Standort Deutschland: Was die Industrie jetzt braucht
Langjährige Erfahrung und eine hohe Affinität in den Bereichen des produzierenden Gewerbes und der Beratung von Industrieunternehmen zeichnen Andrea Eckert (Geschäftsführende Gesellschafterin Weppler Filter GmbH), Stefanie Kaulich (Geschäftsführerin Beyer & Kaulich Unternehmensberatung GmbH) und Dr. Thomas W. Büttner (Geschäftsführer ICIG Energy Services GmbH) aus. Ein Gespräch mit den Vorsitzenden des Industrieausschusses der IHK-Frankfurt am Main.
Bevor wir einen Blick auf die aktuelle wirtschaftliche Situation der Unternehmen im Netzwerk Industrie in der Metropolregion FrankfurtRheinMain werfen, würde mich zunächst interessieren, inwieweit die Erfahrungen aus der COVID-19-Pandemie zu einer Veränderung der Unternehmenspolitik geführt hat. Seit der Pandemie wird der Begriff „Resilienz“ vielfältig verwendet. Inwieweit hat nach Ihrer Einschätzung die Industrie tatsächlich ihre „Widerstandsfähigkeit“ erhöht?
Kaulich:
Ich denke, wir sind auf jeden Fall flexibler geworden, irgendwie gelassener. Wir haben diese Pandemie erlebt und wissen, dass so etwas in ähnlicher Form jederzeit wieder geschehen kann. Ich denke, dass wir vorausschauender geworden sind und gelernt haben, auf unvorhergesehene Dinge zu reagieren. Ich bekomme als Dienstleisterin mit, dass sich die Unternehmen stärker als früher mit dem Thema „Krisenmanagement“ beschäftigen, um sich auf unvorhersehbare Situationen vorzubereiten. Das können Störungen der Lieferketten oder der Energieversorgung ebenso sein wie Cyberangriffe.
Ich denke, wir sind auf jeden Fall flexibler geworden, irgendwie gelassener. Wir haben diese Pandemie erlebt und wissen, dass so etwas in ähnlicher Form jederzeit wieder geschehen kann. Ich denke, dass wir vorausschauender geworden sind und gelernt haben, auf unvorhergesehene Dinge zu reagieren. Ich bekomme als Dienstleisterin mit, dass sich die Unternehmen stärker als früher mit dem Thema „Krisenmanagement“ beschäftigen, um sich auf unvorhersehbare Situationen vorzubereiten. Das können Störungen der Lieferketten oder der Energieversorgung ebenso sein wie Cyberangriffe.
Eckert:
Mit nicht vorhersehbaren Ereignissen umzugehen und flexibel zu reagieren, gehört zum Unternehmensalltag. Und in meinem Unternehmen hat sich gezeigt, dass wir uns schnell den Herausforderungen der Pandemie anpassen konnten. Als produzierendes Unternehmen konnten wir nicht die ganze Belegschaft ins Homeoffice schicken, aber es hat letztendlich alles sicher und gut funktioniert. Aus den Erfahrungen haben wir gelernt und unsere gesamte Mannschaft ist sicher dadurch „resilienter“ geworden. Natürlich überdenkt man auch aufgrund der Erfahrungen seine Lieferketten. Grundsätzlich können in der industriellen Produktion aber viele Vorprodukte nicht aus Deutschland bezogen werden. Da ist es mit der Resilienz schon schwieriger.
Mit nicht vorhersehbaren Ereignissen umzugehen und flexibel zu reagieren, gehört zum Unternehmensalltag. Und in meinem Unternehmen hat sich gezeigt, dass wir uns schnell den Herausforderungen der Pandemie anpassen konnten. Als produzierendes Unternehmen konnten wir nicht die ganze Belegschaft ins Homeoffice schicken, aber es hat letztendlich alles sicher und gut funktioniert. Aus den Erfahrungen haben wir gelernt und unsere gesamte Mannschaft ist sicher dadurch „resilienter“ geworden. Natürlich überdenkt man auch aufgrund der Erfahrungen seine Lieferketten. Grundsätzlich können in der industriellen Produktion aber viele Vorprodukte nicht aus Deutschland bezogen werden. Da ist es mit der Resilienz schon schwieriger.
Dr. Büttner:
Aus meiner Sicht ist Corona bei den Unternehmen inzwischen abgehakt. Wir haben zurzeit noch viel größere Herausforderungen. Diese Multiplizität der Krisen, wie wir sie derzeit erleben, sind wir nicht gewohnt. Dazu ist Resilienz wichtig, damit wir nicht gleich die Nerven verlieren.
Aus meiner Sicht ist Corona bei den Unternehmen inzwischen abgehakt. Wir haben zurzeit noch viel größere Herausforderungen. Diese Multiplizität der Krisen, wie wir sie derzeit erleben, sind wir nicht gewohnt. Dazu ist Resilienz wichtig, damit wir nicht gleich die Nerven verlieren.
Auf diesen Punkt wollte ich gerade zu sprechen kommen. Am 24. Februar 2022 starteten die russischen Streitkräfte gegen die Ukraine die größte militärische Offensive in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg; nach dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 eskalierte die Lage im Nahen Osten; in der Nacht vom 21. auf den 22. Juni 2025 bombardierten die US-Streitkräfte Atomanlagen im Iran. Und Anfang Juli 2025 verschickte Donald Trump zahlreiche „Drohbriefe“ an eigentlich befreundete Staaten – darunter die Europäische Union – mit der Androhung von hohen Strafzöllen. Die geopolitischen Herausforderungen sind derzeit also hoch. Wie wirken sich diese Herausforderungen hier auf die Region FrankfurtRheinMain aus?
