„Finanzmarktintegration ist Schlüssel für europäische Resilienz“ - Finanzdienstleistungsausschuss der IHK Frankfurt am Main diskutiert Geopolitik und aktuelle Finanzmarktlage mit Bundesbankvorstand Fritzi Köhler-Geib


20. März 2026
Der Ausschuss Finanzdienstleistungen der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main hat sich am 19. März 2026 in der IHK am Börsenplatz zu seiner turnusmäßigen Frühjahrssitzung getroffen. Im Mittelpunkt der Tagung stand der intensive Austausch mit Bundesbankvorständin Prof. Dr. Fritzi Köhler-Geib zu den Auswirkungen der massiv veränderten geopolitischen Lage auf die Unternehmen der Finanzwirtschaft am Finanzplatz Frankfurt. Die Diskussion mündete in die Frage, welchen Beitrag die Finanzwirtschaft ihrerseits leisten kann, damit die europäische Wirtschaft als Ganzes robuster wird und besser auf außenpolitische Schocks vorbereitet sein kann.
„Schlüssel für die Stärkung der europäischen Resilienz sind eine tiefere Integration des europäischen Finanzmarktes sowie das Vorantreiben technologischen Fortschritts. In Deutschland sind zusätzliche Strukturreformen notwendig, um das Potentialwachstum wirksam zu erhöhen“, schloß Frau Prof. Dr. Köhler-Geib ihre Analyse ab.
Die Ausschussmitglieder nutzten weiterhin die Gelegenheit, um mit Frau Prof. Dr. Köhler-Geib aus Praxissicht über aktuelle Entwicklungen in der Finanzdienstleistungsbranche zu diskutieren. Trotz aller nationalen sowie internationalen Herausforderungen steht die Branche im IHK-internen Vergleich sowohl hinsichtlich der Ertragsentwicklung als auch beim Beschäftigungsniveau gut da.
Der Ausschussvorsitzende Dietmar Vogelsang sieht jedoch großen Handlungsbedarf bei der Erschließung neuer Wachstumsmärkte wie beispielsweise der Wagniskapitalfinanzierung: „Damit der Finanzplatz Frankfurt als Hub für Venture Capital mehr Strahlkraft gewinnt, braucht es schnelles und entschlossenes politisches Handeln, etwa bei der Herstellung eines rechtsicheren und steuerlich attraktiveren Umfelds für die entsprechenden Spezialfonds. Jüngste Beschlüsse wie das Fondsrisikobegrenzungsgesetz auf Bundesebene gehen in die richtige Richtung, da dort Vereinfachungen der europäischen Investmentfondrichtlinie nun auch national umgesetzt sind.“ Die damit nunmehr auch in Deutschland eingeräumte Möglichkeit für Alternative Investmentfonds (AIF), selbst Kredite vergeben zu können, schaffe gleiche Wettbewerbsbedingungen für Fondsmanager in der EU und biete insbesondere KMUs zusätzliche Finanzierungsoptionen.
„Der große Wurf steht jedoch noch aus”, so Vogelsang abschließend. “Ein Finanzdienstleistungs-Omnibus auf europäischer Ebene, der gebündelt Entbürokratisierungen und Vereinfachungen der Finanzdienstleistungsregulierung vornimmt, wäre ein wichtiger Schritt, damit Frankfurt als kontinentaleuropäischer Finanzplatz Nr. 1 endlich auch beim Thema Startup-Finanzierung in der Champions League mitmischen kann.”