Frankfurter Metropolengespräch: IHK fordert entschlossenen Abbau von Überregulierung und zügige Umsetzung des Baupakets II


17. Dezember 2025
Beim Frankfurter Metropolengespräch, zu dem die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt am Main für Dienstagabend eingeladen hatte, wurde eines deutlich: Wohnungsbau ist nicht nur eine soziale, sondern auch eine wirtschaftlich zentrale Herausforderung für Hessen. Wohnraum ist ein entscheidender Standortfaktor für Unternehmen, die im Wettbewerb um Fachkräfte stehen und attraktive Rahmenbedingungen benötigen. Fehlender Wohnraum gefährdet die Ansiedlung neuer Betriebe, hemmt Investitionen und schwächt die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts insgesamt. Der sich abzeichnende Trend ist beunruhigend: In Hessen wurden 2024 nur knapp 15.000 Wohnungen fertiggestellt – ein Rückgang um fast 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Über diese und weitere Themen diskutierte IHK-Präsident Ulrich Caspar auf dem Podium mit Dr. Ernst Böhm (B&O Bau GmbH), Ines Fröhlich (Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum), Volker Geenen (Bauwens Development GmbH) sowie Dr. Thomas Schröer (FPS Rechtsanwaltsgesellschaft mbH & Co. KG). Moderiert wurde die Diskussionsrunde von Ralf Werner (Instone Real Estate Development GmbH).
„Wir hoffen, dass der Hessische Landtag bald die Empfehlungen Baupaketes II der hessischen Kommission `Innovationen im Bau´ aufgreift. Mit dem Baupaket I wurde bereits ein wichtiger Schritt zur Deregulierung des Bauwesens in Hessen getan“, erklärte Ulrich Caspar, Präsident der IHK Frankfurt am Main.
Im Rahmen der hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion machte Caspar zudem deutlich: „Die Arbeit der Kommission und die Baupakete I und II senden ein klares Signal: Eine Entlastung der Bauwirtschaft ist möglich – wenn Politik, Wirtschaft und Forschung gemeinsam handeln. Hessen hat die Chance, Vorreiter einer neuen Ära des Bauens zu werden.“
Die wirtschaftlichen Risiken sind erheblich: Wenn der Wohnungsbau weiter stagniert, steigen die Kosten für Unternehmen, die dringend Fachkräfte benötigen. Pendlerströme nehmen zu, die Infrastruktur wird belastet, und die Attraktivität des Standorts sinkt.
Ulrich Caspar forderte deshalb entschlossenes Handeln über das Baupaket II hinaus: „Es ist erforderlich, die Baukosten zu senken. Das kann gelingen, wenn wir bei standardisierten Verfahren und seriellen Bauweisen vorankommen. Außerdem brauchen wir eine aktive Mobilisierung von Bauland. Kommunen, die Flächen ausweisen, sollten über den Kommunalen Finanzausgleich finanziell belohnt werden. Ebenso wichtig ist die Beschleunigung der Genehmigungsprozesse: Der Bau-Turbo darf nicht nur ein Schlagwort bleiben, seine konsequente Anwendung ist unabdingbar.“
Caspar betonte zudem die Notwendigkeit eines umfassenden Abbaus von Regulierungen: „Wir brauchen weniger und einfachere Gesetze und Regelwerke, sowohl auf Landes- als auch auf kommunaler Ebene. Die Novelle der Hessischen Bauordnung ist ein richtiger Schritt, aber es ist erforderlich den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.“