Dr. Büttner:
Sie haben das geopolitische Umfeld umfassend dargestellt. Ich denke, im Vergleich zu dem, was wir seit 2022 erleben, war Corona mit Blick auf die Wirtschaft beherrschbarer. Wo ich aber seit der Pandemie einen durchgängigen Roten Faden sehe, ist, dass Resilienz bedeutet, dass in den allermeisten Unternehmen Controller am Schalthebel sitzen. Das bedeutet für mich einerseits, dass man möglichst viel Liquidität halten möchte, weil man nie weiß, was passiert, andererseits aber zukunftsorientierte Investitionen zurückhält, oder anders ausgedrückt: Alles, was „Nice to Have“ ist, aber nicht „Necessary to Have“, wird gnadenlos gestrichen. Zurzeit führen die vielfältigen Herausforderungen dazu, dass die Unternehmen vorrangig unter dem Motto „Cash is King“ agieren.
Sie haben das geopolitische Umfeld umfassend dargestellt. Ich denke, im Vergleich zu dem, was wir seit 2022 erleben, war Corona mit Blick auf die Wirtschaft beherrschbarer. Wo ich aber seit der Pandemie einen durchgängigen Roten Faden sehe, ist, dass Resilienz bedeutet, dass in den allermeisten Unternehmen Controller am Schalthebel sitzen. Das bedeutet für mich einerseits, dass man möglichst viel Liquidität halten möchte, weil man nie weiß, was passiert, andererseits aber zukunftsorientierte Investitionen zurückhält, oder anders ausgedrückt: Alles, was „Nice to Have“ ist, aber nicht „Necessary to Have“, wird gnadenlos gestrichen. Zurzeit führen die vielfältigen Herausforderungen dazu, dass die Unternehmen vorrangig unter dem Motto „Cash is King“ agieren.
Eckert:
Ja, diese Sparzwänge bekommen wir als Automobilzulieferer auch unmittelbar zu spüren. Die Automobilindustrie belasten ja nicht nur wie die Industrie insgesamt hohe Energie- und Arbeitskosten, sondern auch die besonderen US-Strafzölle für die Automobilindustrie und – die aus meiner Sicht falschen – politischen Entscheidungen wie das Verbot des Verbrennungsmotors. Diese Entscheidungen haben den preislichen Wettbewerbsdruck für die deutsche Automobilindustrie nochmals massiv verschärft. Das führt dazu, dass Qualität aus Deutschland zum Beispiel auch bei sicherheitsrelevanten Teilen an Bedeutung verliert und das Preiskriterium bei Aufträgen in den Vordergrund rückt. Da können deutsche Unternehmen im Vergleich zu asiatischen in der Regel nicht mithalten.
Ja, diese Sparzwänge bekommen wir als Automobilzulieferer auch unmittelbar zu spüren. Die Automobilindustrie belasten ja nicht nur wie die Industrie insgesamt hohe Energie- und Arbeitskosten, sondern auch die besonderen US-Strafzölle für die Automobilindustrie und – die aus meiner Sicht falschen – politischen Entscheidungen wie das Verbot des Verbrennungsmotors. Diese Entscheidungen haben den preislichen Wettbewerbsdruck für die deutsche Automobilindustrie nochmals massiv verschärft. Das führt dazu, dass Qualität aus Deutschland zum Beispiel auch bei sicherheitsrelevanten Teilen an Bedeutung verliert und das Preiskriterium bei Aufträgen in den Vordergrund rückt. Da können deutsche Unternehmen im Vergleich zu asiatischen in der Regel nicht mithalten.
Kaulich:
Die „Kassenhaltung“ in den Unternehmen, die Sparzwänge, sind zweifellos Folge einer großen Unsicherheit. Was wird außenpolitisch als nächstes geschehen? Kürzlich wurde der Luftraum über Katar geschlossen, so etwas hat man nicht unbedingt auf dem Schirm gehabt. Und welche Folgen hätte es, wenn der Iran sich vielleicht doch entschließt, die Straße von Hormus zu blockieren? Und was Trump morgen verkündet, wissen wir auch nicht.
Die „Kassenhaltung“ in den Unternehmen, die Sparzwänge, sind zweifellos Folge einer großen Unsicherheit. Was wird außenpolitisch als nächstes geschehen? Kürzlich wurde der Luftraum über Katar geschlossen, so etwas hat man nicht unbedingt auf dem Schirm gehabt. Und welche Folgen hätte es, wenn der Iran sich vielleicht doch entschließt, die Straße von Hormus zu blockieren? Und was Trump morgen verkündet, wissen wir auch nicht.
Kommen wir kurz auf unsere letzte Konjunkturumfrage im Frühsommer 2025 zu sprechen. Da macht sich die hohe Unsicherheit auch bemerkbar: Zwar hat sich das Geschäftsklima sowohl im Verarbeitenden Gewerbe als auch bei den industrienahen Dienstleistern etwas verbessert; die aktuellen Konjunkturindikatoren deuten aber nicht auf eine wirtschaftliche Belebung hin. Welche Erwartungen haben Sie in Bezug auf die konjunkturelle Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten?
Kaulich:
Ich erwarte keine wesentliche Verschlechterung der konjunkturellen Lage in den kommenden Monaten, aber auch keine deutliche Verbesserung. Es wird für die Unternehmen bei sehr kurzfristigen Planungshorizonten bleiben und Investitionsentscheidungen eher kurzfristig entschieden werden.
Ich erwarte keine wesentliche Verschlechterung der konjunkturellen Lage in den kommenden Monaten, aber auch keine deutliche Verbesserung. Es wird für die Unternehmen bei sehr kurzfristigen Planungshorizonten bleiben und Investitionsentscheidungen eher kurzfristig entschieden werden.
Dr. Büttner:
Ja, in der kurzen Frist sehe ich das grundsätzlich auch so. Allerdings habe ich den Eindruck, dass die Auswirkungen der US-Amerikanischen Zollpolitik hierzulande noch unterschätzt werden. Nehmen wir zum Beispiel die Strafzölle auf Aluminium. Da denken wir zunächst nur an große Aluminiumwerke, von denen es ja nur wenige in Deutschland gibt. Aber die Zölle betreffen zum Beispiel genauso den mittelständischen Hersteller von Aluminiumleitern, da nicht nur die Rohstoffherstellung, sondern auch die Rohstoffverarbeitung den Zöllen unterliegt.
