Gründungsbarometer Hessen 2026

Mit dem Gründungsbarometer analysiert der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) jährlich das Gründungsgeschehen in Hessen. Aus den Ergebnissen ergeben sich einige Forderungen an die Politik zur Stärkung des Unternehmertums.
Jahr für Jahr streben Gründerinnen und Gründer in Hessen eine gewerbliche, selbstständige Tätigkeit an. Auf Grundlage der Gewerbemeldungen und Dienstleistungen der hessischen IHKs und HWKs im Bereich der Gründungsberatung sind die Datensätze ausgewertet und mit interessanten Grafiken aufbereitet worden.
  • Der Saldo zwischen Gewerbeanmeldungen und -abmeldungen in Hessen ist 2025 weiterhin positiv. 63.885 Anmeldungen stehen 52.319 Abmeldungen gegenüber. 2025 gibt es in Hessen 11.566 gewerbliche Unternehmen mehr als in 2024.
  • Die meisten Gründungen gibt es im Dienstleistungsgewerbe, Handel sowie im Baugewerbe.
  • Einzelunternehmen wurden 2025 zu 37 Prozent von Frauen gegründet und zu 63 Prozent von Männern.
  • 79 Prozent der Gründerinnen und Gründer starten als Einzelunternehmen. 15 Prozent wählen die GmbH als Rechtsform.

Forderungen der hessischen IHKs und HWKs an die Politik

Unternehmertum stärken

  • Unternehmerbild verbessern
    Das Land Hessen soll die gesellschaftliche Wahrnehmung von Unternehmertum durch dauerhafte Öffentlichkeitsarbeit und die Sichtbarkeit erfolgreicher Gründerinnen, Gründer und Unternehmensnachfolger stärken.
  • Ökonomische Bildung ausbauen
    Unternehmerisches Denken, wirtschaftliche Zusammenhänge und Selbstständigkeit sollen verbindlich in Schule, Ausbildung und Studium verankert werden.
  • Entrepreneurship an Hochschulen stärken
    Hochschulen sollen Gründung, Innovation und Unternehmensnachfolge als festen Bestandteil ihrer Lehr- und Transferaktivitäten etablieren.
  • Frauen fördern
    Durch zielgruppenspezifische Informations-, Beratungs- und Netzwerkangebote sollen die unternehmerischen Potenziale von Frauen stärker aktiviert werden.
  • Nachfolgekultur stärken
    Die frühzeitige Auseinandersetzung mit Unternehmensnachfolge soll durch Informationskampagnen und Beratungsangebote gefördert werden.

Gründungen und Nachfolgen erleichtern

  • Bürokratie abbauen
    Gründungs- und Nachfolgeprozesse sind durch den Abbau von Melde-, Dokumentations- und Nachweispflichten deutlich zu vereinfachen.
  • Unternehmensbasisdatenregister schaffen
    Zentrales Unternehmensbasisdatenregister schaffen, damit Gründungsdaten nur einmal erfasst und von allen beteiligten Stellen genutzt werden können.
  • Gründung innerhalb von 24 Stunden
    One-Stop-Shop etablieren und Verwaltungsverfahren digital bündeln, um Unternehmensgründungen möglichst schnell handlungsfähig zu machen. Hierfür sollten die Finanzbehörden Steuernummern automatisch zuteilen und die Handelsregistereintragung von Kapitalgesellschaften beschleunigt werden.
  • Förderanträge vereinfachen
    Förderprogramme sollen durch standardisierte und digitale Verfahren leichter zugänglich gemacht werden. Zur weiteren Vereinfachung und Beschleunigung des Antragsverfahrens beim Hessen-Mikrodarlehen sollte die Antragstrecke künftig vollständig digital über das bestehende WIBank-Portal abgewickelt werden.
  • Reallabor Nachfolge einrichten
    Um Unternehmensnachfolgen einfacher zu ermöglichen, sollten Nachfolgen unter erleichterten regulatorischen Bedingungen erprobt werden können. Das Reallabor Nachfolge ist wie im Koalitionsvertrag der Landesregierung ausdrücklich vorgesehen umzusetzen.

