IHK begrüßt Koalitionsvereinbarung im Hochtaunuskreis Caspar: „Viele wirtschaftsfreundliche Ansätze, aber auch einige offene Punkte“
12. Juni 2026
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt am Main hat die Koalitionsvereinbarung der Kreistagsfraktionen von CDU, SPD und FWG im Hochtaunuskreis für eine Zusammenarbeit von 2026 bis 2031 mit den Kurzfassungen der IHK-Forderungen zur Kommunalwahl 2026, die allen Parteien zur Wahl geschickt wurde, verglichen, bewertet und ihre Einschätzung dem Kreistag übermittelt. Nach Auffassung der IHK berücksichtige die Vereinbarung auf verschiedenen Themengebieten wie berufliche Bildung, Straßen- und Schienenverkehr und schnelles Internet die Anliegen der Unternehmen sowie der Wirtschaft und schaffe stabile Rahmenbedingungen für Investitionen. Bei einigen gewerblichen Sachfragen vermisst die Kammer jedoch konkrete Aussagen.
Die IHK begrüßt ausdrücklich den Willen der Koalition, die Taunusbahn zu elektrifizieren, die S-Bahn-Linie S5 bis Usingen zu verlängern und bis 2030 jeden Ort im Kreis mit schnellem Internet per Glasfaserleitungen anzubinden. Aus Sicht der Kammer würden von dieser Maßnahme auch die Unternehmen profitieren. „Die Realisierung dieser Maßnahmen würde den Standort nachhaltig stärken, da sie die Anbindung der Region für Arbeitskräfte, aber auch touristische Besucher weiter verbessert, denn gerade schnelle Glasfaserleitungen fördern die Attraktivität des Standorts für die Ansiedlung neuer Unternehmen“, sagt Ulrich Caspar, Präsident der IHK Frankfurt am Main. „Wir unterstützen das daher ausdrücklich.“
Die angestrebte Umwandlung des Taunus Touristik Service e. V. in eine GmbH und die Stärkung der Ausflugsgastronomie setze zudem wichtige Akzente für die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für den Kreis. Ebenso begrüßt die Kammer als richtigen Schritt, dass die Koalition ein Berufsschulzentrum in Oberursel projektieren will. Gerade vor dem Hintergrund des sinkenden Fachkräfteangebots würde der Kreis mit einem neuen Berufsschulzentrum ein klares Zeichen für die duale Ausbildung setzen. Darüber hinaus würdigt die Kammer das Bekenntnis zu einem transparenten Schuldenmanagement, das auch auf längere Sicht verlässliche Investitionsbedingungen im Kreis erhält.
An mehreren Stellen vermisst die IHK jedoch klare Festlegungen. So lasse der Vertrag offen, wie die Koalition neue Gewerbeflächen ausweisen und bestehende Wirtschaftsflächen sichern wolle. So enge die Koalition nach Einschätzung der Kammer den Spielraum für die Ausweisung dringend benötigter Wohn- und Gewerbeflächen aufgrund des strengen Schutzes landwirtschaftlicher Flächen ein. Ebenso lasse die Koalitionsvereinbarung offen, wie der Kreis Kommunen bei bereits geplanten sowie weiteren Maßnahmen zum Ausbau von Park-and-Ride-Angeboten sachgerecht unterstützen und diese in ein kreisweites Mobilitätskonzept einbetten könne. Dies würde die Anbindung der Wohn- wie auch der Wirtschaftsstandorte über den ÖPNV verbessern, was nicht nur Pendlern, sondern zum Beispiel ebenso der Tourismuswirtschaft im Naherholungsgebiet Hochtaunus zugutekäme. Unerwähnt bleibe zudem, wie die Ausländerbehörde in die Lage gebracht werden solle, Unternehmen bei der Gewinnung ausländischer Fachkräfte zu unterstützen.
„Wer den Wirtschaftsstandort sichern will, ist gut beraten, Flächen für Betriebe zu schaffen und es den Unternehmen leichter zu machen, Fachkräfte zu gewinnen“, sagt Caspar. „Hier erwarten wir von der Koalition noch mehr Klarheit und eine deutliche Ausrichtung des praktischen Handelns.“ Insgesamt biete die vorliegende Vereinbarung aus Sicht der IHK einen stabilen Rahmen, der die Anliegen der Wirtschaft an vielen Stellen aufnimmt.