Ja, in der kurzen Frist sehe ich das grundsätzlich auch so. Allerdings habe ich den Eindruck, dass die Auswirkungen der US-Amerikanischen Zollpolitik hierzulande noch unterschätzt werden. Nehmen wir zum Beispiel die Strafzölle auf Aluminium. Da denken wir zunächst nur an große Aluminiumwerke, von denen es ja nur wenige in Deutschland gibt. Aber die Zölle betreffen zum Beispiel genauso den mittelständischen Hersteller von Aluminiumleitern, da nicht nur die Rohstoffherstellung, sondern auch die Rohstoffverarbeitung den Zöllen unterliegt.
Eckert:
Ich bin wie Herr Dr. Büttner auch eher pessimistisch. Dabei sehe ich nicht nur die US-Amerikanische Zollpolitik als besondere Herausforderung. Vor allem fehlt es mir zurzeit auch noch an den richtigen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen der neuen Bundesregierung.
Ich bin wie Herr Dr. Büttner auch eher pessimistisch. Dabei sehe ich nicht nur die US-Amerikanische Zollpolitik als besondere Herausforderung. Vor allem fehlt es mir zurzeit auch noch an den richtigen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen der neuen Bundesregierung.
Wenn wir längerfristig denken: Wie sehen Sie denn die Zukunftsaussichten des Verarbeitenden Gewerbes und des Netzwerks Industrie in Deutschland bzw. FrankfurtRheinMain?
Dr. Büttner:
Mir bereitet die aktuelle Entwicklung in der Industrie Sorge – und auch die unzureichende Wahrnehmung dieser Entwicklungen in der Politik. Für politische Entscheidungsträger sind vielleicht Startups mehr „sexy“, wenn junge Leute neue Apps oder andere digitale Anwendungen entwickeln. Aber wenn Unternehmen mit 100-jähriger Tradition ihre Betriebe aufgeben, hängen daran zahlreiche Arbeitsplätze. Und auch die vielen kleinen mittelständischen Unternehmen, die ja das wirtschaftliche Rückgrat in Deutschland ausmachen, finden viel zu wenig Beachtung. Nicht richtig ernst nimmt man zurzeit zum Beispiel auch, dass der US-Chemiekonzern Dow Chemical mehrere Großanlagen in Ostdeutschland schließen wird. Von diesem Aus werden weitere Firmen und damit Arbeitsplätze betroffen sein.
Mir bereitet die aktuelle Entwicklung in der Industrie Sorge – und auch die unzureichende Wahrnehmung dieser Entwicklungen in der Politik. Für politische Entscheidungsträger sind vielleicht Startups mehr „sexy“, wenn junge Leute neue Apps oder andere digitale Anwendungen entwickeln. Aber wenn Unternehmen mit 100-jähriger Tradition ihre Betriebe aufgeben, hängen daran zahlreiche Arbeitsplätze. Und auch die vielen kleinen mittelständischen Unternehmen, die ja das wirtschaftliche Rückgrat in Deutschland ausmachen, finden viel zu wenig Beachtung. Nicht richtig ernst nimmt man zurzeit zum Beispiel auch, dass der US-Chemiekonzern Dow Chemical mehrere Großanlagen in Ostdeutschland schließen wird. Von diesem Aus werden weitere Firmen und damit Arbeitsplätze betroffen sein.
Eckert:
Was derzeit für die Chemieindustrie gilt, gilt auch für viele andere Branchen. Die Standortbedingungen für die Industrie in Deutschland sind schwierig. Die Politik hat in den letzten Jahren die Herausforderungen für die Industrie massiv verschärft. Es fehlt einfach an Vertrauen in die Unternehmer und auch in die Bürger. Dieses fehlende Vertrauen ist aus meiner Sicht die zentrale Ursache für die überbordende Bürokratie. Alles muss flächendeckend dokumentiert und zertifiziert werden, anstatt stichprobenartig zu prüfen. Es ist zum Beispiel im ureigenen Interesse eines Unternehmens, Energie und Rohstoffressourcen zu sparen und sichere Produktionsverfahren anzuwenden. Und als Vertreterin der Automobilzuliefer-Branche wünschte ich mir auch, dass anstelle eines Verbrenner-Verbotes, der notwendige technologische Wandel durch Anreizsysteme vorangebracht werden würde. Technologieoffenheit würde auch Forschung und Entwicklung fördern. Wir haben in Deutschland so viel technisches und unternehmerisches Potenzial, das durch staatliche Bevormundung nicht ausreichend genutzt werden kann.
Was derzeit für die Chemieindustrie gilt, gilt auch für viele andere Branchen. Die Standortbedingungen für die Industrie in Deutschland sind schwierig. Die Politik hat in den letzten Jahren die Herausforderungen für die Industrie massiv verschärft. Es fehlt einfach an Vertrauen in die Unternehmer und auch in die Bürger. Dieses fehlende Vertrauen ist aus meiner Sicht die zentrale Ursache für die überbordende Bürokratie. Alles muss flächendeckend dokumentiert und zertifiziert werden, anstatt stichprobenartig zu prüfen. Es ist zum Beispiel im ureigenen Interesse eines Unternehmens, Energie und Rohstoffressourcen zu sparen und sichere Produktionsverfahren anzuwenden. Und als Vertreterin der Automobilzuliefer-Branche wünschte ich mir auch, dass anstelle eines Verbrenner-Verbotes, der notwendige technologische Wandel durch Anreizsysteme vorangebracht werden würde. Technologieoffenheit würde auch Forschung und Entwicklung fördern. Wir haben in Deutschland so viel technisches und unternehmerisches Potenzial, das durch staatliche Bevormundung nicht ausreichend genutzt werden kann.