Finanzierung sichern

  • Beratungsförderung stärken
    Die Finanzierung niedrigschwelliger Beratungsangebote für Gründung und Nachfolge ist dauerhaft sicherzustellen.
  • Gründerstipendien ausbauen
    Stipendienprogramme sollen mehr Gründungsvorhaben in der Vorgründungs- und Startphase unterstützen.
  • Darlehensprogramme weiterentwickeln
    Öffentliche Finanzierungsangebote sind bedarfsgerecht auszubauen und an gestiegene Kapitalbedarfe anzupassen. Das Fördervolumen des Hessen Mikrodarlehens sollte auf 50.000€ erhöht werden.
  • Bürgschaften stärken
    Bürgschaftsprogramme sollen erweitert werden, um Finanzierungen insbesondere bei fehlenden Sicherheiten zu ermöglichen.
  • Mehr Risikokapital bereitstellen
    Die von der BMH Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen mbH verwalteten Fonds sollen deutlich aufgestockt werden, um Finanzierungslücken insbesondere in der Wachstums- und Expansionsphase von Startups zu schließen und die Zahl der Beteiligungen zu erhöhen.
  • Investitionen in Startups stärken
    Startups und Investoren sollen besser vernetzt sowie die steuerlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen für Kapitalbeteiligungen verbessert werden, um den Zugang zu Wachstumskapital zu erleichtern.
  • Nachfolgefinanzierung verbessern
    Für Unternehmensübernahmen sind passgenaue Finanzierungsinstrumente bereitzustellen.

Innovation und Wachstum fördern

  • Hochschulausgründungen stärken
    Forschungsergebnisse sollen durch gezielte Unterstützungsstrukturen häufiger in marktfähige Geschäftsmodelle überführt werden.
  • Technologie und Wissenstransfer ausbauen
    Die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und mittelständischen Unternehmen ist zu intensivieren.
  • Innovationsfreundliche Vergabe stärken
    Öffentliche Auftraggeber sollen innovative junge Unternehmen stärker bei Beschaffungsprozessen berücksichtigen.

Fachkräfte und Kompetenzen sichern

  • Unternehmerische Kompetenzen fördern
    Gründerinnen, Gründer und Unternehmensnachfolger/-innen sollen leichter Zugang zu Qualifizierungs- und Weiterbildungsangeboten erhalten.
  • Fachkräftegewinnung erleichtern
    Kleine Unternehmen benötigen bessere Unterstützung bei der Gewinnung und Bindung qualifizierter Mitarbeitender.
  • Internationale Talente und Gründer gewinnen
    Verfahren zur Einwanderung und Anerkennung beruflicher Qualifikationen sind deutlich zu beschleunigen. Gleichzeitig müssen die Rahmenbedingungen für internationale Gründerinnen und Gründer verbessert werden, um mehr Ausgründungen und innovative Unternehmensgründungen in Hessen zu ermöglichen.

Gute Rahmenbedingungen schaffen

  • Gewerbe und Betriebsflächen sichern
    Unternehmen benötigen ausreichend verfügbare und bezahlbare Flächen für Gründung, Wachstum und Nachfolge.
  • Digitale Infrastruktur ausbauen
    Eine flächendeckende Versorgung mit leistungsfähigen Glasfaser- und Mobilfunknetzen muss sichergestellt werden.
  • Ländliche Räume stärken
    Gründungen und Unternehmensnachfolgen im ländlichen Raum sind durch gezielte Förder- und Unterstützungsmaßnahmen zu begleiten.
  • Belastungscheck für neue Regelungen einführen
    Neue Gesetze und Verordnungen sollen systematisch auf ihre Auswirkungen auf Gründungen, Nachfolgen und KMU geprüft werden.
  • Transformation und Krisenfestigkeit fördern
    Unternehmen sollen bei der Anpassung an wirtschaftliche, technologische und gesellschaftliche Veränderungen gezielt unterstützt werden.

Entwicklung der Gewerbeanmeldungen und Gewerbeabmeldungen in Hessen

Der Saldo zwischen Gewerbeanmeldungen und -abmeldungen bewegt sich auf einem positiven Niveau. Nachdem sich der Saldo in den Jahren 2022 bis 2024 rückläufig entwickelt hat, hat er in 2025 wieder zugenommen. Im Jahr 2025 hat er ein Plus von 11.566 gewerblichen Unternehmen erreicht. 63.885 Anmeldungen stehen 52.319 Abmeldungen gegenüber. Das entspricht einem Zuwachs an Gewerbeanmeldungen um 5 Prozent. (Bundesweit: Zuname um 6 Prozent). Bei den Gewerbeabmeldungen gab es einen Rückgang um 6,5 Prozent. (Bundesweit: Rückgang um 1 Prozent).
Die vollständigen Daten des Gründungsbarometers Hessen finden Sie hier.