DIE LOGISTIKBRANCHE – EIN ERWACHENDER RIESE

Die Globalisierung der Märkte ist ein viel diskutiertes Thema: Von den einen wird sie als Last oder gar Bedrohung, von anderen als Segen und Basis unseres Wohlstandes gesehen. Fakt ist: Ohne eine funktionierende globale Logistik wäre der ständige und schnellste weltweite Austausch von Gütern und Dienstleistungen nicht möglich. Die Herausforderung dabei ist, dass zugleich Technologie- und Produktzyklen immer kürzer und Prozessketten immer komplexer werden. Große Teile der Warenwirtschaft und der Produktion werden an externe und oft weit entfernte Dienstleistungsunternehmen ausgelagert.

Das Fraunhofer Institut hat mit seiner jüngsten Logistikstudie „Top Ten“ die Bedeutung der Logistikbranche in Zahlen gefasst. Die Aufwendungen der deutschen Wirtschaft für Logistik wurden für das Jahr 2006 auf 189 Milliarden Euro geschätzt. Der europäische Logistikmarkt hat von rund 800 Milliarden Euro in 2005 auf 836 Milliarden Euro in 2006 zugenommen. Dies entspricht einem Wachstum von knapp fünf Prozent. Für dieses Jahr wird in Deutschland mit einem Volumen von 220 Milliarden Euro ge-rechnet und damit mit einer weiteren Steigerung von rund acht Prozent.

Die Logistikwirtschaft in Deutschland rangiert an dritter Stelle der großen Wirtschaftszweige, nach der Bau- und Ernährungswirtschaft und noch vor der Metallindustrie. Rund 2,8 Millionen Menschen sind mit Logistikfunktionen beschäftigt. Damit ist die Logistik eine Schlüsselbranche mit großem Potenzial, überdies ist die Branche ein wichtiger Arbeitgeber. Als Dienstleister gilt die Logistiksparte mittlerweile sogar als Barometer für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung.

Speditionen als „Architekten des Warenverkehrs“ arbeiten grundsätzlich verkehrsträgerneutral. Damit haben sie ein besonderes Interesse daran, dass bei weiter wachsendem Verkehrsaufkommen die Verkehrssysteme insgesamt funktionieren. Spediteure erwarten, dass die Verkehrssysteme wirtschaftliche, effiziente Transportabläufe erlauben und jedem Transportzweck ein Optimum an Qualität und Zuverlässigkeit bieten. Denn ein reibungsloser Verkehr ist die notwendige Basis für Produktion und Dienstleistung und damit für wirtschaftlichen Erfolg.

Nichts ist hinderlicher, als bestimmten Verkehrsträgern Prioritäten zuzuweisen, die nicht den Qualitäten und Leistungsmerkmalen Rechnung tragen, die eine bestimmte Transportnachfrage benötigt. Dies gilt ebenso für die nicht ausreichende Verkehrsinfrastruktur, sei es an Flughäfen, auf Fernstraßen oder Eisenbahntrassen sowie an deren Schnittstellen. Dies gilt aber auch bei leichtfertig eingerichteten Lkw-Fahrverboten, bei schnell eingerichteten Umweltzonen oder bei Forderungen nach generellen Überholverboten für Lkw auf Autobahnen. Wird hier den allseits zu hörenden Forderungen allzu schnell und aus Gründen der Opportunität nachgegeben, wird es die Branche immer schwerer haben, ihren Beitrag zu Wachstum, Beschäftigung und Innovation zu leisten und zugleich den zunehmenden Kostenbelastungen durch Spritpreisexplosion, wachsende Mautkosten und sonstige Abgaben betriebswirtschaftlich Rechnung zu tragen.


Michael G. König
Geschäftsführender Gesellschafter
August L. König
Frankfurt am Main
Vizepräsident
IHK Frankfurt am Main

IHK WirtschaftsForum
September 2008
 

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