Kaulich:
Ich stimme diesen Einschätzungen grundsätzlich zu. Es gibt aber auch Bereiche, die von den gegenwärtigen Herausforderungen profitieren. Ich denke hier zum Beispiel an den ganzen Komplex „Sicherheit“ im Allgemeinen und Cyber-Sicherheit im Besonderen. Das Thema „Krisenprävention“ hatte ich bereits erwähnt. Hohe Rohstoffkosten und der Klimawandel werden auch dazu führen, dass das Thema „Circular Economy“ weiter an Bedeutung gewinnt. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der Rohstoffgewinnung über die Produktentwicklung bis hin zum Recycling bieten sich unternehmerische Chancen. Und schließlich bietet die Künstliche Intelligenz, gerade auch mit dem in Deutschland verfügbaren Know-how, das wir in Deutschland haben, vielfältige Chancen in den unterschiedlichsten Anwendungsbereichen, bei der Anlagensteuerung ebenso wie im Gesundheitssektor.
Ich stimme diesen Einschätzungen grundsätzlich zu. Es gibt aber auch Bereiche, die von den gegenwärtigen Herausforderungen profitieren. Ich denke hier zum Beispiel an den ganzen Komplex „Sicherheit“ im Allgemeinen und Cyber-Sicherheit im Besonderen. Das Thema „Krisenprävention“ hatte ich bereits erwähnt. Hohe Rohstoffkosten und der Klimawandel werden auch dazu führen, dass das Thema „Circular Economy“ weiter an Bedeutung gewinnt. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der Rohstoffgewinnung über die Produktentwicklung bis hin zum Recycling bieten sich unternehmerische Chancen. Und schließlich bietet die Künstliche Intelligenz, gerade auch mit dem in Deutschland verfügbaren Know-how, das wir in Deutschland haben, vielfältige Chancen in den unterschiedlichsten Anwendungsbereichen, bei der Anlagensteuerung ebenso wie im Gesundheitssektor.
Das Thema „Standortbedingungen“ wurde bereits angesprochen. In der Tat zeigen aktuelle Umfragen – unter anderem auch von der IHK-Organisation –, dass zahlreiche Unternehmen Investitionen im Inland zurückhalten und auch über Produktionsverlagerungen ins Ausland nachdenken. Wo sehen Sie die Hauptdefizite Deutschlands im internationalen Wettbewerb?
Eckert:
Das Thema Bürokratie habe ich schon ausgeführt. Kurz gesagt: Ein chinesisches Unternehmen muss sich um die ganzen Dokumentationspflichten keine Gedanken machen! Aber die Bürokratie bindet nicht nur viele Personalressourcen und kostet Geld, sondern verhindert oder zumindest behindert Beschäftigung. Bei Fachkräften aus dem Ausland dauert es zum Teil ewig, bis sie nach Deutschland kommen dürfen. Und selbst dann, wenn sie bereits hier sind, ist es kompliziert. Wir haben zum Beispiel eine Frau ausgebildet, die wir gleich gern unmittelbar im Anschluss übernommen hätten. Das ging aber nicht, weil erst nochmal die Aufenthaltsstatus geprüft werden musste. So musste sie einen Monat später bei uns wieder anfangen. Und warum kommen wir im Arbeitszeitgesetz nicht endlich weg von den Tagesstunden. Viele in meinem Betrieb wären sicher begeistert, wenn wir grundsätzlich auf Wochenarbeitszeiten umstellen würden. Das schaffte nicht nur mehr Flexibilität im Unternehmen, sondern auch für die Menschen. Eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten würde auch unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. In der Produktion können zum Beispiel chinesische Unternehmen deutliche kürzere Produktionsziele realisieren, da diese Firmen ihren 24 Stunden-Betrieb an sieben Tagen die Woche problemlos umsetzen können.
Zunehmend Sorge bereiten mir auch die steigenden Arbeitskosten. Wir diskutieren permanent das Thema Mindestlohn. Aber entweder führt ein Anstieg des Mindestlohns dazu, dass sich Aus- und Weiterbildung finanziell kaum noch lohnt, oder es führt zu einem allgemeinen Anstieg des Lohnniveaus. Die hierfür notwendigen finanziellen Mittel müssen aber erst einmal im Unternehmen unter den derzeit schwierigen Rahmenbedingungen verdient werden! Wir haben 280 Mitarbeiter an unserem Standort Oberursel. In der letzten Tarifrunde hat die IG Metall zum Beispiel 7 Prozent mehr Lohn bei einer Tariflaufzeit von 12 Monaten gefordert, obwohl die Inflation deutlich zurückgegangen ist. Letztendlich sind die Lohnsteigerungen etwas geringer ausgefallen, aber es sind für uns dennoch erhebliche Mehrkosten entstanden, die wir nicht an unsere Kunden weitergeben können. Und schließlich sind im internationalen Standortwettbewerb die hohen Energiekosten von Nachteil.
Das Thema Bürokratie habe ich schon ausgeführt. Kurz gesagt: Ein chinesisches Unternehmen muss sich um die ganzen Dokumentationspflichten keine Gedanken machen! Aber die Bürokratie bindet nicht nur viele Personalressourcen und kostet Geld, sondern verhindert oder zumindest behindert Beschäftigung. Bei Fachkräften aus dem Ausland dauert es zum Teil ewig, bis sie nach Deutschland kommen dürfen. Und selbst dann, wenn sie bereits hier sind, ist es kompliziert. Wir haben zum Beispiel eine Frau ausgebildet, die wir gleich gern unmittelbar im Anschluss übernommen hätten. Das ging aber nicht, weil erst nochmal die Aufenthaltsstatus geprüft werden musste. So musste sie einen Monat später bei uns wieder anfangen. Und warum kommen wir im Arbeitszeitgesetz nicht endlich weg von den Tagesstunden. Viele in meinem Betrieb wären sicher begeistert, wenn wir grundsätzlich auf Wochenarbeitszeiten umstellen würden. Das schaffte nicht nur mehr Flexibilität im Unternehmen, sondern auch für die Menschen. Eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten würde auch unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. In der Produktion können zum Beispiel chinesische Unternehmen deutliche kürzere Produktionsziele realisieren, da diese Firmen ihren 24 Stunden-Betrieb an sieben Tagen die Woche problemlos umsetzen können.
