Pharmaindustrie (Hessen)
Der Geschäftsklimaindex verdeutlicht die Einschätzung der Unternehmen der Pharmaindustrie in Hessen zur konjunkturellen Entwicklung.
Negative Erwartungen zum Jahresanfang bestätigen sich
Die Auftragslage in der hessischen Pharmaindustrie hat sich im Frühsommer 2026 gegenüber dem Jahresanfang deutlich verschlechtert. Zum Jahresanfang florierte das Exportgeschäft, und auch die Binnennachfrage verlief positiv. Allerdings waren zum Jahresbeginn deutliche Anzeichen einer konjunkturellen Abschwächung erkennbar. Der IHK-Indikator der Exporterwartungen rutschte auf minus 31 Punkte. Die damalige Skepsis war berechtigt. Zum Frühsommer 2026 hat sich die Auftragslage deutlich verschlechtert. Sowohl die Binnennachfrage als auch die Auftragseingänge aus dem Ausland gingen zurück. Die jeweiligen IHK-Auftragseingangsindikatoren notieren aktuell bei minus 13 Punkten.
Exportrückgänge werden befürchtet
Die wichtigsten Exportmärkte der hessischen Pharmaindustrie entwickeln sich deutlich schwächer als 2025. So bremsen neue pharmazeutische Zollregelungen der US-Regierung das Exportgeschäft. Für Arzneimittel aus der EU gilt nun eine Zollobergrenze von 15 Prozent. Trotzdem bleiben die USA wichtig, weil die Nachfrage nach innovativen Arzneimitteln hoch bleibt und zahlreiche hessische Pharmaunternehmen über etablierte Vertriebsstrukturen in den USA verfügen. Insgesamt ist jedoch die Europäische Union der wichtigste Exportmarkt. 55 Prozent der hessischen Pharma-Exporte gehen in die EU. Die Wachstumsraten sind jedoch begrenzt, da viele europäische Gesundheitssysteme unter Kostendruck stehen und versuchen, Arzneimittelpreise zu begrenzen. Das reduziert die Gewinnmargen. Auf die kommenden Monate blicken die hessischen Pharmaunternehmen ausgesprochen skeptisch. Der IHK-Indikator sinkt kräftig von plus 46 auf minus 29 Punkte.
Geringe Investitions- und Einstellungsbereitschaft
In der jüngeren Vergangenheit war das Umsatzwachstum vor allem durch Preissteigerungen oder externe Sondereffekte und nicht durch Mengenzuwächse erzielt worden. Dies wirkt sich auch auf die Investitionsbereitschaft aus. Der IHK-Investitionsindikator bleibt mit minus 13 Punkten auf niedrigem Niveau. Im Vordergrund stehen Rationalisierungsinvestitionen. 67 Prozent der hessischen Pharmaunternehmen sehen hierin das Hauptmotiv für ihre Investitionsentscheidungen. 47 Prozent nennen Produktinnovationen als Hauptmotiv (Mehrfachnennungen möglich). Weiter nachgelassen hat die Einstellungsbereitschaft der Pharmaunternehmen. Der IHK-Beschäftigungsindikator sinkt gegenüber dem Jahresanfang nochmals um zehn Punkte und liegt mit minus 25 Punkten auf sehr niedrigem Niveau. Entgegen dem Wachstumstrend der letzten Jahre dürfte daher in den kommenden Monaten mit einem Beschäftigungsrückgang in der hessischen Pharmaindustrie zu rechnen sein. Für Unsicherheit sorgt bei den Unternehmen zudem die geplante Gesundheitsreform, die langfristig die Finanzierbarkeit des deutschen Gesundheitssystems sichern soll. Die Branche befürchtet daraus jedoch sinkende Gewinne auf dem deutschen Markt sowie eine nachlassende Attraktivität des heimischen Forschungs- und Investitionsstandorts.
Pharmaindustrie | Hessen | IHK-Indikatoren
|
IHK-Indikatoren
|
Jan 2026
(2026-I)
|
Mai 2026
(2026-II)
|
Veränderung
|
|---|---|---|---|
| Auftragseingänge Inland |
+15
|
-13
|
-28
|
| Auftragseingänge Ausland |
+42
|
-13
|
-55
|
| Geschäftslage |
+39
|
+6
|
-33
|
| Geschäftserwartungen |
-31
|
-13
|
+18
|
| Exporterwartungen |
+46
|
-29
|
-75
|
| Investitionsvolumen |
-15
|
-13
|
+2
|
| Beschäftigung |
-15
|
-25
|
-10
|
Pharmaindustrie | Hessen | Diagramme
Pharmaindustrie | Hessen | Trendprognose für die nächsten 6 Monate
|
Produktion
|
Investitions-
volumen |
Beschäftigung
|
Export
|
|---|---|---|---|
| leicht sinkend | leicht sinkend | sinkend | sinkend |
