IHK Frankfurt am Main fordert Neuausrichtung der Energie- und Klimaschutzpolitik: technologieoffen, marktbasiert und international anschlussfähig


16. April 2026
Die Vollversammlung der IHK Frankfurt am Main hat heute eine Klimaschutz Position zur Energie- und Klimapolitik beschlossen. Viele Vorgaben des Bundes und der EU seien wirtschaftlich nicht umsetzbar und gefährdeten die internationale Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen. Dass in Deutschland die Energiepreise deutlich höher seien als im EU-Ausland sowie in Asien und Amerika, etwa für Strom und Gas, liege an den hohen Systemkosten, der höheren Steuern und Abgaben sowie der Überregulierung hierzulande. Darunter litten insbesondere energieintensive Industrien wie Chemie- und Grundstoffhersteller sowie die Automobilindustrie, der Luftverkehr und die Logistikbranche.
Vor diesem Hintergrund fordert die IHK eine Entlastung der Unternehmen bei Kosten und Bürokratie. Die Energie- und Klimaschutzpolitik sollte konsequent auf marktwirtschaftliche Instrumente und Technologieoffenheit setzen, Klimaschutz stärker an Kosteneffizienz ausrichten, daher flexibler ausgestaltet sein und international besser abgestimmt werden. Dazu hat die Vollversammlung der IHK Frankfurt am Main heute eine Klimaschutz-Position beschlossen.
Darin setzt sich die IHK dafür ein, das System der EU-weiten jährlich sinkenden CO₂-Obergrenzen mit handelbaren Emissionszertifikaten (ETS) als zentrales Lenkungsinstrument für den Klimaschutz zu nutzen. EU und Bund sollten sich auf die Rolle eines Rahmensetzers beschränken, indem die Fülle an detaillierten Regulierungen verringert und der Technologiewettbewerb gestärkt werde.
Die IHK fordert, zeitlich realistische Emissionssenkungspfade zu beschließen. Sie empfiehlt eine stärkere internationale Abstimmung der Energie- und Klimaschutzpolitik der großen Wirtschaftsräume, um Wettbewerbsverzerrungen und die Verlagerung von Produktionsstätten und CO₂-Ausstoß in Staaten mit geringeren Klimaschutzvorschriften zu vermeiden. Trotz der geopolitischen Spannungen ruft die IHK zu verstärkten Bemühungen um mehr internationalen Klimaschutz auf. Sollten hier keine substanziellen Fortschritte erreicht werden, sei die überwiegende Mehrheit der deutschen Wirtschaft aber der Meinung, dass das deutsche CO₂-Budget angelehnt an den Benchmark einer Vergleichsgruppe wichtiger Wirtschaftsräume ausgeweitet werden sollte.
In der Position spricht sich die IHK ferner für die Auflösung jahresscharfer Emissionsziele zugunsten eines übergeordneten Budgetansatzes aus. Starre Jahresvorgaben führen häufig zu ineffizienten und kostenintensiven Maßnahmen, da Unternehmen gezwungen seien, auch unausgereifte Technologien kurzfristig einzusetzen. Ein Budgetansatz ermögliche hingegen mehr Flexibilität bei der Erreichung gleicher Klimaziele.
Mit der IHK-Position zum Klimaschutz unterstützt die IHK Frankfurt am Main die beiden Positionen der DIHK-Vollversammlung zum Klimaschutz aus dem November 2025 und aus dem März 2026.

Stimmen aus der IHK Frankfurt am Main:

„Die IHK unterstützt den langfristigen Umbau der deutschen Wirtschaft hin zur Klimaneutralität, um einen Beitrag zur globalen Begrenzung der Erderwärmung zu leisten, wie es das Pariser Klimaabkommen anstrebt. Das kann nur mit einer starken und prosperierenden deutschen Wirtschaft gelingen, die im internationalen Wettbewerb bestehen und wachsen kann. Deshalb sollten Bund und Kommunen in Deutschland die Unternehmen nicht überfordern. Die derzeitige zeitliche und regulatorische Ausgestaltung des Pfades zur Klimaneutralität bis 2045 in Deutschland ist volkswirtschaftlich nicht tragfähig und führt zu weniger Klimaschutz, da Produktion in Länder verlagert werde, die weniger klimaschutzsensibel produzieren. Auch kann es andere Staaten abschrecken, mehr für den Klimaschutz zu tun. Es braucht eine Energie- und Klimaschutzpolitik, die auf Kosteneffizienz achtet und deshalb mehr auf Marktwirtschaft und Technologieoffenheit setzt und den Emissionshandel nicht als alleiniges, aber als Leitinstrument nutzt.“
„Viele Industrieunternehmen haben ihre Produktionen heruntergefahren oder ins Ausland verlagert, weitere planen diesen Schritt. Die aktuelle Energie- und Klimaschutzpolitik ist eine Ursache gravierender Wettbewerbsnachteile der Industrieunternehmen in Deutschland. Beispielsweise belasten hohe Energie- und Transformationsvorgaben wie die EU-Flottenregulierung die Automobilindustrie und ihre Zulieferer. Gleichzeitig hemmen komplexe regulatorische Anforderungen Investitionen am Heimatstandort. Nötig sind weniger Detailsteuerung, sondern verlässliche Rahmenbedingungen. Dekarbonisierung sollte nicht zulasten von Industrie und Beschäftigung gehen! Das Emissionshandelssystem sollte dringend reformiert werden. Die Industrie braucht auch in den kommenden Jahren ausreichend kostenfreie Zertifikate, um nicht weitere Wettbewerbsnachteile hinnehmen zu müssen.“
„Die Logistikbranche steht vor erheblichen Herausforderungen durch hohe Kraftstoffpreise, Fahrermangel und Qualitätsmängel bei Straßen, Schienenwegen und Brücken. Damit wir mit unseren Fahrzeugflotten den Umstieg auf klimaneutrale Antriebe und Kraftstoffe schaffen, brauchen wir mehr Zeit und mehr Technologieoffenheit. EU, Bund und Länder sollten nicht länger einzelne strombasierte Techniken privilegieren und andere klimaneutrale Lösungen wie flüssige oder gasförmige E-Fuels benachteiligen. Deshalb unterstützen wir den Emissionshandel als Verfahren, welches Technologieoffenheit und effizienten Klimaschutz ermöglicht. Auch nationale Verschärfungen der europäischen Vorgaben sollten unterbleiben, denn sie führen zu neuen Wettbewerbsnachteilen.“
„Die Bau- und Immobilienwirtschaft ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor in der Region. Die zunehmende Bürokratie und Regulierung erschweren Investitionen in Gebäudebestand und Neubau erheblich. Statt immer neuer Detailvorgaben wünschen wir uns einen spürbaren Abbau regulatorischer Lasten. Ab 2028 sollte in den Sektoren Gebäude und Verkehr das geplante zweite EU-weite Emissionshandelssystem als zentrales Steuerungsinstrument der Klimaschutzpolitik mit realistischen Zeitplänen zur Emissionsminderung eingeführt werden.“
Unsere Positionen finden Sie auch online unter: https://frankfurt-main.ihk.de/klimaschutz-position