Zunehmend Sorge bereiten mir auch die steigenden Arbeitskosten. Wir diskutieren permanent das Thema Mindestlohn. Aber entweder führt ein Anstieg des Mindestlohns dazu, dass sich Aus- und Weiterbildung finanziell kaum noch lohnt, oder es führt zu einem allgemeinen Anstieg des Lohnniveaus. Die hierfür notwendigen finanziellen Mittel müssen aber erst einmal im Unternehmen unter den derzeit schwierigen Rahmenbedingungen verdient werden! Wir haben 280 Mitarbeiter an unserem Standort Oberursel. In der letzten Tarifrunde hat die IG Metall zum Beispiel 7 Prozent mehr Lohn bei einer Tariflaufzeit von 12 Monaten gefordert, obwohl die Inflation deutlich zurückgegangen ist. Letztendlich sind die Lohnsteigerungen etwas geringer ausgefallen, aber es sind für uns dennoch erhebliche Mehrkosten entstanden, die wir nicht an unsere Kunden weitergeben können. Und schließlich sind im internationalen Standortwettbewerb die hohen Energiekosten von Nachteil.
Dr. Büttner:
Die hohen Standortkosten führen dazu, dass sich die Entscheidungsträger gegen den Standort Deutschland entscheiden. In den Unternehmen werden die Standortkosten miteinander verglichen und dann der Return on Invest (ROI) berechnet. Da schneidet Deutschland nicht gut ab. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, beteiligt man sich dann zum Beispiel eher an einem Unternehmen in Indien als hier zu investieren. Eine Entscheidung gegen den Standort Deutschland ist es aber häufig auch, wenn Familienunternehmen nach mehreren Generationen ihren Betrieb aufgeben, weil die Kinder die mit dem Unternehmertum zunehmend verbundenen bürokratischen Lasten nicht auf sich nehmen möchten. Ich bin seit 41 Jahren berufstätig und kann bestätigen, dass die Bürokratie stetig zugenommen hat. Wir haben zwar inzwischen das fünfte, sechste, siebte Entbürokratiesierungsgesetz gemacht, aber es ist immer schlimmer geworden. Ich habe ein praktisches Beispiel: Als ich von der Funktion des Umweltjuristen in die Geschäftsführung des Unternehmens gewechselt bin, hatten wir die 17. Bundesimmissionsschutz-Verordnung. Heute haben wir die 44. Wenn so etwas über die Zeit wächst, ist dies häufig auch zu Lasten der Konsistenz. Und dann haben wir auch noch 16 Bundesländer mit unterschiedlichen Regelungen. Derzeit gibt es kein klares Programm – außer vielleicht vom VCI – wie man die Genehmigungsverfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz vereinfachen kann.
Die hohen Standortkosten führen dazu, dass sich die Entscheidungsträger gegen den Standort Deutschland entscheiden. In den Unternehmen werden die Standortkosten miteinander verglichen und dann der Return on Invest (ROI) berechnet. Da schneidet Deutschland nicht gut ab. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, beteiligt man sich dann zum Beispiel eher an einem Unternehmen in Indien als hier zu investieren. Eine Entscheidung gegen den Standort Deutschland ist es aber häufig auch, wenn Familienunternehmen nach mehreren Generationen ihren Betrieb aufgeben, weil die Kinder die mit dem Unternehmertum zunehmend verbundenen bürokratischen Lasten nicht auf sich nehmen möchten. Ich bin seit 41 Jahren berufstätig und kann bestätigen, dass die Bürokratie stetig zugenommen hat. Wir haben zwar inzwischen das fünfte, sechste, siebte Entbürokratiesierungsgesetz gemacht, aber es ist immer schlimmer geworden. Ich habe ein praktisches Beispiel: Als ich von der Funktion des Umweltjuristen in die Geschäftsführung des Unternehmens gewechselt bin, hatten wir die 17. Bundesimmissionsschutz-Verordnung. Heute haben wir die 44. Wenn so etwas über die Zeit wächst, ist dies häufig auch zu Lasten der Konsistenz. Und dann haben wir auch noch 16 Bundesländer mit unterschiedlichen Regelungen. Derzeit gibt es kein klares Programm – außer vielleicht vom VCI – wie man die Genehmigungsverfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz vereinfachen kann.
Kaulich:
Deutschland und insbesondere auch FrankfurtRheinMain ist für Unternehmen ein sehr teurer Standort: Energiekosten, Personalkosten, Steuern, Bürokratiekosten…. Da kann ich das zuvor Gesagte nur wiederholen. Eine besondere Herausforderung sehe ich zudem bei der Verfügbarkeit geeigneter Fachkräfte. Insbesondere durch den technologischen Wandel verändern sich Kompetenzanforderungen an die Beschäftigten. So wird es zukünftig in den Unternehmen zu einer viel stärkeren Verzahnung zwischen technischen und kaufmännischen Bereich kommen. Wichtig ist, dass wir die Menschen bei diesem Prozess mitnehmen.
Deutschland und insbesondere auch FrankfurtRheinMain ist für Unternehmen ein sehr teurer Standort: Energiekosten, Personalkosten, Steuern, Bürokratiekosten…. Da kann ich das zuvor Gesagte nur wiederholen. Eine besondere Herausforderung sehe ich zudem bei der Verfügbarkeit geeigneter Fachkräfte. Insbesondere durch den technologischen Wandel verändern sich Kompetenzanforderungen an die Beschäftigten. So wird es zukünftig in den Unternehmen zu einer viel stärkeren Verzahnung zwischen technischen und kaufmännischen Bereich kommen. Wichtig ist, dass wir die Menschen bei diesem Prozess mitnehmen.
