Öffentlicher Raum als Standortfaktor: Frankfurts Straßen und Plätze aufwerten


22. Oktober 2026
Frankfurt sollte bei der Gestaltung seiner Straßen, Plätze und Freiräume seine Potenziale konsequenter nutzen und das im Koalitionsvertrag formulierte Ziel, Frankfurt „schöner zu machen“ zeitnah angehen. Dies ist die gemeinsame Erkenntnis der Teilnehmer der Podiumsdiskussion „Den öffentlichen Raum in Frankfurt am Main aufwerten“, die die IHK Frankfurt am 21. Oktober im Massif E organisiert hat. Der öffentliche Raum ist ein wesentlicher Bestandteil der Standortqualität einer Stadt und prägt das Bild und die Wahrnehmung der Stadt durch Unternehmen, Fachkräfte, Kunden, Gäste und Touristen. Nach einer Keynote des Frankfurter Architekten Jürgen Engel vom Büro KSP-Engel diskutierten auf dem Podium Ulrich Caspar (Präsident IHK Frankfurt am Main), Jürgen Engel (Geschäftsführender Gesellschafter, KSP-Engel GmbH), Stadtrat Yannick Schwander (Dezernent für Mobilität der Stadt Frankfurt am Main), Markus Radermacher (Dezernat für Planen und Wohnen) sowie Robert Mangold (Präsident DEHOGA Hessen),wie die Qualität des öffentlichen Raums in Frankfurt am Main verbessert und in der Wirtschafts- und Standortpolitik verankert werden kann.
„Frankfurt am Main ist eine der führenden Wirtschaftsmetropolen und ein zentraler Verkehrsknoten in Deutschland und Europa. Die Stadt wird international als Finanzplatz, Messestadt, Industrie- und Logistikstandort und europäische Digitalhauptstadt wahrgenommen. Daraus ergeben sich besondere Anforderungen an die Gestaltung des öffentlichen Raums, denen Frankfurt aktuell vielerorts nicht mehr gerecht wird. Das uneinheitliche Stadtmobiliar, eine Vielzahl an Stromkästen, mangelnde Pflege und eine oftmals rein funktionale Planung beeinträchtigen die Qualität vieler Straßen und Plätze“, sagt Ulrich Caspar, Präsident der IHK Frankfurt am Main. „Es wäre gut, wenn die Stadt den öffentlichen Raum wieder mehr als festen Bestandteil der Standortpolitik verstehen würde. Dafür braucht es verbindliche Qualitätsstandards, klare Verantwortlichkeiten und vor allem eine stärkere Umsetzungsorientierung.“
Jürgen Engel, Geschäftsführender Gesellschafter des Frankfurter Architekturbüros KSP-Engel GmbH, betont: „Wir sollten aufhören, den öffentlichen Raum nur aus einzelnen funktionalen Anforderungen heraus zu planen. Eine Straße ist mehr als Verkehrsfläche, ein Platz mehr als die Summe seiner technischen Ausstattungen. Verkehrs-, Freiraum- und Stadtplanung sollten frühzeitig zusammengedacht werden – und mit ihnen die Frage nach Gestaltung, Atmosphäre und Identität. Wir brauchen öffentliche Räume, die nicht nur funktionieren, sondern die hochwertig gestaltet sind, gerne genutzt werden und der Stadt ein Gesicht geben. Frankfurt sollte dafür mehr Mut zu übergeordneten Ideen aufbringen und eine langfristige räumliche Vision entwickeln.“
Yannick Schwander, Stadtrat und Dezernent für Mobilität der Stadt Frankfurt am Main, sieht insbesondere bei der Ausstattung des Straßenraums Möglichkeiten für kurzfristige Verbesserungen: „Wir können an vielen Stellen schnell sichtbare Verbesserungen erreichen, indem wir den öffentlichen Raum konsequent entrümpeln und auf nicht mehr notwendige Elemente verzichten. Weniger Schilder, technische Elemente und Poller können viel bewirken. Gleichzeitig müssen Mobilität, Verkehrssicherheit und Gestaltung zusammengebracht werden.“
Markus Radermacher vom Dezernat für Planen, Wohnen und Personal verweist auf die Bedeutung eines stadtweiten Ansatzes: „Frankfurt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten an vielen Stellen deutlich weiterentwickelt. Diese positive Entwicklung gilt es fortzusetzen. Entscheidend ist, dass wir nicht nur einzelne Leuchtturmprojekte verfolgen, sondern die Qualität im Zusammenspiel vieler kleiner Plätze, Straßen und Freiräume im gesamten Stadtgebiet verbessern. Der von der Frankfurter Koalition geplante Gestaltungskatalog kann dafür einen wichtigen Rahmen setzen.“
Eine hohe Bedeutung hat die Qualität des öffentlichen Raums zudem für Gastronomie, Einzelhandel und Tourismus. Robert Mangold, Präsident des DEHOGA Hessen, erklärt: „Ein attraktiver öffentlicher Raum ist eine wichtige Voraussetzung für eine lebendige Innenstadt. Gute Plätze und Straßen schaffen sichere Aufenthaltsqualität, erhöhen die Frequenz und bieten Raum für Gastronomie und Begegnung. Die Außengastronomie kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Es wäre sehr wichtig, Gastronomie und Einzelhandel gemeinsam zu denken, denn eine attraktive Innenstadt lebt von ihrer Vielfalt.“
Die Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass es nun gelte, zeitnah daranzugehen, den öffentlichen Raum zu „entrümpeln“ sowie einen einheitlichen Gestaltungskatalog zu entwickeln und zu nutzen. Der öffentliche Raum sei das sichtbare Aushängeschild der Stadt und trage zur Attraktivität Frankfurts als Wirtschafts-, Arbeits- und Lebensstandort bei.
Jürgen Engel, Robert Mangold, Yannick Schwander, Markus Radermacher, Ulrich Caspar (v. l. n. r.)