Kooperationen: Stadtentwicklung und Handel

Onlineshopping ist in Deutschland unaufhaltsam auf dem Vormarsch: Für 2014 wird ein Umsatz in Höhe von 38,7 Milliarden Euro prognostiziert. Das veränderte Einkaufsverhalten stellt Einzelhändler und Kommunalpolitiker -gleichermaßen vor neue Herausforderungen, die nur gemeinsam gelöst werden können.

 

Der Onlinehandel hat das Einkaufen revolutioniert. Das vollständige Warenangebot steht zu jeder Zeit per Smartphone oder Tablet auch an jedem Ort zur Verfügung. Der Kunde hat vollständige Preistransparenz bei einem bisher kaum gekannten Preiswettbewerb. Das Einkaufen ist völlig unverbindlich, da die Ware zum Teil sogar nach längeren Zeiträumen problemlos zurückgegeben werden kann. Die Umsatzanteile des Onlinehandels am Gesamtumsatz des Einzelhandels steigen. In einigen Teilbranchen des Einzelhandels sind sie bereits gewaltig. Wie groß die Umsatzanteile insgesamt in absehbarer Zeit werden, vermag derzeit niemand exakt abzuschätzen.

 

Onlinehandel funktioniert unter völlig anderen Rahmenbedingungen als der stationäre Einzelhandel. Er kennt keinen Ladenschluss, keine Restriktionen, was die eigenen Werbemöglichkeiten angeht, muss nicht mit unrealistischen Ladenmieten betriebswirtschaftlich zurechtkommen, muss nicht mit Baustellen vor dem Geschäft oder schlechtem Wetter kämpfen, wodurch die Kunden vom Einkaufen abgehalten werden, ist nicht auf Parkplätze angewiesen, kann überall stattfinden, ohne dass planungsrechtliche Vorgaben, wie beispielsweise beim großflächigen Einzelhandel, eine Hürde darstellen könnten. Diese völlig andersartigen Rahmenbedingungen müssen Städte und Gemeinden, die zum Teil um ihre Innenstädte bangen, als Herausforderung für ihre eigene Kommunalpolitik sehen.

 

Kooperation zwischen Politik, Verwaltung und den Gewerbetreibenden in den Innenstadtbereichen ist wichtiger denn je. Gegenseitiges Verständnis für die jeweiligen Sachzwänge erleichtert hierbei die Zusammenarbeit. Wichtig ist, so früh wie möglich gemeinsam aktiv zu werden, um Entwicklungen zu vermeiden, die, wenn sie erst einmal eingetreten sind, kaum wieder zurückzudrehen sind. Wichtig ist hierbei, die Situation nüchtern zu analysieren und auf Basis der Analyse gemeinsame Konzepte zu entwickeln, wie die Einkaufsbereiche in den Städten und Gemeinden gefördert werden können. Hierbei hat sich als ein sinnvolles Instrument die Erarbeitung von Einzelhandelskonzepten durch erfahrene Beratungsunternehmen erwiesen.

 

Bei dem vielfältigen Einkaufsangebot in Ballungsräumen wie im Rhein-Main-Gebiet ist es von zentraler Bedeutung, den Kunden zunächst einmal vor Ort zu halten. Das zentrale Sortiment, das die meisten Kunden in die Einkaufsstraßen zieht, sind Lebensmittel. In den Phasen des rapiden Flächenwachstums der Supermärkte, aber auch Discounter, sind solche Unternehmen aus Platzmangel aus solchen Einkaufsstraßen kleinerer Städte an die Peripherie abgewandert, wo unkompliziert Freiflächen zur Verfügung standen. Diese fehlenden Kundenfrequenzen in den Einkaufsbereichen haben sich als erhebliches Problem für den übrigen Einzelhandel herausgestellt. Die Kunden, die wegen des täglichen Lebensmitteleinkaufs nicht mehr in die zentralen Einkaufsbereiche kommen, orientieren sich auch hinsichtlich der übrigen Einkäufe häufig neu.

