IHK Frankfurt fordert weniger Regulierung der Finanzdienstleister - Caspar: „Damit die gesamte Wirtschaft schneller wachsen kann, sollte die Finanzierung der Realwirtschaft erleichtert und entbürokratisiert werden.”


5. Februar 2026
Wachstum, Effizienz und Kundenorientierung der Finanzdienstleistungswirtschaft werden durch immer mehr staatliche Regulierung beeinträchtigt. Der deutlich angewachsene regulatorische Aufwand verteuert zunehmend Produkte des Finanzdienstleistungssektors und mindert die Befähigung der Intermediäre wie zum Beispiel Factoring- und Leasingunternehmen, Fondsanbieter oder Beteiligungsgesellschaften zur Unternehmensfinanzierung. Um Möglichkeiten zum Gegensteuern zu erörtern, hatte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt am Main am Mittwochabend (4. Februar) zu einer Diskussionsveranstaltung am Frankfurter Börsenplatz eingeladen, bei der Repräsentanten der Finanzdienstleistungswirtschaft mit Mandatsträgern aus Bundes- und Europapolitik diskutierten. Es ging u.a. darum, wie viel Regelungsbedarf tatsächlich besteht, wodurch die Finanzdienstleister besonders belastet werden und wo wirkungsvolle Stellschrauben zur Entlastung der Unternehmen zu finden sind.
Nach einer Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs beim Bundesfinanzminister, Michael Schrodi, debattierten der Europaabgeordnete Damian Boeselager (Volt) sowie der Bundestagsabgeordnete Dr. Philipp Rottwilm (SPD) mit Kai Ostermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leasing AG, und Dr. Helge Lach, Mitglied des Vorstands der Deutschen Vermögensberatung AG, über konkrete regulatorische Barrieren und Bürokratielasten der Finanzdienstleistungswirtschaft.
„In unseren Gesprächen beklagen die Finanzdienstleister Bürokratielasten mittlerweile als größtes Hemmnis für ihren Geschäftserfolg. Zu umfassende, teilweise sich doppelnde Berichtspflichten, langwierige Genehmigungsverfahren, unübersichtliche Regeln und viel zu wenige digitale Prozesse prägen den unternehmerischen Alltag. Knappe Ressourcen werden vom Erfüllungsaufwand aufgefressen. Das gilt in besonderem Maße für die recht dicht regulierte Finanzdienstleistungswirtschaft, deren wichtige Finanzierungsfunktion für die übrige Wirtschaft eingeschränkt wird. Das Thema ist also keinesfalls abstrakt, sondern sollte angepackt werden, damit Deutschland wieder schneller wachsen kann”, sagte Ulrich Caspar, Präsident der IHK Frankfurt am Main, bei der Eröffnung der Veranstaltung.
“Wo alles im Detail geregelt ist, bleibt kein Platz für unternehmerische Freiheit, für das kreative Ausprobieren, für die Innovation, für unternehmerischen Tatendrang. Hier besteht für Politik und Regulatoren erheblicher Handlungsbedarf. Es ist daher zu begrüßen, dass sich die Bundesregierung vorgenommen hat, die Themen Bürokratieabbau und Verwaltungseffizienz mit Priorität anzugehen. Auch auf europäischer Ebene gibt es erste Bemühungen, dem permanenten Bürokratieaufwuchs gegenzusteuern, etwa bei den Regelungen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Allein: Es sollte jetzt nicht bei Absichtserklärungen bleiben. EU und Bund sollten im engen Schulterschluss rasch die Überregulierung des Finanzdienstleistungssektors beseitigen. Ziel sollte ein breites und kostengünstiges Angebot an Finanzdienstleistungen sein, das der Realwirtschaft neue Chancen eröffnet, Marktzugänge erleichtert und zu mehr Wachstum beiträgt“, so Caspar weiter.
Michael Schrodi, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesfinanzminister:
„Das Bundesministerium der Finanzen setzt sich für den Abbau unnötiger Bürokratie ein, um Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen zu entlasten.“
Damian Boeselager, Stv. Vorsitzender des EP-Ausschusses für Wirtschaft und Währung (ECON):
„Wir werden wirkliches Wachstum in Europa nur erleben, wenn wir endlich die Stärke des Binnenmarktes nutzen und neuen Unternehmen eine Chance geben. Nationale Alleingänge in der Regulierung hemmen das Wachstum neuer Unternehmen und machen uns schwach im Vergleich zu den USA und China. Gleichzeitig fehlt es uns massiv an Innovationskapital. Sparer und Rentenkassen müssen mehr in die Zukunft investieren dürfen!“
Dr. Philipp Rottwilm, Mitglied des Bundestags-Finanzausschusses:
„Drei Dinge sind nötig, damit mehr Geld in Betriebe und Zukunftsprojekte fließt: Wir müssen erstens in der Altersvorsorge stärker den Kapitalmarkt nutzen, zweitens den Finanzsektor von unnötiger Bürokratie entlasten und drittens einen einheitlichen europäischen Finanzmarkt schaffen. An diesen Punkten arbeitet die Regierungskoalition in nie gekannter Geschwindigkeit. Mit dem Standortfördergesetz, dem BRUBEG und dem anstehenden Fondsrisikobegrenzungsgesetz haben wir die Regeln für die Finanzbranche deutlich entschlackt und vereinheitlicht. Wir öffnen die private und betriebliche Altersvorsorge für den Kapitalmarkt. Und wir forcieren gemeinsam mit Frankreich die Vollendung der Savings and Investment Union in Europa."
Kai Ostermann, Präsident des Bundesverbands Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) und Vorstandsvorsitzender der Deutsche Leasing AG:
„Leasing-Gesellschaften sind keine Banken – sie sind weniger komplex und risikoärmer, werden aber durch die für sie aufwändige, bankengleiche Regulierung ausgebremst. Regulierung soll Risiken adressieren – nicht Geschäftsmodelle erschweren. Ständig wachsende bürokratische Anforderungen binden zu viele Ressourcen und schwächen den Wirtschaftsstandort Deutschland."
Dr. Helge Lach, Mitglied des Vorstands der Deutschen Vermögensberatung AG:
„Wir wünschen uns sehr, dass Brüssel und Berlin, wenn es um Deregulierung und Bürokratieabbau geht, auch die Finanzbranche im Blick haben. Wir ersticken in Überregulierung. Das kostet Geld, bindet Fachkräfte und lähmt den gesamten Wirtschaftszweig.”