Caspar: Bessere Finanzierungsbedingungen machen Frankfurt zum Zentrum für Wagniskapital
27. Oktober 2026
Frankfurt hat das Potenzial, zum deutschen Zentrum für Wagniskapital zu werden. Dafür sollten Startups in den entscheidenden Wachstumsphasen leichter an Kapital kommen. Das ist das Fazit des 3. IHK-Finanzmarktforums am Börsenplatz in Frankfurt am 26. Oktober 2026 vor rund 150 Vertretern aus Politik, Finanzwirtschaft und Startup-Szene. IHK-Präsident Ulrich Caspar sagt: „Wenn wir die richtigen Weichen stellen, wird Frankfurt zum deutschen VC-Hub.“ Den Impuls gab Dr. Jörg Goschin, CEO der KfW Capital. Anschließend diskutierten die Bundestagsabgeordneten Katharina Beck (Bündnis 90/Die Grünen) und Daniel Bettermann (SPD) mit Heike Spiller, Vorstandsvorsitzender der Business Angels RheinMain, und Dr. Marco Adelt, CLARK-Gründer und CEO von LOYAGO. Sie sprachen über den deutschen Venture-Capital-Markt, die Startup- und Scaleup-Strategie der Bundesregierung und die Rolle des Finanzplatzes Frankfurt für junge Unternehmen. Es moderierte Dr. Detlef Fechtner (Börsen-Zeitung).
In seiner Eröffnungsrede erklärt Ulrich Caspar: „In Deutschland liegt die Zahl der Gründungen auf einem Rekordhoch. Damit aus Ideen auch marktreife Produkte und aus Startups erfolgreiche Unternehmen werden, fehlt es oft an Wagniskapital in den entscheidenden Wachstumsphasen. Dafür sollte die Bundesregierung die Rahmenbedingungen verbessern, etwa durch einen einfacheren Zugang für Pensionsfonds in entsprechende Risikokapitalfonds, geringere steuerliche Risiken für internationale Investoren sowie eine zentrale Koordination auf Bundesebene. Frankfurt zählt zu den bundesweit gründungsstärksten Großstädten und verfügt über ein etabliertes Finanzökosystem. Unser Ziel ist es, diese Stärken konsequent zu nutzen und uns auch bei Wagniskapital stärker als bisher zu positionieren. Wenn wir Kapital, Unternehmertum, Forschung und Innovation zusammenbringen, dann kann Frankfurt als Finanzplatz eine zentrale Rolle für die nächste Generation erfolgreicher deutscher und europäischer Wachstumsunternehmen spielen.“
Weitere Stimmen von der Veranstaltung:
Dr. Jörg Goschin, CEO von KfW Capital: „Der deutsche Venture Capital-Markt hat in den vergangenen Jahren eine enorme Entwicklung gezeigt, steht aber weiterhin vor großen Aufgaben. Mit unserer Investitionstätigkeit in VC-Fonds und das Scale-up Direct-Programm hebeln wir privates Kapital und leisten konsequent wichtige Beiträge zur Finanzierung innovativer Technologie- und Wachstumsunternehmen in Deutschland. Ein herausragendes Beispiel für die erfolgreiche Mobilisierung privaten Kapitals ist zudem der Wachstumsfonds Deutschland. Auf dem IHK-Finanzmarktforum wurde einmal mehr deutlich, wie wichtig das Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft und Investoren ist: Wir wollen auch künftig unseren Beitrag dazu leisten, das VC-Ökosystem nachhaltig auszubauen und Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.“
Dr. Jörg Goschin, CEO von KfW Capital: „Der deutsche Venture Capital-Markt hat in den vergangenen Jahren eine enorme Entwicklung gezeigt, steht aber weiterhin vor großen Aufgaben. Mit unserer Investitionstätigkeit in VC-Fonds und das Scale-up Direct-Programm hebeln wir privates Kapital und leisten konsequent wichtige Beiträge zur Finanzierung innovativer Technologie- und Wachstumsunternehmen in Deutschland. Ein herausragendes Beispiel für die erfolgreiche Mobilisierung privaten Kapitals ist zudem der Wachstumsfonds Deutschland. Auf dem IHK-Finanzmarktforum wurde einmal mehr deutlich, wie wichtig das Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft und Investoren ist: Wir wollen auch künftig unseren Beitrag dazu leisten, das VC-Ökosystem nachhaltig auszubauen und Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.“
