IHK Frankfurt & Ost-Ausschuss laden zum Wirtschaftsgespräch mit Armenien Armenischer Premier Paschinjan erhält hessischen Friedenspreis


19. September 2026

Eine hochrangig besetzte armenische Delegation um Premierminister Nikol Paschinjan hat gestern mit Unternehmensvertretern aus Hessen und den angrenzenden Bundesländern Möglichkeiten einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen dem Land in der Kaukasusregion und der Wirtschaft in der Metropolregion FrankfurtRheinMain erörtert. Zu dem Wirtschaftsgespräch, an dem auch der armenische Außenminister Ararat Mirsojan und Botschafter Viktor Yengibaryan teilnahmen, hatten die IHK Frankfurt und der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft eingeladen. IHK-Vizepräsident Klaus-Stefan Ruoff begrüßte die Teilnehmer und moderierte das Gespräch.
Unmittelbar vor seinem Besuch in der IHK Frankfurt hatte der Hessischen Landtag Premier Paschinjan mit dem hessischen Friedenspreis ausgezeichnet. Mit der Auszeichnung ehrt das Land Hessen nicht nur den Einsatz des armenischen Premierministers Paschinjan für die Beilegung des Konflikts mit Aserbaidschan, sondern auch den eingeschlagenen Reformkurs und die Annäherung Armeniens an die Europäische Union. Nach der „Samtenen Revolution“ 2018, die er als einer der Oppositionsführer wesentlich prägte, ebnete Paschinjan den Weg zu Parlamentswahlen und führt sein Land seitdem als Premierminister.
„Der Friedensprozess eröffnet Armenien die historische Chance auf dauerhafte Stabilität und neue wirtschaftliche Perspektiven in der Region“, so Nikol Paschinjan. „Unser Land öffnet sich, setzt entschlossen Reformen um und erlebt eine spürbare Aufbruchstimmung. Besonders die junge, digital affine und technisch hervorragend ausgebildete Generation gründet innovative Unternehmen und treibt den Wandel voran. Für die Zusammenarbeit mit deutschen und hessischen Unternehmen sehe ich großes Potenzial – insbesondere in den Bereichen IT, Hightech und Softwareentwicklung sowie bei Infrastruktur, Transport und Logistik. Hessen ist mit dem Finanzplatz und der Messestadt Frankfurt ein idealer Partner, um diese Chancen gemeinsam zu nutzen.“
Vizepräsident Ruoff zog nach dem Austausch zwischen den Unternehmen und der armenischen Delegation ein positives Fazit: „Die deutsche Wirtschaft braucht wieder Wachstumsimpulse. Deswegen nehmen wir die Chancen in den Blick, die eine Intensivierung des Austausches mit Armenien für Export und Diversifizierung der Lieferketten bieten kann. Voraussetzung dafür ist, dass der von Premier Paschinjan begonnene Friedens- und Reformprozess dauerhafte Resultate zeitigt und so Vertrauen bei ausländischen, auch deutschen Investoren aufbaut. Durch den starken Fokus auf MINT-Bildung und Digitalisierung kann Armenien für Deutschland und die EU zu einem geschätzten Wirtschaftspartner in der momentan von KI-Innovationen getriebenen Weltwirtschaft werden.“
Armenien mit seinen ca. drei Millionen Einwohnern liegt im Südkaukasus und hat nach Einschätzung der Weltbank in den vergangenen Jahren große Fortschritte in den Bereichen Digitalisierung, Bildung, Infrastruktur und Demokratisierung gemacht. Während im vergangenen Jahr 7,5 Prozent Wirtschaftswachstum erreicht wurden, liegt die mittelfristige Wachstumsrate bei 5,0 Prozent. Der IT-Sektor entwickelt sich rasant, wobei das Land als aufstrebendes Technologiezentrum gilt. Gleichzeitig bleibt die Landwirtschaft für das gebirgige Binnenland zentraler Wirtschaftszweig, insbesondere die Produktion von Obst, Gemüse und Tabak. Im primären Sektor wesentlich ist auch der Bergbau, hier besonders die Förderung von Kupfer, Bauxit, Gold und Molybdän.
Deutschlands Exporte nach Armenien umfassen vor allem Maschinen, Fahrzeuge, Textilien und chemische Produkte, während Armenien hauptsächlich Textilien, Metalle und landwirtschaftliche Erzeugnisse nach Deutschland exportiert. Obwohl Deutschland damit einer der wichtigsten Handelspartner Armeniens innerhalb der Europäischen Union ist, besitzt der bilaterale Handel und die Direktinvestitionen in Höhe von knapp 70 Millionen Euro noch Wachstumspotenzial.