Das stellt natürlich auch neue Anforderungen an das System der Aus- und Weiterbildung…
Kaulich:
Richtig, und dafür benötigen wir auch entsprechend qualifizierte Lehrkräfte. Ich habe zum Beispiel einen Kunden, der ein Qualifizierungsprogramm (Studiengang) aufgesetzt hat, um die kaufmännischen und technischen Welten miteinander zu verbinden. Was aber das Problem ist: Sie haben hierfür nicht die passenden Dozenten. Die einen beherrschen den kaufmännischen Bereich, die anderen den technischen. Sie sollen aber beides beherrschen - und zudem theoretisches Wissen mit betrieblicher Praxisanwendung verzahnen. Das ist nur ein Beispiel. Aber vor allem auch die Digitalisierung und der Umgang mit Künstlicher Intelligenz stellen neue Anforderungen an das System der beruflichen Aus- und Weiterbildung.
Richtig, und dafür benötigen wir auch entsprechend qualifizierte Lehrkräfte. Ich habe zum Beispiel einen Kunden, der ein Qualifizierungsprogramm (Studiengang) aufgesetzt hat, um die kaufmännischen und technischen Welten miteinander zu verbinden. Was aber das Problem ist: Sie haben hierfür nicht die passenden Dozenten. Die einen beherrschen den kaufmännischen Bereich, die anderen den technischen. Sie sollen aber beides beherrschen - und zudem theoretisches Wissen mit betrieblicher Praxisanwendung verzahnen. Das ist nur ein Beispiel. Aber vor allem auch die Digitalisierung und der Umgang mit Künstlicher Intelligenz stellen neue Anforderungen an das System der beruflichen Aus- und Weiterbildung.
Eckert:
Zum Thema Fachkräftemangel würde ich gern noch etwas ergänzen. Häufig haben wir das Problem, dass die Wünsche der Bewerber nicht mit den Anforderungen im Unternehmen vereinbar sind. Ich suche zurzeit zum Beispiel jemanden für die Lohnbuchhaltung. Da bekomme ich Bewerbungen, in denen steht, dass 100 Prozent Homeoffice gewünscht wird. Wie soll das gehen?
Zum Thema Fachkräftemangel würde ich gern noch etwas ergänzen. Häufig haben wir das Problem, dass die Wünsche der Bewerber nicht mit den Anforderungen im Unternehmen vereinbar sind. Ich suche zurzeit zum Beispiel jemanden für die Lohnbuchhaltung. Da bekomme ich Bewerbungen, in denen steht, dass 100 Prozent Homeoffice gewünscht wird. Wie soll das gehen?
Dr. Büttner:
Dass wir auch aus dem Ausland Fachkräfte benötigen, steht außer Frage. Was wir in Deutschland jedoch nicht verstehen, ist, dass es in der Wahrnehmung im Ausland keine eindeutige Trennung zwischen „guten Fachleuten“, die wir holen möchten und „illegalen Migranten“ gibt. Die Wahrnehmung ist: „Deutschland mag keine Ausländer“. Ich bin unter anderem auch ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe tätig. Was ich dort wahrnehme, ist auch, dass die Prüfverfahren in den Ausländerbehörden viel zu lange dauern. Gleichzeitig erlebe ich, dass viele Menschen, die aus dem Ausland zuwandern, bei uns in Deutschland erfolgreich sein möchten. Ich unterstütze zum Beispiel eine syrische Familie, die mittlerweile die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Der Mann ist inzwischen Abteilungsleiter in einem großen Unternehmen des Finanzsektors, seine Frau arbeitet auch, die Kinder sind sehr gut in der Schule. Diese Leute haben gesagt: „Wir wollen hier erfolgreich sein“. Aber wir dürfen beim Thema Fachkräftemangel nicht nur den Blick auf das Ausland richten. Wir haben auch Potenziale in Deutschland, die bislang nicht ausreichend genutzt werden. Ich unterstütze zum Beispiel die Initiative „JOBLINGE“, die zum Ziel hat, junge arbeitslose Menschen eine Ausbildung zu ermöglichen oder in Beschäftigung zu bringen. Es gibt in Deutschland viele Jugendliche, die nichts machen, die nicht einmal im Sozialsystem aufgefangen werden und so für die Gesellschaft praktisch verloren sind. Die Initiative macht aufsuchende Straßenarbeit und spricht die jungen Menschen in ihrem unmittelbaren Umfeld an. Und nach wie vor gibt es viele Frauen, die gerne mehr arbeiten möchten, aber keine ausreichende Kinderbetreuung finden.
Dass wir auch aus dem Ausland Fachkräfte benötigen, steht außer Frage. Was wir in Deutschland jedoch nicht verstehen, ist, dass es in der Wahrnehmung im Ausland keine eindeutige Trennung zwischen „guten Fachleuten“, die wir holen möchten und „illegalen Migranten“ gibt. Die Wahrnehmung ist: „Deutschland mag keine Ausländer“. Ich bin unter anderem auch ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe tätig. Was ich dort wahrnehme, ist auch, dass die Prüfverfahren in den Ausländerbehörden viel zu lange dauern. Gleichzeitig erlebe ich, dass viele Menschen, die aus dem Ausland zuwandern, bei uns in Deutschland erfolgreich sein möchten. Ich unterstütze zum Beispiel eine syrische Familie, die mittlerweile die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Der Mann ist inzwischen Abteilungsleiter in einem großen Unternehmen des Finanzsektors, seine Frau arbeitet auch, die Kinder sind sehr gut in der Schule. Diese Leute haben gesagt: „Wir wollen hier erfolgreich sein“. Aber wir dürfen beim Thema Fachkräftemangel nicht nur den Blick auf das Ausland richten. Wir haben auch Potenziale in Deutschland, die bislang nicht ausreichend genutzt werden. Ich unterstütze zum Beispiel die Initiative „JOBLINGE“, die zum Ziel hat, junge arbeitslose Menschen eine Ausbildung zu ermöglichen oder in Beschäftigung zu bringen. Es gibt in Deutschland viele Jugendliche, die nichts machen, die nicht einmal im Sozialsystem aufgefangen werden und so für die Gesellschaft praktisch verloren sind. Die Initiative macht aufsuchende Straßenarbeit und spricht die jungen Menschen in ihrem unmittelbaren Umfeld an. Und nach wie vor gibt es viele Frauen, die gerne mehr arbeiten möchten, aber keine ausreichende Kinderbetreuung finden.