Katharina Beck, MdB (Bündnis 90/Die Grünen), finanzpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion: „Wir brauchen europäische und nationale Lösungen, um die Skalierung von Wachstumsunternehmen hier vor Ort zu verbessern. Die Altersvorsorge ist ein zentraler Hebel, um mehr Wagniskapital für deutsche und europäische Start- und Scaleups zu mobilisieren. Bei der privaten Altersvorsorge hat die Bundesregierung die Chance, mit ihrer Reform auch Wachstumskapital zu mobilisieren, leider verpasst, da hier anders als teils falsch dargestellt eben nicht wie in Schweden ein Kapitalstock aufgebaut werden wird. In der gesetzlichen Rente und der betrieblichen Altersvorsorge ist die Chance noch da, und sie sollte beherzt ergriffen werden. Die Bundesregierung sollte sich außerdem für eine funktionierende EU Inc. einsetzen: eine europäische Rechtsform, die einfach und schnell zu gründen, in Bezug auf relevante Investorenkriterien europäisch einheitlich und ein Schritt Richtung Kapitalmarktunion ist. Dabei braucht es einen guten Kompromiss, der Forumshopping und das Untergraben von Schutzstandards verhindert, und gleichzeitig eine agile und attraktive Rechtsform für das Skalieren von Unternehmen in Europa ermöglicht.“
Daniel Bettermann, MdB (SPD), Mitglied des Bundestags-Wirtschaftsausschusses: „Die Startup-Strategie kommt genau zur richtigen Zeit, vor allem, weil dabei das Thema Wachstumskapital adressiert wird. Wir müssen das Innovationspotential in Deutschland nutzen und brauchen hierfür die richtigen Finanzierungskanäle, zum Beispiel im Bereich Defense, KI, Robotik oder Green Tech. Damit diese Zukunftstechnologien auch in Deutschland stärker wachsen, braucht es den richtigen Fokus in der Strategie. Darüber hinaus brauchen wir aus meiner Sicht auch eine grundlegende Weiterentwicklung bzw. Neuausrichtung der Steuerpolitik. Künstliche Intelligenz wird unsere Arbeitswelt und damit auch die Finanzierungsgrundlagen des Staates grundlegend verändern. Das klassische Modell der Einkommens- und Kapitalbesteuerung könnte im KI-Zeitalter an seine Grenzen stoßen. Deshalb würde ich es begrüßen, über eine Steuer auf Wertschöpfung nachzudenken, die den zunehmenden Einsatz von Vollautomatisierung und künstlicher Intelligenz berücksichtigt.“
Heike Spiller, Vorstandsvorsitzende der Business Angels RheinMain: „Als Business Angels stärken wir Startups durch private Investments und Know-How für zukünftige Finanzierungsrunden. Dabei braucht es mehr als Kapital: Strategische Expertise, ein starkes Netzwerk und Sparring sind entscheidend für nachhaltiges Wachstum. Wer in Wachstumsunternehmen investiert, investiert nicht nur in einzelne Unternehmen, sondern in die wirtschaftliche Erneuerung unseres Landes – in neue Technologien, Arbeitsplätze und die Exportstärke von morgen.”
Dr. Marco Adelt, CLARK-Gründer und CEO von LOYAGO: „Rund ein Drittel der Investoren in europäischen VC-Fonds ist staatlich, in den USA sind es nur etwa vier Prozent. Dort tragen Pensionsfonds und Versicherer den Markt. Auch in Deutschland verfügen Versicherer und Einrichtungen der Altersvorsorge über dieses langfristige Kapital, nur fließt davon heute kaum etwas in Wagniskapital. Hier sollte die Startup-Strategie der Bundesregierung ansetzen und regulatorische Hürden abbauen. Dann erhalten Startups und Scaleups Wachstumskapital aus Deutschland, und die Sparer sind an der Wertschöpfung unserer Zukunftsunternehmen beteiligt.“
