Pharmaindustrie (Hessen)

Der Geschäftsklimaindex verdeutlicht die Einschätzung der Unternehmen der Pharmaindustrie in Hessen zur konjunkturellen Entwicklung.
Gute Geschäftslage – aber verschlechterte Zukunftserwartungen
Die Geschäftslage wird in der hessischen Pharmaindustrie weitaus besser beurteilt als in den anderen Industriezweigen. Zum Jahresanfang 2026 notiert der IHK-Lageindikator mit plus 39 Punkten nochmals um zehn Punkte höher als bei der Umfrage im Herbst 2025. Dennoch ist der IHK-Geschäftsklimaindex um fünf Punkte gesunken und liegt mit 98 Punkten leicht unter der „neutralen“ 100-Punkte-Marke. Dieser Rückgang ist auf die deutliche Eintrübung der Geschäftserwartungen zurückzuführen. Der Pessimismus in der hessischen Pharmaindustrie, der sich bereits im Herbst des Vorjahres zeigte, hat sich zum Jahresanfang nochmals verstärkt: Der IHK-Erwartungsindikator sinkt von minus 18 auf minus 31 Punkte.
Der Pessimismus hat vielfältige Ursachen
Die Gründe für die pessimistischen Erwartungen sind vielfältig. Der Kostendruck im heimischen Gesundheitssystem, der Preissteigerungen und Gewinnsteigerungen begrenzt, ist nicht neu. Allerdings hat sich der Druck durch Rabattverträge, Erstattungsregeln sowie Preisregulierungen nochmals verstärkt. Wachstumstreiber war und ist jedoch das Exportgeschäft. Dies wird getragen von Innovationen, patentgeschützten Präparaten und hoher Qualitätsreputation. Sorge bereitet den Unternehmen aber die nachlassende Wettbewerbsfähigkeit aufgrund bürokratischer Hemmnisse aus Brüssel und Berlin, welche die für die Pharmaindustrie so wichtige Forschung und Entwicklung ausbremsen. Hinzu kommt die hohe Abhängigkeit von China und Indien bei Wirkstoffen sowie die zunehmende Konkurrenz aus China auch bei innovativen Arzneien. Schließlich belastet nicht nur die Zollpolitik der Trump-Administration; auch die Bemühungen der US-Regierung, pharmazeutische Produktion ins eigene Land zu verlagern und internationale Preisunterschiede zu nivellieren, sorgen für Unsicherheit. Trotzdem sind die Exporterwartungen nach oben gerichtet. Dabei sind nicht nur die Exporterwartungen für den EU-Binnenmarkt sowie den US-Markt positiv. Der steigende Gesundheitsbedarf und wachsende Mittelschichten in Indien und weiteren asiatischen Schwellenländern bieten neue Exportmöglichkeiten für die hessische Pharmaindustrie.
Geringe Investitions- und Einstellungsbereitschaft
In der jüngeren Vergangenheit war das Umsatzwachstum vor allem durch Preissteigerungen oder externe Sondereffekte und nicht durch Mengenzuwächse erzielt worden. Dies wirkt sich auch auf die Investitionsbereitschaft aus. Der IHK-Investitionsindikator sinkt gegenüber der Vorumfrage nochmals um drei auf minus 15 Punkte. Im Vordergrund stehen (nach dem Ersatzbedarf) Rationalisierungsinvestitionen. 58 Prozent der hessischen Pharmaunternehmen sehen hierin das Hauptmotiv für ihre Investitionsentscheidungen. Immerhin 42 Prozent planen jedoch auch Kapazitätserweiterungen (Mehrfachnennungen waren möglich). Grundsätzlich gehört die pharmazeutische Industrie zu den Spitzenreitern in Deutschland in Bezug auf die Intensität von Forschung und Entwicklung. Die nachgelassene Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Hessens als Innovations- und Produktionsstandort hat inzwischen dazu geführt, dass Forschungsaktivitäten und Investitionen zunehmend ins Ausland verlagert werden.

Pharmaindustrie | Hessen | IHK-Indikatoren

IHK-Indikatoren
Okt 2025
(2025-III)
Jan 2026
(2026-I)
Veränderung
Auftragseingänge Inland
+6
+15
+9
Auftragseingänge Ausland
+77
+42
-35
Geschäftslage
+29
+39
+10
Geschäftserwartungen
-18
-31
-13
Exporterwartungen
+7
+46
+39
Investitionsvolumen
-12
-15
-3
Beschäftigung
-12
-15
-3

Pharmaindustrie | Hessen | Diagramme

Pharmaindustrie | Hessen | Trendprognose für die nächsten 6 Monate


Produktion

Investitions-
volumen

Beschäftigung

Export
steigend sinkend sinkend steigend