Chemische Industrie (Hessen)

Der Geschäftsklimaindex verdeutlicht die Einschätzung der Unternehmen der chemischen Industrie in Hessen zur konjunkturellen Entwicklung.
IHK-Geschäftsklimaindex sinkt auf 70 Punkte
Die Chemieindustrie in Hessen (und Deutschland) leidet seit mehreren Jahren unter hohen Energiekosten, internationalem Wettbewerbsdruck und Überkapazitäten auf dem Weltmarkt. Der Nahostkrieg wirkt deshalb wie ein zusätzlicher Belastungsfaktor und verschlechtert die Geschäftsaussichten vieler Unternehmen. Entsprechend schlecht ist derzeit die Stimmung in der hessischen Chemieindustrie. Gegenüber dem Jahresanfang 2026 sinkt zum Frühsommer der IHK-Geschäftsklimaindex nochmals um zehn Punkte und befindet sich aktuell mit 70 Punkten auf einem historisch niedrigen Niveau. Dies ist auf die starke Eintrübung der Geschäftserwartungen zurückzuführen. Der IHK-Erwartungsindikator sinkt gegenüber der Vorumfrage stark um 33 Punkte und liegt mit minus 42 Punkten weit im negativen Bereich.
Chemische Industrie besonders vom Nahost-Konflikt betroffen
Große Sorge bereitet den Unternehmen die Eskalation am Persischen Golf und die damit gestiegene Energie- und Rohstoffkosten. Chemieunternehmen benötigen große Mengen an Erdgas, Erdöl und Strom. Durch die militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten sind die Preise für Öl und Gas zuletzt deutlich gestiegen. Da viele chemische Grundstoffe auf Erdöl und Erdgas basieren, erhöhen sich nicht nur die Energiekosten, sondern auch die Kosten für zahlreiche Vorprodukte. Besonders betroffen sind energieintensive Bereiche wie die Grundstoffchemie, die Kunststoffproduktion sowie die Herstellung von Düngemitteln. Hinzu kommen die gestiegenen Risiken für Lieferketten und die Rohstoffversorgung. Über die Straße von Hormus werden nicht nur große Mengen von Öl und Flüssiggas, sondern auch zahlreiche chemische Rohstoffe transportiert. Einschränkungen des Schiffsverkehrs oder Blockaden führen zu Verzögerungen, höheren Transportkosten und Versorgungsrisiken.
Exporterwartungen trüben sich stark ein
Besonders stark haben sich die Exporterwartungen eingetrübt. Die höheren Produktionskosten schwächen die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Dies ist ein wesentlicher Grund dafür, dass der IHK-Indikator der Exporterwartungen kräftig auf nunmehr minus 56 Punkte sinkt. Bereits 2025 waren fast alle wichtigen Exportmärkte der chemischen Industrie rückläufig. Im laufenden Jahr zeichnen sich keine Veränderungen ab. Aufgrund der – im Vergleich zu früheren Jahren – schwächeren Konjunktur und erheblicher Überkapazitäten, wird auch 2026 die chinesische Importnachfrage rückläufig sein. Dies gilt in besonderer Weise für bestimmte Basischemikalien, Kunststoffe und industrielle Vorprodukte. Im (nach der EU) wichtigsten Exportmarkt, den Vereinigten Staaten, belasten die Zollrisiken, die protektionistische Handelspolitik der US-Administration sowie die zunehmend auf heimische Produktion ausgerichtete Industriepolitik das Geschäft der hessischen Chemieunternehmen.
Beschäftigungsabbau setzt sich fort
Zum 30.06.2025 lag die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Chemieindustrie Hessens mit 25.616 Personen um 2,4 Prozent niedriger als im Vergleich zum Vorjahr. Dieser Beschäftigungsabbau wird sich auch in den kommenden Monaten fortsetzen. Der IHK-Beschäftigungsindikator sinkt zum Frühsommer 2026 gegenüber dem Jahresanfang nochmals um sieben Punkte und liegt mit minus 42 Punkten weit im negativen Bereich. Deutlich verschlechtert hat sich auch die Investitionsbereitschaft. Der IHK-Investitionsindikator sinkt um 23 Punkte stark auf nunmehr minus 32 Punkte. Rationalisierungsinvestitionen sind inzwischen das wichtigste Investitionsmotiv in der hessischen Chemieindustrie. Fast zwei Drittel der Betriebe geben Rationalisierungen als Hauptmotiv für Investitionen an (Mehrfachnennungen möglich).

Chemische Industrie | Hessen | IHK-Indikatoren

IHK-Indikatoren
Jan 2026
(2026-I)
Mai 2026
(2026-II)
Veränderung
Auftragseingänge Inland
-39
-11
+28
Auftragseingänge Ausland
-9
-17
-8
Geschäftslage
-31
-16
+15
Geschäftserwartungen
-9
-42
-33
Exporterwartungen
-5
-56
-51
Investitionsvolumen
-9
-32
-23
Beschäftigung
-35
-42
-7

Chemische Industrie | Hessen | Diagramme

Chemische Industrie | Hessen | Trendprognose für die nächsten 6 Monate


Produktion

Investitions-
volumen

Beschäftigung

Export
sinkend sinkend sinkend sinkend