 

Kommunen, die solche Anbieter noch in zentralen Lagen haben, die aber eine kritische, weil zu kleine Verkaufsfläche haben, auf der kaum noch ein attraktives Warenangebot für den anspruchsvollen Kunden angeboten werden kann, laufen Gefahr, dass diese Betriebe abwandern. Sie sollten in Erwägung ziehen, in Kooperation mit entsprechenden Investoren und Betreibern von Vollsortimentern eine zentrale Immobilie zu erwerben und zu entwickeln, um einen solchen Magnetbetrieb mit strategischer Bedeutung für den übrigen Einzelhandel, die Gastronomie und die Dienstleister an zentraler Stelle halten zu können. Ein solches Vorgehen bietet sich auch für andere Magnetbetriebe an. Um solche Projekte erfolgreich zu realisieren, kann es hilfreich sein, erfahrene Experten mit Kontakten zu Investoren und Betreibern solcher Märkte als Berater zu beauftragen.

 

Wichtig ist zudem die Aufenthaltsqualität in diesen Einkaufsbereichen. Dies bezieht sich sowohl auf den öffentlichen Straßenraum, seien es Basics wie die Sauberkeit, aber auch der Zustand des Straßenbelags, die Möblierung mit Beleuchtung, Papierkörben, Sitzgelegenheiten, Fahrradständern, Beschilderungen und ähnlichen Ausstattungsgegenständen. In größeren Kommunen zählen dazu sicher mittlerweile auch Wlan-Hotspots auf zentralen Plätzen. Nicht zu unterschätzen sind die Parkmöglichkeiten, auch wenn das Fahrrad seit einigen Jahren eine Renaissance erfahren hat. Gerade die Supermärkte am Stadtrand verfügen alle über Parkmöglichkeiten, und kein Kunde möchte seine Einkäufe über größere Distanz zu Fuß transportieren.

 

Die Parkraumbewirtschaftung ist für Gemeinden immer eine willkommene Einnahmequelle. Aber auch hier sollten die unentgeltlichen Parkmöglichkeiten manch großer Händler im Blick behalten werden. Kurzzeitparken, reguliert über Parkscheiben oder Parkautomaten, wobei die Preise moderat bleiben müssen, sorgt für Kundenkomfort, der für den Einzelhandel von großer Bedeutung ist. Fußgängerzonen haben sicher ihren Charme und können an geeigneter Stelle für eine entspannte Einkaufsatmosphäre sorgen. Gleichwohl sollten sie mit Bedacht ausgewählt werden, da sie auch kontraproduktiv wirken können durch zu große Entfernungen, die zu Fuß überwunden werden müssen. Sicher müssen auch die Immobilieneigentümer, die bisweilen auch die Betreiber der Geschäfte sind, ihren Beitrag für eine ansprechende Atmosphäre in den Straßen leisten, indem sie für einen attraktiven Zustand ihrer Immobilien sorgen.

 

Gerade in Großstädten, die in den Seitenstraßen zu den hochfrequentierten 1-a-Lagen über funktionierenden inhabergeführten Fachhandel verfügen, sollte behutsam vorgegangen werden bei der Aufwertung solcher Lagen. Solche Geschäfte sind in hohem Maße davon abhängig, dass die Mieten in Relation zu den erzielbaren Umsätzen in einem betriebswirtschaftlich vernünftigen Verhältnis stehen. Aufwertungen dieser Nebenlagen dürfen nicht dazu führen, dass Impulse gesetzt werden, die erhebliche Mietpreissteigerungen zur Folge haben und die Struktur der Einkaufsstraße verändern. Gerade solche Lagen verleihen Innenstädten ein individuelles und unverwechselbares Gesicht. Auch Vielfalt gehört zu einem erfolgreichen Einkaufsviertel.
 

 


Autor

Hanns-Peter Laux

Stellvertretender Geschäftsführer

Standortpolitik
IHK Frankfurt am Main

h.laux@frankfurt-main.ihk.de


 

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