Kommen wir noch einmal zum Thema Wettbewerbsfähigkeit: Können denn die beschlossenen „Sondervermögen“ für Verteidigung und Infrastruktur die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft erhöhen?
Dr. Büttner:
Ja, aber das hängt davon ab, wie und wie schnell die Mittel eingesetzt werden. Einerseits sind diese zusätzlichen Schulden eine Belastung für die Zukunft, zugleich können sie aber auch ein großes konjunkturelles Ankurbelungsprogramms sein. Ob die Mittel der Rüstungsindustrie oder der Bauwirtschaft zugutekommen: Dahinter stehen stets Arbeitsplätze. Wenn man die Mittel für geeignete zusätzliche Infrastrukturprojekte einsetzt, dann könnte man auch die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland verbessern. Dies setzt aber voraus, dass die Haushaltsmittel zielgerichtet und zügig eingesetzt werden.
Ja, aber das hängt davon ab, wie und wie schnell die Mittel eingesetzt werden. Einerseits sind diese zusätzlichen Schulden eine Belastung für die Zukunft, zugleich können sie aber auch ein großes konjunkturelles Ankurbelungsprogramms sein. Ob die Mittel der Rüstungsindustrie oder der Bauwirtschaft zugutekommen: Dahinter stehen stets Arbeitsplätze. Wenn man die Mittel für geeignete zusätzliche Infrastrukturprojekte einsetzt, dann könnte man auch die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland verbessern. Dies setzt aber voraus, dass die Haushaltsmittel zielgerichtet und zügig eingesetzt werden.
Die schwarz-rote Bundesregierung ist seit dem 6. Mai 2025 im Amt; im kommenden März sind in Hessen Kommunalwahlen. Was muss aus Ihrer Sicht politisch geschehen, damit sich die Standortbedingungen in Deutschland und FrankfurtRheinMain wieder verbessern?
Eckert:
Den Aspekt „Mehr Vertrauen in die Unternehmen und die Bürger“ als Grundlage für den Abbau von Bürokratie habe ich bereits angesprochen. Auch würde ich mir mehr wirtschaftlichen Sachverstand in der Politik wünschen. Dann entstünden etwa Gesetze wie das Lieferkettengesetz in dieser Form erst gar nicht. Ich wünsche mir auch eine Energiepolitik, die eine sichere Versorgung bei gleichzeitig niedrigeren Kosten gewährleistet und weitere Steuerentlastungen für die Unternehmen. Auf kommunaler Ebene sind für mich bezahlbarer Wohnraum und die Verkehrspolitik von zentraler Bedeutung. Insbesondere die Menschen auf dem Land sind auf das Auto angewiesen. Das muss viel stärker in der Verkehrspolitik beachtet werden. Und die Frankfurter Innenstadt muss für die Menschen aus dem Umland erreichbar bleiben, um eine lebendige Stadt mit einem umfassenden Einzelhandelsangebot zu erhalten. Momentan geben wir viel Geld für Fahrradwege aus und hemmen dadurch den Verkehrsfluss für den Auto- und Lieferverkehr erheblich.
Den Aspekt „Mehr Vertrauen in die Unternehmen und die Bürger“ als Grundlage für den Abbau von Bürokratie habe ich bereits angesprochen. Auch würde ich mir mehr wirtschaftlichen Sachverstand in der Politik wünschen. Dann entstünden etwa Gesetze wie das Lieferkettengesetz in dieser Form erst gar nicht. Ich wünsche mir auch eine Energiepolitik, die eine sichere Versorgung bei gleichzeitig niedrigeren Kosten gewährleistet und weitere Steuerentlastungen für die Unternehmen. Auf kommunaler Ebene sind für mich bezahlbarer Wohnraum und die Verkehrspolitik von zentraler Bedeutung. Insbesondere die Menschen auf dem Land sind auf das Auto angewiesen. Das muss viel stärker in der Verkehrspolitik beachtet werden. Und die Frankfurter Innenstadt muss für die Menschen aus dem Umland erreichbar bleiben, um eine lebendige Stadt mit einem umfassenden Einzelhandelsangebot zu erhalten. Momentan geben wir viel Geld für Fahrradwege aus und hemmen dadurch den Verkehrsfluss für den Auto- und Lieferverkehr erheblich.
Kaulich:
Ja, ich musste auch schon sehr schmunzeln, dass Frankfurt jetzt Deutschlands Fahrradstadt Nummer Eins ist. Auch in den anderen Punkten kann ich Frau Eckert nur zustimmen. Beim Thema Energiepolitik sehe ich das Problem, dass wir den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht haben. Wir schalten erst einmal die Anlagen ab und schauen dann, wie es weitergeht. Natürlich ist eine klimafreundliche Energieversorgung wichtig, aber momentan kommt es vor allem erst einmal darauf an, dass das Netz stabil ist und Energie bezahlbar. Grundsätzlich müssen wir bei den Genehmigungsverfahren sehr viel schneller werden. Frau Eckert hat auch richtig angesprochen, dass die Politik mehr Vertrauen in die Unternehmen und Bürger haben muss. Gerade in Zeiten der multiplen Krisen, die wir derzeit erleben, muss die Politik aber auch sicherstellen, dass die Unternehmen und Bürger Vertrauen in die Politik haben können.
Ja, ich musste auch schon sehr schmunzeln, dass Frankfurt jetzt Deutschlands Fahrradstadt Nummer Eins ist. Auch in den anderen Punkten kann ich Frau Eckert nur zustimmen. Beim Thema Energiepolitik sehe ich das Problem, dass wir den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht haben. Wir schalten erst einmal die Anlagen ab und schauen dann, wie es weitergeht. Natürlich ist eine klimafreundliche Energieversorgung wichtig, aber momentan kommt es vor allem erst einmal darauf an, dass das Netz stabil ist und Energie bezahlbar. Grundsätzlich müssen wir bei den Genehmigungsverfahren sehr viel schneller werden. Frau Eckert hat auch richtig angesprochen, dass die Politik mehr Vertrauen in die Unternehmen und Bürger haben muss. Gerade in Zeiten der multiplen Krisen, die wir derzeit erleben, muss die Politik aber auch sicherstellen, dass die Unternehmen und Bürger Vertrauen in die Politik haben können.
