Frühjahrstagung des IHK-Bankenausschusses: Benkredda, Josef und Steinbrück betonen die Bedeutung des Finanzplatzes, fordern Verhältnismäßigkeit bei der Bankenregulierung sowie umfassende Strukturreformen
13. Mai 2026
Am Rande der gestrigen Sitzung des Bankenausschusses der IHK Frankfurt betonte dessen Vorsitzende, Souâd Benkredda, die Wichtigkeit, kleine und regionale Institute etwa bei der Umsetzung der EU-Eigenkapitalrichtlinie (CRD VI) nicht zu überfordern: „Proportionale Regulierung und weniger administrative Lasten zahlen unmittelbar auf die Wettbewerbsfähigkeit insbesondere kleinerer Kreditinstitute ein. Derzeit ist in der Politik der Wille spürbar, sich auch der wichtigen Frage nach der Praxistauglichkeit von Finanzmarktregeln sowie nach Wegen zum Abbau von Bürokratie, von Redundanzen und Widersprüchlichkeiten im bankbezogenen Regelkanon zuzuwenden. Dieses Momentum müssen wir jetzt nutzen.“
Der Bankenausschuss der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt am Main diskutierte in seiner turnusmäßigen Frühjahrssitzung unter anderem, wie der Finanzplatz Frankfurt weiterentwickelt werden kann, welche Strukturreformen in Deutschland vor dem Hintergrund massiver geopolitischer Veränderungen, eines dichten Netzes an regulatorischen Anforderungen sowie vor dem Hintergrund des rasanten digitalen Wandels notwendig sind. Hochrangige Gastreferenten der Sitzung waren Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef sowie der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück.
Oberbürgermeister Mike Josef betonte in seinem Impuls die besondere Verantwortung der Kommunalpolitik für die Zukunft Frankfurts als führendes Finanzzentrum Europas: „Frankfurt ist das Herz der deutschen Kreditwirtschaft und zugleich ein internationaler Knotenpunkt für Stabilität, Innovation und globale Vernetzung. Unser Anspruch ist es, die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes aktiv zu stärken – mit schnellen und verlässlichen Verwaltungsprozessen, einer modernen und leistungsfähigen Infrastruktur sowie einem attraktiven und gepflegten Stadtbild. Gerade bei der Gewinnung internationaler Fachkräfte wollen wir als weltoffene Metropole bürokratische Hürden abbauen und den Zuzug erleichtern.“ Mit Blick auf die Europäische Schule unterstrich Josef die hohe Bedeutung des Projekts für den internationalen Standort Frankfurt: „Die Europäische Schule ist ein entscheidender Baustein für die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt als internationaler Finanz- und Wirtschaftsstandort. Deshalb werden wir die nächsten Schritte mit hoher Priorität vorantreiben.“
Peer Steinbrück, Bundesfinanzminister a.D., ordnete die aktuellen Herausforderungen der deutschen Kreditwirtschaft angesichts der aktuellen geopolitischen Lage ein und nahm dabei auch Bezug auf die jüngsten Vorschläge zu notwendigen Strukturreformen, die er in Zusammenarbeit mit der Medienmanagerin Julia Jäkel, Bundesminister a.D. Thomas de Maizière sowie dem ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, in der „Initiative für einen handlungsfähigen Staat” vorgelegt hatte. „Deutschland braucht den Mut zu tiefgreifenden Strukturreformen - und zwar auf allen föderalen Ebenen von Verwaltung und Politik. Nur wenn wir Entscheidungsprozesse beschleunigen und Verantwortung klar zuordnen, sichern wir langfristig wirtschaftliche Stärke und gesellschaftlichen Zusammenhalt“, so Steinbrück.
Bild: v.l.n.r.: Mike Josef, Ulrich Caspar, Souâd Benkredda, Peer Steinbrück, Eddy Henning © IHK Frankfurt am Main
