IHK-Position zur Kommunalen Wärmeplanung
21. Mai 2026
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt am Main begrüßt das Ziel der Stadt Frankfurt, mit der kommunalen Wärmeplanung und dem Ausbau der Fernwärme auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität weiter voranzukommen. Die IHK fordert den Ausbau der Fernwärme so zu gestalten, dass er wirtschaftlich tragfähig, technisch realisierbar, ökologisch wirksam und gesellschaftlich akzeptiert ist. In ihrer Stellungnahme zum Entwurf der kommunalen Wärmeplanung spricht sich die IHK daher für realistische Zeitpläne, technologieoffene Lösungen, transparente Fernwärme-Konditionen und eine frühzeitige Einbindung der betroffenen Unternehmen aus.
„Mit der kommunalen Wärmeplanung stellt Frankfurt zentrale Weichen für die Energieversorgung der kommenden Jahrzehnte. Diese Weichenstellung sollte Klimaschutz ermöglichen, ohne Wettbewerbsfähigkeit, Investitionsbereitschaft und Akzeptanz zu gefährden“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Clemens Christmann. „Richtig ist deshalb, dass die Stadt vom ursprünglichen Zieljahr 2035 abrückt. Der Umbau des Wärmesektors braucht realistische Zeitpfade, verlässliche Rahmenbedingungen und eine Umsetzung, die Unternehmen nicht überfordert.“
Nach Einschätzung der IHK kommt der Fernwärme beim Umbau des Wärmesektors eine wichtige Rolle zu. Sie kann dazu beitragen, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren und vorhandene Abwärmepotenziale, etwa aus Rechenzentren und Industrieparks, nutzbar zu machen. Gleichzeitig weist die IHK darauf hin, dass Fernwärme nur dort sinnvoll ausgebaut werden sollte, wo das technisch und wirtschaftlich tragfähig umsetzbar ist. Für andere Gebiete braucht es weiterhin dezentrale Lösungen, Nahwärmenetze, Großwärmepumpen oder Quartiersansätze. IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Christmann: „Betriebe sollten zügig informiert werden, ob an ihren Standorten Fernwärme kommen wird.“
Ein besonderes Potenzial sieht die IHK in der Nutzung von Abwärme aus Rechenzentren. Dafür sollten Stadtplanung und Wärmeplanung stärker miteinander verzahnt werden. „Rechenzentren sind nicht nur ein zentraler Bestandteil der digitalen Infrastruktur Frankfurts, sondern können auch einen Beitrag zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung leisten“, so Dr. Clemens Christmann. „Damit dieses Potenzial genutzt werden kann, sollte Frankfurt dezentrale Rechenzentrumsstandorte im Stadtgebiet ermöglichen und wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen für die Abwärmenutzung schaffen.“
Angesichts der Diskussionen in anderen Städten betont die IHK, dass sie einen Anschluss- und Benutzungszwang ablehnt. Der Umbau des Wärmesektors sollte die unternehmerische und private Entscheidungsfreiheit respektieren, so der IHK-Hauptgeschäftsführer. Fernwärme sollte durch Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutzvorteile überzeugen. Zwangsmaßnahmen gefährdeten hingegen die Akzeptanz des Umbaus der Wärmeversorgung. Für potenzielle Anschließer seien transparente Informationen zu Anschlussquoten, Preisstrukturen und langfristigen Konditionen entscheidend, um Investitionen verlässlich planen zu können.
Zugleich macht die IHK auf die Belastungen aufmerksam, die mit dem Ausbau der Fernwärme verbunden sind. Der Netzausbau werde über Jahre zahlreiche Baustellen verursachen. Für Betriebe können damit Einschränkungen bei Erreichbarkeit, Sichtbarkeit, Lieferverkehren, Kundenfrequenz und Betriebsabläufen verbunden sein. Die IHK fordert eine abgestimmte Bau- und Verkehrsplanung, eine bessere Koordination aller Baulastträger sowie eine frühzeitige Kommunikation mit den betroffenen Unternehmen. Dr. Clemens Christmann: „Unternehmen sollten frühzeitig wissen, wann, wo und wie lange gebaut wird, welche Zufahrten betroffen sind und wie die Erreichbarkeit für Kunden, Beschäftigte, Lieferanten und Gäste gesichert bleibt.“ Darüber hinaus spricht sich die IHK für schlanke, harmonisierte und digitale Genehmigungsverfahren aus. Bauvorhaben sollten stärker gebündelt, schneller genehmigt und besser zwischen Verwaltung, städtischen Unternehmen, Netzbetreibern und weiteren Infrastrukturträgern abgestimmt werden.