Dr. Büttner:
Ich habe den Eindruck einer gewissen wirtschaftspolitischen Orientierungslosigkeit. Irgendwann muss man sich die Frage stellen, wollen wir den Industriestandort Deutschland erhalten? Dann müssen wir bestimmte industriepolitische Entscheidungen zur Verbesserung der Standortbedingungen treffen. Wenn das nicht der Fall ist, muss zumindest ein Plan B entwickelt werden mit einem echten „Auffangschirm“ für die Menschen, die von dem Transformationsprozess betroffen sind. Das Thema „Industriepolitik“ ist schwierig, denn es setzt konsequentes und kongruentes Handeln voraus. Wenn man zum Beispiel in Frankfurt die Position vertritt, dass wir im Zuge der digitalen Transformation mehr Rechenzentren benötigen, dann müssen wir auch dafür Sorge tragen, dass der hierfür benötigte Strom nach Frankfurt kommt. Oder noch ein anderes Beispiel: Wenn ich sage, ich möchte die Circular Economy in der Region voranbringen, etwa mit Recycling, mit Anlagen für neue Baustoffe, dann muss ich auch den Platz dafür schaffen. Diese Baustoffe müssen aufgearbeitet, transportiert, gebrochen und glasiert werden. Das ist laut und benötigt viel Platz. Damit Frankfurt als Industriestandort erhalten bleibt, brauchen wir daher eine klare Flächenpolitik mit klaren Vorgaben, die Planungssicherheit geben. Dann sind wir in der Lage sind, konsequent zu handeln und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Wir haben dies während der Energiekrise bei der Umsetzung der LNG-Terminals gesehen. Das ist für mich ein Blueprint in Bezug auf die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren.
Abschließend möchte ich noch einen positiven Ausblick geben, auch wenn wir hier in diesem Interview vor allem negative Aspekte angesprochen haben: Deutschland und die Metropolregion FrankfurtRheinMain haben im Ausland nach wie vor einen guten Ruf. Er ist so viel besser, als wir uns oftmals selbst sehen. Ein wesentlicher Standortvorteil ist zum Beispiel die Rechtssicherheit. Was nützt mir zum Beispiel eine schnelle Genehmigung in Brasilien, wenn es nachträglich zu Problemen kommt. Wir machen uns zu schlecht! Wir haben viele innovative Menschen, die uns voranbringen können, ein gutes Ausbildungssystem, das es so in der Art nirgendwo anders gibt. Wir haben genug Potenzial in Deutschland! Und wir haben viele Krisen in Deutschland erfolgreich dann überstanden, wenn der Druck am größten war. Dafür lohnt es sich zu kämpfen! Dies tun Frau Eckert, Frau Kaulich und ich auch im Industrieausschuss der IHK Frankfurt am Main.
Ich habe den Eindruck einer gewissen wirtschaftspolitischen Orientierungslosigkeit. Irgendwann muss man sich die Frage stellen, wollen wir den Industriestandort Deutschland erhalten? Dann müssen wir bestimmte industriepolitische Entscheidungen zur Verbesserung der Standortbedingungen treffen. Wenn das nicht der Fall ist, muss zumindest ein Plan B entwickelt werden mit einem echten „Auffangschirm“ für die Menschen, die von dem Transformationsprozess betroffen sind. Das Thema „Industriepolitik“ ist schwierig, denn es setzt konsequentes und kongruentes Handeln voraus. Wenn man zum Beispiel in Frankfurt die Position vertritt, dass wir im Zuge der digitalen Transformation mehr Rechenzentren benötigen, dann müssen wir auch dafür Sorge tragen, dass der hierfür benötigte Strom nach Frankfurt kommt. Oder noch ein anderes Beispiel: Wenn ich sage, ich möchte die Circular Economy in der Region voranbringen, etwa mit Recycling, mit Anlagen für neue Baustoffe, dann muss ich auch den Platz dafür schaffen. Diese Baustoffe müssen aufgearbeitet, transportiert, gebrochen und glasiert werden. Das ist laut und benötigt viel Platz. Damit Frankfurt als Industriestandort erhalten bleibt, brauchen wir daher eine klare Flächenpolitik mit klaren Vorgaben, die Planungssicherheit geben. Dann sind wir in der Lage sind, konsequent zu handeln und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Wir haben dies während der Energiekrise bei der Umsetzung der LNG-Terminals gesehen. Das ist für mich ein Blueprint in Bezug auf die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren.
Abschließend möchte ich noch einen positiven Ausblick geben, auch wenn wir hier in diesem Interview vor allem negative Aspekte angesprochen haben: Deutschland und die Metropolregion FrankfurtRheinMain haben im Ausland nach wie vor einen guten Ruf. Er ist so viel besser, als wir uns oftmals selbst sehen. Ein wesentlicher Standortvorteil ist zum Beispiel die Rechtssicherheit. Was nützt mir zum Beispiel eine schnelle Genehmigung in Brasilien, wenn es nachträglich zu Problemen kommt. Wir machen uns zu schlecht! Wir haben viele innovative Menschen, die uns voranbringen können, ein gutes Ausbildungssystem, das es so in der Art nirgendwo anders gibt. Wir haben genug Potenzial in Deutschland! Und wir haben viele Krisen in Deutschland erfolgreich dann überstanden, wenn der Druck am größten war. Dafür lohnt es sich zu kämpfen! Dies tun Frau Eckert, Frau Kaulich und ich auch im Industrieausschuss der IHK Frankfurt am Main.
Das Interview führte Anfang Juli 2025 Dr. Rainer Behrend, Behrend-Institut Frankfurt am Main (www.behrend-institut.de)
