingerichtet und ein ehemaliger Behindertenparkplatz in eine weitere Lieferzone für den Wirtschaftsverkehr umgewandelt werden.